Radverkehr

So teuer ist der Ausbau der Veloroute zwischen Düsseldorf und Wuppertal

Auch Christoph Grothe fährt öfter die Strecke nach Düsseldorf, für die es Pläne für einen Ausbau zu einer Veloroute gibt. Dann könnten Radfahrer an möglichst vielen Stellen wie hier am Wibbelrather Weg an der Stadtgrenze zu Haan Vorrang erhalten.
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Auch Christoph Grothe fährt öfter die Strecke nach Düsseldorf, für die es Pläne für einen Ausbau zu einer Veloroute gibt. Dann könnten Radfahrer an möglichst vielen Stellen wie hier am Wibbelrather Weg an der Stadtgrenze zu Haan Vorrang erhalten.

Die Machbarkeitsstudie zeigt, ob sich der Ausbau einer Veloroute lohnt.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Breitere Wege, verbesserte Kreuzungssituationen und eine durchgehende Beschilderung und Beleuchtung: Damit könnte eine rund 30 Kilometer lange Radstrecke von Wuppertal nach Düsseldorf zur zügig nutzbaren „Veloroute“ werden. Mit einer Machbarkeitsstudie sind jetzt die Grundlagen dafür gelegt. Der Verkehrsausschuss soll die Verwaltung mit weiteren Schritten beauftragen.

Die Veloroute ist ein Gemeinschaftsprojekt der Städte Wuppertal und Düsseldorf sowie des Kreises Mettmann, die über die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft das Planungsbüro IGS Ingenieurgesellschaft Stolz mbH mit der Studie beauftragt haben. Unter drei möglichen Routen fiel die Wahl auf die von Vohwinkel durch Haan, Erkrath und Hilden nach Düsseldorf, die in weiten Teilen parallel zur A46 verläuft. Sie entspricht weitgehend der Strecke, die der ADFC als „Expressroute“ empfiehlt.

Man sei erst am Anfang der Planungen

Die Planer machten zunächst eine Bestandsaufnahme und analysierten dann, welche Maßnahmen zur Verbesserung nötig sind. Maßstab dafür waren Standards für „Radvorrangrouten“, die zügiges und sicheres Fahren sicherstellen sollen. Dazu zählen etwa geringe Steigungen, guter Belag, genug Raum für sicheres Fahren mit bis zu Tempo 30 sowie Überholen und Nebeneinanderfahren. An Kreuzungen soll es ausreichend Aufstellflächen und kurze Wartezeiten geben. Die Strecke sollte durchgehend beschildert und beleuchtet sein. Die Planungs- und Baukosten schätzen die Planer auf rund 6,1 Millionen Euro, wovon auf Wuppertal 120 000 Euro entfielen. Die jährlichen Kosten für Betrieb und Unterhalt beziffern sie auf knapp 100 000 Euro. Zur Finanzierung verweisen sie auf zahlreiche Fördermöglichkeiten.

Diese Kosten haben die Planer ins Verhältnis zum erwarteten Nutzen gesetzt, etwa der besseren Gesundheit der Nutzer, den geringeren Unterhaltskosten im Vergleich zu denen einer Autostraße und dem Nutzen für die Umwelt. Dabei stellen sie fest, „dass der Nutzen deutlich über den Kosten liegt. Das Verhältnis liegt bei 2,43.“

Wenn die beteiligten Städte den Weg weiterverfolgen wollen, soll es in den nächsten Wochen einen Termin mit dem Landesbetrieb Straßen NRW geben, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Denn ein bedeutender Teil der Strecke müsste von Straßen NRW umgebaut werden, heißt es in der Beschlussvorlage. Derzeit werde abgestimmt, ob ein Folge-Kooperationsvertrag für die Weiterführung des Projektes nötig ist.

„Wir sind erst am Anfang“, macht Nora Peinelt, Wuppertals Beauftragte für den nichtmotorisierten Verkehr, deutlich. Die Zusammenarbeit mit den anderen Städten habe bisher sehr gut funktioniert, daher ist sie optimistisch für den weiteren Verlauf. Es hänge aber auch von politischen Entscheidungen ab, welcher Fokus auf das Projekt gelegt werde.

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Klaus Lang vom Fahrradklub ADFC freut sich über die Fertigstellung der Machbarkeitsstudie: „Das ist ja unser Lieblingsprojekt.“ Während der Bahnsperrung 2017 hatte der ADFC auf diese Alternative für Pendler nach Düsseldorf aufmerksam gemacht, die Strecke bereits einmal ausgeschildert. Er hofft, dass der Ausbau über viele Fördermittel finanziert wird: „Das geht bis zu 90 Prozent.“ Er sagt: „Es gibt eine Menge Leute, die die Strecke häufiger fahren.“ Manche vielleicht nur eine Strecke am Tag, die andere mit dem Zug.

Dazu gehört etwa Kirsten Haberer, die in Barmen wohnt und in Düsseldorf als Lehrerin arbeitet. Im Durchschnitt einmal pro Woche legt sie den Weg per Rad zurück, braucht dafür etwa eine bis anderthalb Stunden. „Es gibt mehrere schöne Routen“, sagt sie, nennt eine Strecke durchs Neandertal, eine durch Gruiten und die parallel zur A46, die jetzt in der Machbarkeitsstudie untersucht wurde. Die zeichne sich durch die geringe Steigung aus: „Auf dem Rückweg geht es kontinuierlich bergauf.“ Und die Strecke lasse sie ab und zu genießen, dass sie am Stau auf der Autobahn vorbeifahren kann. Ihr begegneten schon jetzt einige Pendler auf der Strecke: „Seit Corona hat das noch deutlich zugenommen.“ Vom Ausbau der Strecke erhofft sie sich, dass es an einigen Stellen eine Vorfahrtsberechtigung für Radfahrer und bessere Ampelschaltungen gibt. Derzeit müsse man manchmal „ewig warten“. Dann könnte es sein, dass sie noch mehr Lust bekommt, die Strecke mit dem Rad zu fahren.

Auch Christoph Grothe von der IG Fahrradstadt hofft, dass die Pläne umgesetzt werden: „Das ist eine gute Sache.“ Es brauche nur einige Maßnahmen. Unter anderem wünscht er sich für das westlichste Stück Nordbahntrasse richtigen Asphalt statt einer wassergebundenen Decke. Und er freut sich, wenn schon in Wuppertal Hinweisschilder auf die Radstrecke stehen: „Dann sehen Leute hier schon, dass sie bis Düsseldorf fahren könnten“, erklärt er. Eine gute und schnelle Radverbindung, die durchweg beleuchtet ist, sei „Marketing fürs Rad“ und werde „mehr Leute aufs Rad bringen“.

Kosten

In der Verwaltungsvorlage zur Auftragsvergabe von Januar 2021 hieß es, dass Düsseldorf, Wuppertal und der Kreis Mettmann die Kosten für die Machbarkeitsstudie zu gleichen Teilen tragen, Wuppertal rund 10 000 Euro bereitstellt.

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