Beim Ordnungsamt steht das Telefon nicht still

Der Kommunale Ordnungsdienst verstärkt seine Präsenz. Verstöße gegen Corona-Regeln sollen konsequent geahndet werden. Foto: Roland Keusch
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Der Kommunale Ordnungsdienst verstärkt seine Präsenz. Verstöße gegen Corona-Regeln sollen konsequent geahndet werden. Foto: Roland Keusch

Krisenstabsleiter ärgert sich über „Stigmatisierung“ Remscheids

Von Manuel Böhnke

REMSCHEID Ein wenig fühlen sich Jürgen Beckmann und Daniel Pfordt in den März zurückversetzt. Denn seit die Stadt Remscheid gestern eine Allgemeinverfügung als Reaktion auf die steigenden Corona-Fallzahlen erlassen hat, steht das Telefon beim Remscheider Ordnungsamtschef, dem Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und ihren Kollegen nicht mehr still.

Von knapp 100 Anrufen in einer Stunde berichtet Pfordt. Hinzu kommen zahlreiche Anfragen per E-Mail. Viele Remscheider möchten wissen, ob ihre geplanten Feiern und Veranstaltungen stattfinden können.

Rückverfolgung der Anwesenden ist bei Festen am wichtigsten

Dabei ging es Beckmann zufolge gestern vor allem um private Feste am Wochenende. Laut der städtischen Allgemeinverfügung muss der Veranstalter Feiern bei der Behörde anzeigen, sobald er mehr als 25 Gäste zu einem „herausragenden Anlass“ außerhalb einer Privatwohnung erwartet – etwa in Gaststätten, Vereins- oder Gartenheimen. Das muss drei Werktage vor der Veranstaltung geschehen. „Wenn sich jemand schon gestern gemeldet hat oder heute noch frühzeitig auf uns zukommt, bekommen wir das aber noch vor dem Wochenende hin“, beruhigte Beckmann am Donnerstag.

Wer mehr als 50 Gäste erwartet, muss sich die Veranstaltung genehmigen lassen und ein Hygienekonzept einreichen. Dabei kann man durchaus auf bestehenden Konzepten aufbauen, erklärt der Ordnungsamtsleiter. Ansonsten gelten gängige Vorschriften, etwa zu Hygiene und Lüften. „Das ist auch für Privatpersonen machbar. Man muss sich nur Gedanken machen und in die Verordnungen gucken“, sagt Beckmann.

Am wichtigsten sei die Rückverfolgbarkeit der Anwesenden. Damit das gelinge, sei es unbedingt notwendig, alle Kontaktdaten korrekt zu erfassen. Dabei ist es in der Vergangenheit immer wieder zu kleineren Problemen gekommen. Beckmann nennt den Fall eines Sportvereins. Dort gab es einen Infizierten, in den Listen der Kontaktpersonen waren aber zum Teil falsche oder unvollständige Angaben zu finden.

Herbstferien könnten zu Enttäuschungen führen

Solche Vorfälle möchte die Ordnungsbehörde konsequent ahnden. Gleiches gilt für Verstöße gegen die Maskenpflicht. Beckmann erinnert zudem daran, dass die angeordnete häusliche Quarantäne ernstgenommen werden muss. „Wir hoffen schließlich alle, dass die Zahlen schnell wieder zurückgehen.“

Auch in der gestrigen Sitzung des Remscheider Stadtrates war die aktuelle Corona-Situation eines der bestimmenden Themen. Krisenstabsleiter und Sozialdezernent Thomas Neuhaus erklärte, er rechne erst in 14 Tagen mit einer Verbesserung der Fallzahlen. FDP-Ratsherr Wolf Lüttinger befürchtet deshalb, dass es mit Blick auf die am 12. Oktober beginnenden Herbstferien bei einigen Remscheidern zu Enttäuschungen kommen könnte. Denn als Bewohner eines Risikogebiets müssen sie mit Einschränkungen rechnen, wenn sie in andere Bundesländer reisen und dort übernachten wollen.

Neuhaus äußerte Unmut über diese „ungerechte Stigmatisierung“: „Jetzt weiß ich, wie sich die Menschen im Kreis Gütersloh gefühlt haben.“ Die Sieben-Tage-Inzidenz habe den kritischen Wert von 50 zwar überschritten, das sei jedoch kein Grund, die Remscheider „wie Aussätzige“ zu behandeln.

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