Öffentliche Ordnung

Beim Ordnungsdienst fehlt Personal

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Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes (OSD) im Gespräch mit einer Passantin in der Nähe des Hauptbahnhofs. (Archivfoto)

DÜSSELDORF Die Stadt lockt mit mehr Geld, weil es auf den Straßen immer unangenehmer zugeht.

Von Alexander Schulte

Düsseldorf. Vor allem mit finanziellen Anreizen will die Stadt den eigenen Ordnungs- und Servicedienst (OSD) personell stärken. Oder besser gesagt: den schon länger drückenden und sich in letzter Zeit verschärfenden Personalmangel mildern. Das haben jetzt OB Thomas Geisel, Ordnungsdezernent Christian Zaum und der Personalrat der Stadtverwaltung vereinbart. „Wir werden den OSD-Mitarbeitern Zulagen gewähren, die von 8 Euro für eine Tages- bis zu 20 Euro für eine Nacht- oder Wochenendschicht reichen“, sagt Zaum gegenüber unserer Zeitung. Im Jahr führe das im Schnitt zu 2700 bis 2900 Euro mehr Gehalt pro Kopf, was ein zusätzliches Monatsgehalt darstelle.

Die Stadt stellt für die nächsten vier Jahre jeweils 500 000 Euro zusätzlich für den OSD bereit. Regelrechte Gefahrenzulagen (wie bei der Polizei) gibt es bei der Stadt nicht. Dass der Dienst auf der Straße in letzter Zeit insgesamt unangenehmer, ja, bedrohlicher wird, berichten OSD-Kräfte genauso wie es Polizeibeamte und sogar Rettungssanitäter und Feuerwehrleute in Noteinsätzen in Düsseldorf tun. Sie alle werden immer öfter beleidigt und – wenngleich deutlich seltener – Angriffsziel spontaner körperlicher Gewalt, aber auch Opfer von Widerstandshandlungen im Rahmen von ordnungsrechtlichen Einsätzen.

Stadtspitze: Schichtzulagen können Personalmangel nicht beheben

Zaum: „Mehrfach konnte ich die Kollegen des OSD bei ihren Streifengängen begleiten und ihre Einsatzbereitschaft miterleben. Allerdings hat mich die hohe Gewaltbereitschaft schockiert, denen sie zunehmend ausgesetzt sind.“ Dies habe ihn bestärkt, die Leistung der OSDler besser zu würdigen. Bei der Stadtspitze macht man sich keine Illusionen, dass die Schichtzulagen allein nicht den Personalmangel beheben werden. Im November waren nur etwa 80 der 120 OSD-Stellen besetzt.

OBDACHLOSENMAGAZIN

FIFTYFIFTY Das Problem sieht man beim Obdachlosenmagazin „Fiftyfifty“ anders. Deren Streetworker Oliver Ongaro liegt häufiger im Clinch mit dem OSD, zuletzt auch juristisch, weil er eine OSD-Mitarbeiterin tätlich angegriffen haben soll, laut Ongaro war es umgekehrt. „Der Grundauftrag des OSD ist nach wie vor zweifelhaft“, meint er, „denn er geht im Rahmen der Straßenordnung zu oft gegen sozial benachteiligte Gruppen vor.“

So gab es auch 38 Abgänge, wobei die meisten innerhalb der Stadtverwaltung auf angenehmere Stellen wechselten. Dem will man mit einer Ausweitung des Fortbildungsangebotes in Deeskalations- und Eingriffstechniken begegnen, zudem wird eine Verstärkung des Teambuildings und eine bessere Ausstattung des OSD versprochen. Darüber hinaus kann sich Zaum auch mehr Beförderungsstellen vorstellen. Erschwerend zum Bewerbermangel hinzu kommt, dass sich viele Kandidaten schon im Einstellungsverfahren als ungeeignet erweisen. So fielen 2017 von gut 500 Aspiranten 400 bereits im Online-Test durch, darunter Abiturienten. Nun müssen die Mitarbeiter auch geistig ein gewisses Niveau haben, ist der OSD doch mit weitreichenden polizeilichen Befugnissen ausgestattet. Nicht von ungefähr sieht Zaum in dessen „aktiv aufsuchender Ausrichtung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung einen wichtigen Bestandteil der Düsseldorfer Sicherheitsarchitektur“.

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