Interview

Auch FFP2-Masken schützen nicht immer

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FFP2-Masken mit CE-Norm schützen – richtig angelegt – insbesondere an belebten Orten besser als herkömmliche OP- oder Stoffmasken, bestätigten die Wuppertaler Wissenschaftler.

Die Uni-Experten Philipp Franz und Matthias Kaul über Vorteile und Grenzen der Schutzmasken.

Das Interview führte Kristina Hinz

Wuppertal. Im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel sind sie in Bayern jetzt Pflicht: FFP2-Masken. Weshalb sich diese gegenüber Alltagsmasken als sicherer erweisen, wo sie sonst ihren Einsatz finden und was es beim Tragen zu beachten gibt: Antworten dazu gibt es aus der Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik an der Bergischen Universität Wuppertal. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Philipp Franz aus dem Fachgebiet Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit und Dr.-Ing. Matthias Kaul aus dem Fachgebiet Sicherheitstechnik/Umweltschutz am Institut für Partikeltechnologie haben im Interview erklärt, wann sie FFP2-Masken für sinnvoll halten.

Welche Gründe sprechen für den Einsatz von FFP2-Masken im Vergleich zu Alltagsmasken?

Philipp Franz: Prinzipiell kann man sagen, dass FFP2-Masken eine höhere Schutzwirkung als Alltagsmasken haben, da sie unter kontrollierten Bedingungen produziert werden. Bei FFP2-Masken sprechen wir von persönlicher Schutzausrüstung, die auf Grundlage einer gewissen Norm gefertigt wird. Es wird überwacht und geprüft, dass die Anforderungen erfüllt werden. Das heißt zum Beispiel, dass die FFP2-Masken vor aerosolübertragene Infektionen schützen, wenn ich sie dicht und richtig trage, was bei der Mund-Nasen-Bedeckung nicht so ist. Sie dient in erster Linie der Zurückhaltung von Tröpfchen. Eine FFP2-Maske ohne Ausatemventil sorgt dafür, dass ich mich selbst und auch andere besser schütze. Denn wenn ein Ausatemventil vorhanden ist, sorgt es dafür, dass meine Ausatemluft, wenn ich potenziell infiziert wäre, wieder ungefiltert herausgegeben wird.

Inwieweit kann von der Schutzwirkung der Masken vor Partikeln auf Coronaviren geschlossen werden?

Matthias Kaul: Wir im Institut für Partikeltechnologie beschäftigen uns generell mit luftgetragenen Stäuben. Aufgrund ihrer Größe (der Partikel) kann man auch Rückschlüsse auf die Luftbelastung mit Coronaviren schließen. Das Testprozedere von FFP2-Masken sieht vor, dass ihre Durchlässigkeit mit Salz- und Paraffinöl-Aerosolen geprüft wird. Alleine wegen der Filterwirkung von FFP2-Masken kann man davon ausgehen, dass die Viren zu 94 Prozent oder höher in der Ein-Atemluft abgeschieden werden. Dadurch ist begründet, warum die Schutzwirkung bei FFP2-Masken deutlich höher ist als bei Alltagsmasken, weil das Filtrationsmedium bei Alltagsmasken nicht definiert ist, es bestehen keine Anforderungen dafür.

Wie sehen diese Anforderungen aus?

Kaul: FFP2-Masken sind nach einer europäischen Norm zertifiziert. Es werden auch ähnliche Masken aus dem Ausland vertrieben mit den Kennzeichnungen KN95 aus China beziehungsweise N95 aus den USA. Hier sind die Anforderungen an die Masken ganz ähnlich, aber nicht nach europäischen Normen getestet. Sollte man also diese Masken beispielsweise in der Apotheke erhalten, ist es notwendig, dass die Apotheken dann auch Zertifikate zur Übereinstimmung zur deutschen Norm FFP2 bereithalten. Denn der Prüfvorgang ist ein anderer. Nicht alleine das Filtermaterial, sondern auch die Gestaltung der Maske spielen bei der Prüfung eine Rolle, wie mögliche Leckagen am Gesicht.

„Auswirkung auf die Zusammensetzung der Ein-Atemluft hat die Maske nicht.“
Matthias Kaul zu angeblich erhöhter CO2-Konzentration durch Masken

Was gibt es beim Tragen zu beachten?

Kaul: Beim Tragen ist auf jeden Fall auf das Dichtsitzen der Maske am Gesicht zu achten. Dazu sollte der Nasenbügel verwendet werden. Man kann es leicht überprüfen, indem man einmal kräftig einatmet. Dann sollte sich die Maske deutlich nach innen wölben. Es ist ein gutes Zeichen, wenn das Atmen anstrengend ist. Dann ist die Maske dicht. Wenn Sie ohne spürbaren Widerstand atmen können, können Sie sicher sein, dass der Sitz eine Leckage aufweist. Besonders für Bartträger ist das wichtig. Denn der Bart verhindert auf jeden Fall das Dichtsitzen der Maske am Gesicht. Über die Leckagen können Viren ungefiltert in die Atemluft eindringen.

