Für den Bärlauch kommen Blogger aus Berlin

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Thomas Herrmann stellte sein Bärlauchfeld in Elberfeld zusammen mit Katrin Krautgasser und Elisabeth Schaper von Hellofresh vor. Foto: Fries, Stefan

Thomas Herrmann hat in Wuppertal ein Feld gepachtet und ist Kräuterlieferant für das Unternehmen Hellofresh.

Von Nadine Diab-Heinz

Wuppertal. Thomas Herrmann steht in Elberfeld-Katernberg an einem Feldweg und wartet. Ruhig ist es hier oben am Elisabethheim. Ein laues Lüftchen weht. Man könnte sagen, dies ist ein perfektes Plätzchen, an dem sich Fuchs und Hase gerne Gute Nacht sagen.

Seinen Lieferwagen hat Herrmann in der Nähe geparkt, parken ist anscheinend schlecht in der Gegend. Und da er aus Neuss kommt, hat er den Besuchern noch die Adresse einer Querstraße genannt. Auch das noch. Jetzt landen alle auf dem Hof eines Anwohners. Der wundert sich wiederum, was die ganzen Besucher auf seinem Privatbesitz machen. Gut, dass die Hunde im Zwinger sind. „Na, das ist ein Ding am Mittwochmorgen“, sagt er, lacht und schüttelt den Kopf. So viele Besucher hat er offenbar schon länger nicht mehr gehabt.

Die Fläche ist 600 Quadratmeter groß und mit Bärlauch übersät

Thomas Herrmann winkt aufgeregt den Taxis. Das müssen die erwarteten Gäste sein. Endlich sind sie da – und nehmen natürlich die falsche Abzweigung. Hermann winkt wieder, gestikuliert. Dann sehen ihn die Fahrer und drehen. „Was für ein Tag“, flüstert Herrmann, der Kräuterspezialist ist.

So ganz weiß der 30-Jährige ja nicht, was ihn gleich erwartet. Er hat gehört, es wird ein Video gedreht. Ein Interview mit ihm soll es wohl auch noch geben. Ein wenig wirkt er so, als sei ihm all das viel zu viel. So gerne steht er nicht im Mittelpunkt und so einen Tag wie heute, den bringt er sehr gerne sehr schnell hinter sich. Nicht, dass er das jetzt schon oft gemacht hätte. Eine Rampensau ist er nicht, das sind dann wohl die anderen.

Der Neusser ist Kräuterlieferant in vierter Generation, beliefert seit rund einem Jahr Hellofresh, ein bekanntes Unternehmen für Kochboxen. Und um für ihre Bärlauchwoche und ihren Lieferanten zu werben, haben sie heute einiges vor.

Unlängst hat er seine Bärlauchwiese, die versteckt in einem Waldstück liegt, umzäunt. In Neuss gibt es nämlich keine Bärlauchwiesen, in Wuppertal aber schon und deswegen hat er in diesem Jahr die große Fläche von einer Firma gepachtet. Sie ist ungefähr 600 Quadratmeter groß und mit Bärlauch übersäht. In drei Wochen wird er ihn mit seinem Mitarbeiter ernten können. Dann kommt der Bärlauch in die Kochboxen, passend zu den Bärlauch-Wochen.

Da, die Wagen halten. Noch kennt man sich nur vom Telefon. Das wird sich nun ändern. So viele Leute? Also damit hat er jetzt nicht gerechnet. Aus dem Wagen steigen Katrin Krautgasser, Elisabeth Schaper, Kameramann Raphael und die vier Bloggerinnen Anne Klein, Sarah Timplan, Marie Dingler und Anne Ziege. Sie kommen nicht aus Wuppertal. Sie kommen auch nicht aus Neuss. Sie sind extra aus Berlin gekommen, um den Wuppertaler Bärlauch unter die Lupe zu nehmen. Alina Rietmann hat einen nicht ganz so weiten Weg. Die PR-Beraterin des Unternehmens kommt aus Köln. „Wir besuchen sehr viele Lieferanten, weil uns die Qualität natürlich sehr am Herzen liegt“, sagt Katrin Krautgasser.

Ein wenig wirkt die Szenerie wie aus einer anderen Welt. Die Medienprofis treffen den Medienscheuen mitten in Wuppertal in einem Waldstück und setzen ein Kraut in Szene. Die ersten Blogger machen schon Bilder. Anne Klein hält ein Büschel Bärlauch in der Hand und wird von Sarah Timplan abgelichtet. Man sieht den beiden an, dass sie solche Aufnahmen nicht zum ersten Mal machen. Den Tag heute werden sie auf Instagram und Facebook begleiten. In den nächsten Wochen wollen sie Bärlauch-Rezepte von Hellofresh nachkochen und natürlich die Kochboxen vorstellen. „Was für ein schöner Termin“, sagt Sarah Timplan begeistert und knipst wieder.

Auch Thomas Herrmann wird fotografiert. Natürlich mit Bärlauch in der Hand. Wenn in drei Wochen geerntet werden kann, dann landen seine Kräuter in vielen Haushalten auf dem Tisch. Ein gutes Gefühl. Rund zwei Millionen Menschen weltweit nehmen mittlerweile die Kochboxdienste in Anspruch, verrät Alina Rietmann. Wie viele es in Deutschland sind, das darf sie nicht verraten. Aber einige werden es wohl schon sein.

Weiter geht es mit dem Videodreh. Der Tag ist gut durchgetaktet, abends geht es für die Gäste wieder zurück nach Berlin. Dann kehrt wieder Ruhe ein, dort oben an dem Weg in Katernberg. Da, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Da, wo Thomas Herrmann bald den Bärlauch ernten wird. Dann wahrscheinlich aber ohne Kamera, Video und Instagram-Story.

KOCHBOXEN

KONZEPT Der Verbraucher erhält eine gekühlte Box oder Tüte mit Rezepten und alle für deren Zubereitung benötigte Zutaten.

ANBIETER Manche eignen sich besser für kleinere Haushalte, wie zum Beispiel „Marley Spoon“ oder das „Kochhaus“, andere Firmen haben sich mehr auf Familien spezialisiert, wie „Kommt Essen“. Bei wieder anderen Anbietern stehen verschiedene Ernährungsweisen im Mittelpunkt, so bietet das Berliner Unternehmen „Hellofresh“ eine vegetarische Box an, „Kochzauber“ führt zusätzlich eine „Weight Watcher’s Box“. Im Durchschnitt kosten sie für zwei Personen rund 7 Euro.

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