Konzern

Was bedeutet Wuppertals Impfstoff-Deal?

Das große Werksgelände von Bayer an der Wupper. Chef hier ist Timo Fleßner (kl. Foto). Archivfoto: Bayer AG
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Das große Werksgelände von Bayer an der Wupper.

Bayer produziert für Curevac – Wuppertals Oberbürgermeister Schneidewind sieht starkes Pharma-Cluster.

Von Olaf Kupfer und Andreas Boller

Wuppertal. „Ich habe mich riesig gefreut. Das ist ein sehr guter Wochenbeginn“, sagte Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Die Meldung, dass bei Bayer in Wuppertal künftig mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac endproduziert wird, sei für den „Pharmastandort Wuppertal eine ganz tolle Nachricht“, die das „Potenzial des Standortes innerhalb des Bayer-Konzerns“ verdeutliche. Zwei Konkurrenten verbünden sich auf dem weltweiten Impfstoff-Markt, ihr lokaler Treffpunkt liegt in Wuppertal. Am Montagmorgen hatte Bayer das in einer digitalen Schalte mit Gesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verkündet.

Schneidewind glaubt an eine längerfristige Produktion in Wuppertal. „Diese technologiebasierte Fertigung kommt ja für viele künftige Impfstoffe und künftige Pandemien infrage“, so der Oberbürgermeister. Auch wenn die Produktion des noch nicht zugelassenen Curevac-Impfstoffs in Wuppertal erst gegen Ende des Jahres intensiviert werde und das für das aktuelle deutsche Bedürfnis wohl zu spät komme, werde der Bedarf „global sehr lange weiterlaufen“. Potenziell notwendige Auffrischungsimpfungen und neue Mutanten des Virus vergrößern den Markt für neue und überarbeitete Impfstoffe. Spahn machte deutlich, dass man in Deutschland in der mRNA-Technik führend und bald schon unabhängiger vom Weltmarkt sein wolle. Deswegen lege man großen Wert auf diese heimische Produktion – und garantiere Absatzmengen.

Die „Faktor VIII“-Anlage kommt für Curevac nicht infrage

Schneidewind erfreut sich jetzt an einem „kraftvollen Pharma-Cluster in Wuppertal“, zu dem auch das chinesische Unternehmen WuXi Biologics aus Hongkong gehört, das von Bayer eine Anlage am Standort Wuppertal gekauft hat, die ein deutsches Tochterunternehmen von WuXi zur Herstellung von Wirkstoffen für Covid-19-Impfstoffe und andere Biologika nutzen will – ein 150-Millionen-Euro-Deal, dessen Abschluss Bayer für das erste Halbjahr erwartet. Ursprünglich sollte in der Anlage an der Wuppertaler Friedrich-Ebert-Straße, die künftig die Chinesen nutzen, der Blutgerinnungswirkstoff „Faktor VIII“ zur Behandlung der Bluterkrankheit hergestellt werden. Das aber wurde trotz Investitionen von etwa einer halbe Milliarde Euro in Wuppertal im Zuge von Bayers Monsanto-Zukauf auf das Werk Berkeley in den USA konzentriert.

Chef hier ist Timo Fleßner.

Wo Bayer genau an seinen Wuppertaler Standorten endproduzieren will, ist noch unklar, zumal der Deal mit den Chinesen nicht mehr angetastet wird. Im Forschungszentrum Aprath, dem zweiten Bayer-Standort in Wuppertal, müsste eine neue Produktionsstätte aufgebaut werden.

Bayer teilte mit, dass man das globale Produktionsnetzwerk nutzen wolle und die Karten darüber hinaus nicht gänzlich offen lege: „Bis auf Wuppertal spezifizieren wir das nicht weiter.“ Zuerst müssten „Einrichtungen angepasst und neue Spezialgeräte beschafft“ werden. „Der Technologietransfer, die Beschaffung, Installation und Validierung der Ausrüstung werden im Laufe des größten Teils des Jahres 2021 fortgesetzt. Neue Produktionsstätten werden nicht gebaut“, teilte eine Bayer-Sprecherin mit.

Am Bayer-Werk Wuppertal sind derzeit insgesamt 3100 Mitarbeiter beschäftigt. 2022 sollen 160 Millionen Dosen des Curevac-Impfstoffs in Wuppertal hergestellt werden. „Der erste Impfstoff aus dieser Erweiterung ist möglicherweise bereits Ende des Jahres verfügbar.“

Für Wuppertal bedeutet das neue Pharma-Cluster aus Pharmaentwicklung und Forschung, zu dem Schneidewind auch die „führenden Krankenkassen“ zählt, dass der Standort attraktiver wird – und mehr Gewerbesteuer fließt. Das Vertrauen in den Investitionsstandort Wuppertal, analysierte Schneidewind, werde wachsen, man spüre Rückenwind. „Man wird Fachpersonal ansiedeln und baut Know-how auf.“. Über Timo Fleßner, seit Mai 2020 Bayer-Werksleiter in Wuppertal, sei die Stadt frühzeitig einbezogen gewesen. Schneidewind: „Wir haben signalisiert, dass wir immer ansprechbar sind.“

Politik

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt sagte zu, die Impfstoffproduktion politisch zu unterstützen, wenn dies notwendig werden sollte. Auch der Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh begrüßte die Nachricht: „Noch viele Jahre werden sich Menschen mit Corona infizieren.“ Neben Impfstoffen brauche es wirksame Medikamente. Daher sei auch die Therapeutika-Forschung wichtig.

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