Kann die FFP2-Maske mehrfach verwendet werden?

Kaul: Die FFP2-Masken sind als Einwegprodukte vorgesehen. Wenn man sie im privaten Bereich auch mehrfach verwenden will, muss man einige Sachen beachten. Beispielsweise ist es wichtig, beim Ablegen der Maske, den Innenbereich nicht mit den Händen zu berühren, um eine Kontamination zu vermeiden. Und es ist wichtig, dass man sie an einen sicheren und trockenen Ort aufbewahrt, sodass sie komplett durchtrocknen kann, wenn sie vorher mit Atemluft befeuchtet wurde.

Können FFP2-Masken über einen längeren Zeitraum getragen werden?

Franz: Das geht schon, wenn man regelmäßig eine Pause macht. Wir im Arbeitsschutz sagen, dass nach 75 Minuten eine halbe Stunde lang eine Atempause gemacht werden sollte, um den etwas erhöhten Atemwiderstand auszugleichen, weil es persönlich beanspruchend wirken kann.

Kaul: Auswirkung auf die Zusammensetzung der Ein-Atemluft hat die Maske nicht. Wer sagt, man würde einen erhöhten CO 2 -Anteil einatmen oder aber umgekehrt nicht genug Luftsauerstoff zu sich nehmen können, der hat keine Ahnung. Das stimmt nicht. Der Grund für die limitierte Tragezeit liegt vielmehr daran, dass die Filtrationswirkung der Maske bei Durchfeuchtung zum Beispiel nachlässt. Die eigene Feuchte der Ausatemluft behindert also die Wirkung der Maske nach einer Zeit. Zusätzlich merkt man natürlich auch, dass man einen erhöhten Atemwiderstand durch die Maske hat. Das Atmen wird anstrengender, das ist das maßgebliche gesundheitliche Problem.

Wann würden Sie das Tragen einer FFP2-Maske für Privatpersonen empfehlen?

Franz: Sie macht natürlich Sinn, wenn ich in schlecht durchlüfteten Räumen bin, wo viele Personen sind oder wo es mit dem Abstand schwierig ist. Und da hat sie eine gewisse Schutzwirkung. Ich persönlich trage FFP2-Masken immer, wenn ich einkaufen gehe oder wenn ich weiß, dass ich in Situationen komme, in denen es schlecht belüftet ist.

Kaul: Wenn man die Vorteile und die Nachteile von FFP2-Masken und Alltagsmasken gegeneinander abwägt, sollte man die FFP2-Masken in hochfrequentierten Bereichen, wo es eben zur Ansammlung vieler Menschen in engen schlecht belüfteten Räumen kommt, tragen. Und ansonsten die Masken, die wir kennengelernt haben, weil sie das Atmen doch deutlich erleichtern. Für mich ist der Ort, an dem ich eine FFP2-Maske immer trage, der Bus. Busse sind wie dafür gemacht für diese „Superspreading-Events“, weil wirklich viele Leute in einem schlecht belüfteten Raum viel zu eng beieinandersitzen.

Wie wichtig ist das Tragen einer Maske grundsätzlich zum Schutz vor einer Corona-Infektion?

Franz: Wir beschäftigen uns viel damit, wie man Personen in Betrieben vor Corona-Infektionen schützen kann. Die Maske ist ein Teil davon. Aber Masken sind kein Allheilmittel. Die berühmten „AHA+L“-Regeln müssen alle beachtet werden, damit wir von einem einigermaßen wirkungsvollen Infektionsschutz ausgehen können. Die Maske ist ein Teil der Regeln, aber nichts, was mir garantiert, dass ich sicher bin.

Kaul: Diese Masken scheiden Aerosole zu einer 94-prozentigen Wahrscheinlichkeit ab. Das bedeutet, dass auch wenn man ein hochtechnisiertes Filtermedium wie die FFP2-Maske trägt, immer noch die Möglichkeit besteht, dass man Viren einatmen kann. Deswegen sind auch beim Tragen der FFP2-Maske die üblichen Hygieneregeln zu beachten. Es ist ganz wichtig, dass die Leute nicht auf die Idee kommen, andere Regeln zu vernachlässigen, nur weil sie eine Maske tragen.

Zur Person

Philipp Franz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bergischen Universität Wuppertal im Fachgebiet Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit.

Dr.-Ing. Matthias Kaul arbeitet und forscht im Fachgebiet Sicherheitstechnik/Umweltschutz am Institut für Partikeltechnologie.

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