Bahnhofsmission kümmert sich wie eine Familie

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Die Bahnhofsmission ist seit zehn Jahren am Wuppertaler Hauptbahnhof (v. l.): Anja Schneider, Norbert Zimmermann, Bogumila Sporin. Foto: Andreas Fischer

Hilfsorganisation unterstützt bei akuten Problemen und in existenziellen Notlagen.

Von Tanja Heil

Wuppertal. Zwei ältere Herren sitzen mit einer Mitarbeiterin der Bahnhofsmission am Tisch, vor sich eine Tasse Kaffee, und spielen Uno. „Ich bin fast jeden Tag hier“, erzählt einer von ihnen. „Hierdurch bin ich vom Alkohol weggekommen.“ Der feste Anlaufpunkt strukturiert sein Leben. Sein Kollege nickt zustimmend.

„Wir haben viele Stammgäste hier“, sagt Bogumila Sporin, Standortverantwortliche der Wuppertaler Bahnhofsmission. Insbesondere Menschen am unteren Rand der Gesellschaft schätzen den Ort, an dem sie freundlich aufgenommen werden, ohne dafür Geld zahlen zu müssen. Gerade hat die Bahnhofsmission ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert.

Von außen sieht das Zimmerchen der Bahnhofsmission auf Gleis eins am Döppersberg ziemlich heruntergekommen aus. Aber drinnen wirkt alles sauber und aufgeräumt. Die Kaffeemaschine kocht, ein paar Stücke Kuchen stehen bereit für hungrige Gäste. Eine Bäckerei spendiert jeden Tag etwas Gebäck und freitags Frühstücksbrötchen. Ein Supermarkt sorgt für Aufschnitt und Gemüse, so dass sich die Stammgäste freitags zum Frühstück treffen können. Die Gäste genießen das. Den Kaffee bringen die Wuppertaler immer wieder vorbei – ein sehr notwendiges Geschenk, denn dafür gibt es kein Budget.

Viele Obdachlose kommen morgens direkt um 8.30 Uhr, wenn die Bahnhofsmission öffnet. Die Notschlafstelle schließt um 7 Uhr – eineinhalb Stunden später sind die Männer froh über ein heißes Getränk und ein warmes Plätzchen. „Es gibt aber auch viele hier, die zwar eine Wohnung haben, sich aber keinen Kaffee leisten können“, berichtet Bogumila Sporin. Frauen machen nur einen kleinen Teil der Gäste aus.

Bei der Bahnhofsmission bekommen sie nicht nur ein heißes Getränk; die Mitarbeiter fragen nach, bieten Hilfe bei Formularen an und vermitteln bei Bedarf weiter an spezialisierte Stellen. Auch gespendete Kleidung haben sie gelagert, die von den Männern gerne angenommen wird. Drei hauptamtliche Kräfte, bis zu zwölf Ein-Euro-Jobber und rund zehn Ehrenamtler kümmern sich um die Gäste.

Ein weiteres Aufgabenfeld der Mitarbeiter ist die Hilfe beim Umsteigen: Alte Menschen oder Eltern mit kleinen Kindern können diese Unterstützung anfragen. Dann tragen die Mitarbeiter Koffer, schieben Rollstühle oder heben Kinderwagen in die Züge.

Hilfe beim Umsteigen und bei persönlichen Notfällen

Auch bei Notfällen jeglicher Art ist die Bahnhofsmission erste Anlaufstelle. Bei kleinen Problemen wie verpassten Anschlusszügen ebenso wie bei der Dame, die während einer Zugfahrt vom Tod ihrer Tochter erfuhr. Oder die weinende Frau, die vermutlich Opfer von Menschenhändlern geworden war – sich aber nicht helfen lassen wollte. Auch das müssen die Mitarbeiter der Bahnhofsmission aushalten.

So herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. 50 bis 100 Personen kommen durchschnittlich am Tag. Auch die Streetworker schauen regelmäßig vorbei, ebenso Bahnmitarbeiter – so funktioniert der Austausch, damit keiner der Stammkunden aus den Augen gerät. Wenn plötzlich einer wegbleibt, machen sich die Mitarbeiter Sorgen. Dann fragen sie herum, ob ihn jemand gesehen hat. Denn fast ist das hier wie in einer großen Familie.

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