Stellen zu besetzen

Wermelskirchen: Schloss Haniel wird Reha-Klinik für Kinder mit Adipositas

Aus dem Tagungshotel Maria in der Aue wird eine Reha-Klinik für Kinder und Jugendliche, die unter Adipositas leiden. Archivfoto: Anja Carolina Siebel
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Aus dem Tagungshotel Maria in der Aue wird eine Reha-Klinik für Kinder und Jugendliche, die unter Adipositas leiden.

Maria in der Aue: Kinder und Jugendliche mit Adipositas werden demnächst in Schloss Haniel aufgenommen.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Ende des Jahres hat das Tagungshotel Maria in der Aue der Erzdiözese Köln in Wermelskirchen für immer seine Türen geschlossen. Jetzt im Frühjahr, spätestens im Frühsommer wird es als Gesundheitscamp Schloss Haniel wieder eröffnen. Das sagt Christoph Förster, Referent für geistliche Kultur in den Tagungshäusern der Diözese, gegenüber unserer Zeitung. Er verweist auf die Internetseite gesundcamp-schlosshaniel.de. Dort werden schon Ärzte, Ökotrophologen, Erzieher, Psychologen, Hauswirtschafterinnen, Verwaltungskräfte und viele Berufsgruppen mehr gesucht, die in der Einrichtung arbeiten wollen. „Aus Maria in der Aue wird eine Reha-Klinik für Kinder, die unter Adipositas leiden“, sagt Christoph Förster.

Übergewicht/Adipositas sei die häufigste ernährungsabhängige chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland. 15 Prozent aller Kinder leiden an Übergewicht, sechs bis sieben Prozent sogar an Adipositas. Hauptursachen sind nach wie vor übermäßige Kalorienzufuhr durch fettes und sehr zuckerhaltiges Essen sowie mangelnde Bewegung.

Das Außengelände wird kindgerecht hergerichtet

Das Haus verfügt über 73 Doppel- und 14 Einzelzimmer über ein beheiztes Schwimmbad, ein Untersuchungszimmer, eine Gymnastikhalle, über eine Lehrküche, über ein Gewächshaus, über einen Raum für künstlerisches Gestalten, über einen Tischtennis- und Kickerraum, einen Gruppenraum für Theateraufführungen, eine Multifunktionshalle für sportliche Betätigung (Fußball, Basketball und Volleyball) und vieles mehr. Dazu wird das Außengelände kindgerecht hergerichtet.

Man sieht schon an der Auflistung der Räume, dass die Kinder sich dort wohlfühlen sollen. Und vor allem, dass sie aus ihrem Bewegungsmangel heraus wieder lernen können, was ihnen Spaß macht. Und das dabei auch das Essen nicht vernachlässigt wird. Denn in der Lernküche sollen die Kinder aktiv werden und lernen, sich selbst etwas Gutes zuzubereiten.

Im Gesundheitscamp Schloss Haniel werden die Kinder und Jugendlichen von einem interdisziplinären Therapeutenteam betreut. Die Kinder leben in kleinen Gruppen zusammen, lernen kochen, treiben Sport und bekommen einen regelmäßigen Schulunterricht innerhalb der Einrichtung. Nach Ende des Klinikaufenthaltes sollen die Patienten unter anderem mit digitalen Mitteln dabei unterstützt werden, das Erlernte umzusetzen und ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten langfristig umzustellen. In der Klinik werden außerdem Kinder und Jugendliche bei der Überwindung von Spielsucht und Long Covid unterstützt.

„Ziel ist es, die Patienten mit konzentrierten und qualifizierten Maßnahmen zu nachhaltigen Verhaltensänderungen zu führen“, sagt Dr. Elmar Bergmann, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft. An jedem Tag des mehrwöchigen Aufenthalts werden die Patienten mit den vier Säulen des Behandlungskonzeptes Ernährung, Sport, Pädagogik und Psychologie vertraut gemacht. „Wir wollen gemeinsam kochen, Gemüse anbauen und versuchen, den Kindern in persönlichen Gesprächen zu vermitteln, wie wichtig gesunde Ernährung und Bewegung für sie sind. Dabei werden wir auch prominente Persönlichkeiten aus TV als Motivatoren einspannen, etwa einen Fernsehkoch oder bekannte Spitzensportler.“

Ausgeschriebene Stellen wurden schon besetzt

„Wir konnten bereits eine ganze Reihe der ausgeschriebenen Stellen besetzen“, ergänzt Dr. Elmar Bergmann. „Zu unserer Freude haben wir festgestellt, dass das alternative Reha-Konzept des Gesundheitscamps bei den gesuchten Fachkräften auf großes Interesse gestoßen ist. Viele Ärzte wie auch Pflegekräfte möchten der Standardbetreuung, wie sie in vielen anderen Kliniken vorherrscht, den Rücken kehren. Dies wurde uns in vielen Gesprächen mitgeteilt.“

Geschichte von Schloss Haniel

Im Jahre 1379 bekennen Bruin von Garderode und seine Gattin Metza, ihren Hof zum Steinhaus der Abtei Altenberg unter Abt Johann II. verkauft zu haben. Am 1. März 1925 kaufen Landrat a. D. Karl Haniel und seine Ehefrau Edith geb. Schleicher das Gut Steinhausen mit 157 Morgen Land. In den Jahren 1927/1928 ließ Karl Haniel „Das große Haus“, nahe der Dhünn als Jagd- und Gästehaus im barocken Stil nach Plänen des Berliner Architekten Otto Walter für 16 Millionen Reichsmark (umgerechnet rund 55 Millionen Euro) erbauen.

Standpunkt

susanne.koch@rga.de

Kommentar von Susanne Koch

Das ging schnell: Ende des Jahres hat das Tagungshotel Maria in der Aue erst seine Türen geschlossen, schon gibt es einen neuen Inhaber für das Schloss Haniel. Es wird Leben einziehen in das weitläufige, barocke Gebäude in Wermelskirchen, in der Nähe von Dabringhausen. Kinder und Jugendliche, die unter Adipositas leiden, werden in der entstehenden Reha-Klinik aufgenommen. Die Reha-Klinik ist eine Chance für die Stadt Wermelskirchen. Es wird viele neue Arbeitsplätze geben, aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Handwerker werden weitere Aufträge bekommen. Und am Ende werden die Kinder und Jugendlichen in die Reha-Klinik einziehen und das Gebäude, die Räume und das Schwimmbad mit Leben erfüllen. Das ehemalige Tagungshotel wurde für diese Nutzung gut ausgesucht. Besonders die vergangenen zwei Jahre haben das Problem der Kinder, die unter Adipositas leiden, noch verschärft. Es sind mehr Kinder geworden, die aus Bewegungsmangel oder weil sie zu viel Süßes essen, zugenommen haben. Dass es nun Möglichkeiten geben wird, ihnen durch einen Ortswechsel zu helfen, ist eine unterstützenswerte Sache.

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