Sarah Vecera

Warum ist Jesus weiß? Autorin thematisiert Rassismus in der Kirche

Buchautorin Sarah Vecera mit ihrem Werk „Wie ist Jesus weiß geworden?“. Foto: Anna Schwartz
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Buchautorin Sarah Vecera mit ihrem Werk „Wie ist Jesus weiß geworden?“.

Buchautorin Sarah Vecera erklärt Strukturen auf und berichtet von ihren eigenen Erfahrungen.

Von Miriam Karout

Wuppertal. Mit ihrem Buch „Wie ist Jesus weiß geworden?“ thematisiert Sarah Vecera Rassismus in der Kirche und zeigt diesen anhand von historischen Strukturen und eigener Erfahrungen auf. Ihre Herangehensweise und das Buch stellen eine Binnenkritik an der Kirche dar. Gleichzeitig gibt sie aber auch Motivationsschübe und Hoffnung, den Rassismus zu bekämpfen.

„Was ist das Problem, dass unsere Kirche mehrheitlich weiß und eurozentriert ist? Wie ist Jesus eigentlich weiß geworden?“, sind Fragen, die Sarah Vecera in ihrer Aufklärungsarbeit angeht. Sie sind aber auch nur die Spitze des Eisbergs, unter der sich lang verankerte Strukturen verbergen. In verschiedenen Gemeinden und über ihren Instagram-Kanal klärt Sarah Vecera darüber auf, wie Rassismus entstanden ist und welche Rolle die Kirche dabei übernimmt.

Autorin wurde in die Kirche hineingeboren

Sarah Vecera ist Theologin, Autorin und seit 2016 stellvertretende Leiterin der Abteilung Deutschland der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) mit dem Schwerpunkt „Rassismus und Kirche“. Im Buch berichtet sie, wie es für sie als „Person of Color“ (wörtlich „Mensch von Farbe“) war, in einer weiß dominierten Kirche aufzuwachsen.

„Es gibt schon ‚People of Color‘ in der Kirche“, sagt Vecera. Aber die seien dann zum Beispiel auf Plakaten für Spendenaktionen abgebildet. So etwas mache sie unbemerkt zu Empfängern und nicht zu Mitgestaltern der Kirche. „Und dann wundert man sich, dass wir am Sonntagmorgen in der Kirche ein anderes Bild sehen als in der Stadt in Wuppertal“, beschreibt Vecera. Das hänge auch damit zusammen, dass Menschen nicht Empfänger sein wollen, sondern schlichtweg auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollten.

Sie selbst sei in die Kirche hineingeboren worden. Sie sei in einer weißen Familie aufgewachsen, die schon immer in der Kirche war. Als Kind besuchte sie den Kindergottesdienst, den ihr eigener Großvater hielt. Nach dem Abitur machte sie mit der VEM einen Freiwilligendienst in Tansania, studierte später evangelische Theologie, arbeitete in der Diakonie und dann in der Kirche.
Lesen Sie auch das Montagsinterview: Frau Dr. Werner, wie sieht die Zukunft der Kirche aus?

„Ich war immer nah dran an der Kirche, deswegen ist es mit auch wichtig“, sagt sie. Sie könne auch sagen, dass die Kirche nicht für Menschen wie sie gemacht sei und dann weggehen. Sie habe zum Beispiel nie eine Frau „of color“ im Talar gesehen – nur sich selbst. Und das ist die Lösung: „Wir brauchen Vorbilder, dafür würde ich einstehen“, sagt sie. Damit die Kirche diverser und gesellschaftsrelevant werde.

In der Kirche kümmere man sich immer um den Schmerz der Betroffenen – außer beim Rassismus, meint Sarah Vecera. Sie vergleicht rassistische Vorfälle mit einem Unfall, bei dem sich jemand am Bein verletzt. Es wird sich um den Verletzten gekümmert, bevor es um den Unfallverursacher geht. „Bei Rassismus ist das anders, wir kümmern uns um den Unfallverursacher“, sagt Sarah Vecera. „Das ist in der Kirche ein großes Problem, weil wir uns so sehr für die Guten halten.“ Das halte aber auch das System, so wie es ist, aufrecht, weil immer die gute Absicht im Mittelpunkt stehe. Die Kirche betrachte Rassismus und das System von außen als moralische Instanz, die nicht davon betroffen sei.

Buch erklärt die Hintergründe des Systems

Im Buch hat Sarah Vecera versucht, die Hintergründe und das System zu enttarnen. Die Frage im Titel erklärt sie zum Beispiel damit, dass Jesus mit einer absichtsvollen Dimension weiß wurde, obwohl er nach heutigen Erkenntnissen eigentlich wie Menschen, die aus dem heutigen Irak stammen, aussehen müsste.

„Früher war es nicht wichtig, dass Menschen realitätsgetreu dargestellt wurden“, erklärt sie. Die Rolle sei wichtiger gewesen und weil man Zeus in seiner Rolle als Gott kannte, stellte man Jesus auch so dar. Das kam im Mittelalter, im Kolonialismus und später im Nazi-Regime gelegen. „Das ist das Problem, wenn wir Jesus weiß machen: Es ist nicht loszulösen von der Kolonialgeschichte“, sagt Sarah Vecera.

Dennoch ist sie hoffnungsvoll: „Ich sehe, dass sehr viel in Bewegung ist. Es ist viel im Umbruch in unserer Kirche.“ Sie glaube, dass die Kirche gute Chancen habe. Denn die Bibel ist von vorne bis hinten ein antirassistisches Buch. „Gott ist immer an der Seite der Menschen, die Hilfe brauchen“, davon ist sie überzeugt.

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