Bauarbeiten

Ausbau der L 419: Vorbereitung für die Tierzählung beginnt

Die L 419 soll zum Lückenschluss an die A 1 ausgebaut werden. Archivfoto: Andreas Fischer
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Die L 419 soll zum Lückenschluss an die A 1 ausgebaut werden. Archivfoto: Andreas Fischer

Die Erweiterung soll Lückenschluss zur A 46 schaffen, wirkt sich aber auch auf die Umwelt aus.

Von Anke Strotmann

Wuppertal. Mit dem Ausbau der L 419 sollen lange Wartezeiten in den Zufahrten und große Rückstaus der Vergangenheit angehören. Straßen NRW plant einen vierspurigen Ausbau mit Anschluss an die A 1. „Dadurch wird nicht nur die südliche Umgehung der Stadt Wuppertal realisiert, sondern auch eine Alternative zur A 46 geschaffen“, heißt es von Straßen NRW.

Bevor die Bauarbeiten starten können, müssen noch einige Vorarbeiten erledigt werden. Zum Beispiel großflächige faunistische Kartierungen. Mit ihnen wird ermittelt, welche Tiere in dem betroffenen Gebiet leben. Die Analyse ist gesetzlich vorgeschrieben und dient dazu, Maßnahmen zu ergreifen, die landschaftsplanerisch erforderlich sind.

Auf Anfrage erläutert Straßen NRW, wie Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Reptilien sowie Fische und Rundmäuler gezählt werden. Es wird je nach Tierart eine andere Zählweise gewählt. Vögel werden gezählt, die von den Gutachtern bis zu 500 Meter rechts und links der geplanten Trasse gesehen oder gehört werden. Es erfolgt eine systematische und flächendeckende Begehung des Gebietes in regelmäßigen Abständen.

Spechte, Eulen, Fledermäuse, Amphibien - alle möglichen Tiere kommen an der L419 vor

Wo Bäume und Sträucher stehen, wird nach Horsten und Nestern von Großvögeln gesucht. Baumhöhlen werden daraufhin angeschaut, ob Spechte, Eulen und Fledermäuse dort brüten oder schlafen. Die Suche nach Fledermäusen findet mit Hilfe von Detektoren statt. Damit sollen Erkenntnisse über ihre Verteilung und ihre Aktivität im Bereich der geplanten L 419 gewonnen werden. Zudem werden in einigen Nächten Horchboxen aufgestellt, um die Ultraschallrufe von Fledermäusen aufzuzeichnen. Spalten, Risse und Hohlräume in Brücken und Unterführungen werden mit Endoskopen untersucht.

Gutachter untersuchen die Gewässer innerhalb der geplanten Trasse auf Vorkommen von Amphibien. Diese werden anhand ihrer Rufe sowie durch Beobachtung von Tieren, Laichen sowie Larven an Gewässern gezählt. Mit Wasserfallen erfassen sie Molche. Bei den Reptilien werden die Hauptaufenthaltsbereiche von Schlingnattern und Zauneidechsen innerhalb des Untersuchungsraumes lokalisiert. Dazu wird das Gelände langsam und ruhig abgegangen und gezielt darauf abgesucht, wo sich die Tiere verstecken könnten. Um Reptilien zu finden, drehen die Gutachter nicht nur sprichwörtlich jeden Stein herum. Für die Schlingnatter, die auf der nationalen „Roten Liste“ als „gefährdet“ geführt wird, werden zudem etwa 20 künstliche Verstecke wie Schaltafeln, Dachziegel und Bitumenwellpappen ausgelegt und bei zehn Begehungen gezählt. Die Suche nach Fischen und Rundmäulern erfolgt in festgelegten Fließgewässerabschnitten.

Nabu bewertet Ausbau kritisch

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Stadtverband Wuppertal bewertet den Ausbau der L 419 kritisch. „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, sagt der Vorsitzende Hans-Peter Schill. In Zeiten, in denen man Finanzströme anders lenken müsste, um eine Verkehrswende zu erreichen, sei es ein falsches Signal, die Strecke vierspurig auszubauen.

Bislang hat der Nabu keine Erkenntnisse darüber, ob und welche relevanten Arten in dem Gebiet vorkommen. Falls man schützenswerte Arten findet, würden diese in vielen Fällen umgesiedelt. „Dafür werden häufig Millionen ausgegeben, was für alle unbefriedigend ist“, sagt er.

Der Nabu lehnt den Ausbau der L 419 aber auch wegen der Flächenversiegelung ab. In NRW sind nach Erkenntnissen des Nabu in den letzten vier Jahren pro Tag mehr als sechs Hektar freie Fläche verloren gegangen, im zehnjährigen Mittel mehr als acht Hektar pro Tag. „Das hat Auswirkungen auf den Wasserhaushalt“, sagt er.

Niederschläge können nicht mehr im Boden versickern, sondern fließen in Bäche und Flüsse. Das erhöht die Gefahr von Überschwemmungen, wie die starken Niederschläge vom 14. Juli 2021 zeigten.„Mit jeder Grünfläche, die wir verlieren, gehen auch Rückzugsorte für Insekten verloren“, so Schill. In den vergangen 27 Jahren sei die Masse der Insekten um 75 Prozent geschrumpft. „Damit gehen von Jahr zu Jahr auch Brutreviere von Vögeln verloren. Es wird immer stiller.“ Daher passe eine Straßenbauerweiterung nicht ins Bild – selbst, wenn diese für die Autofahrer eine Erleichterung bedeute.

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