Belastung

Asbest: Wuppertal hofft auf praktikablere Regeln

Auch in der ehemaligen Justizschule auf der Hardt wurde Asbest nachgewiesen. Foto:
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Auch in der ehemaligen Justizschule auf der Hardt wurde Asbest nachgewiesen.

Gebäudemanagement muss auch bei kleinen Arbeiten großen Aufwand betreiben.

Von Eike Rüdebusch

Wuppertal. Bei Wuppertals Stadtkämmerer Johannes Slawig werden seit Sommer 2019 die Büros saniert. Unter Asbest-Sicherheitsstandards. Während Arbeiten an der abgehängten Decke im Rathaus wurde festgestellt, dass die Zwischenwände zwischen den Büros asbestbelastet sind. Und daher gelten hohe Sicherheitsstandards. Die Baustelle ist nur durch Sicherheitsschleusen zu betreten. Und die Arbeiten dauern entsprechend lange.

Wenn die Stadt ein Gebäude saniert, kann sie beinahe sicher davon ausgehen, dass Asbest verbaut worden ist, wenn das Gebäude bis 1995 gebaut oder daran gearbeitet worden ist. Der Stoff wurde 1993 verboten. Aber wegen der Restbestände wurde er vielfach noch darüber hinaus genutzt.

Gebäude einhüllen, Unterdruck und Schutzanzüge

Das stellt die Stadt Wuppertal vor große Aufgaben. Denn die meisten Gebäude im städtischen Besitz sind älter. Hans-Uwe Flunkert, Leiter des Wuppertaler Gebäudemanagements, sagt, 700 von 860 Gebäuden seien betroffen. Die Stadt befreite kürzlich oder befreit aktuell 20 Gebäude von Asbest, 18 davon Schulen. Allein für die Maßnahmen rechnet das GMW mit rund 17 Millionen Euro.

Die Regeln für die Arbeit mit Asbest sind streng. Je nach Umfang der Arbeiten kann es schnell passieren, dass die Stadt mit dem „großen Besteck“ arbeiten muss. So nennt Martin Wehling vom Funktionsbereich Energie- und Umweltmanagement beim Gebäudemanagement die vorgeschriebenen Maßnahmen. Das heißt, das Gebäude muss eingehüllt werden, es muss Unterdruck hergestellt werden, es müssen Spezialfirmen beauftragt werden, die in Schutzanzügen kommen.

Um die großen Maßnahme zu umgehen, müssten umfangreich Proben genommen werden. Die Stadt muss einen Gegenbeweis liefern für den Verdacht, dass Asbest verbaut worden ist. 100 bis 150 Euro pro Probebohrung werden fällig. Je nach Größe der Fläche können Hunderte Bohrungen nötig werden – pro Wand. Und selbst dann sei das Risiko, die Stellen mit Asbestgehalt nicht zu finden, recht hoch, sagt Hans-Uwe Flunkert. Denn vielfach sei Asbest nicht flächendeckend etwa im Putz aufgetragen worden, sondern etwa in Füllmasse, die nur hier und da verwendet worden ist. An der kann man schnell vorbeibohren. Daher geht die Stadt bei entsprechendem Alter immer von Asbest aus. Auch weil sie bei „Untersuchungen in zu sanierenden Gebäuden in nahezu 100 Prozent aller Fälle positive Asbestnachweise führen“ hat können, sagt Wehling.

Die Fasern des Baustoffs können Lungenschäden und Krebs verursachen. Die Berufsgenossenschaften erkennen jährlich etwa 3500 Fälle asbestbedingter Krankheiten an.

Wenn die Stadt Asbest findet, muss sie nach den Asbestrichtlinien sanieren. Dann müsse man die Beprobungskosten eben obendrauf rechnen. Eine Rechnung, die für die Stadt nicht unbedingt aufgeht. Zumal es um die Gesundheit der Arbeiter geht. Da kann man kein Risiko eingehen.

Aber auch bei kleineren Arbeiten muss die Stadt groß auffahren – wie jetzt bei Slawig. Daher setzt sich die Stadt für praktikablere Lösungen ein. Mit Berufsgenossenschaften und der Uni Wuppertal hat die Stadt Untersuchungen an einer Schule durchgeführt, die später abgerissen wurde. „In diesem Gebäude wussten wir bereits, dass es ein Asbestproblem gibt und haben verschiedene Verfahren getestet, in der Hoffnung, hieraus zugelassen emissionsarme Verfahren generieren zu können.“ Denn bisher gibt es nur wenige zugelassene Verfahren für kleinere Maßnahmen – mit denen aber kaum zu arbeiten ist.

Asbest wurde 2017 auf nationaler Ebene thematisiert. Der Nationale Asbestdialog wurde mit wissenschaftlicher Begleitung des Wuppertaler Professors für Baubetrieb und Bauwirtschaft Manfred Helmus von den Bundesministerien für Arbeit, Umwelt und Bau organisiert. Dadurch sollten die Gefahren von zum Teil in unbekannten Quellen sitzendem Asbest verdeutlicht und Regeln gefunden werden, um mit kleinflächiger Verwendung von Asbest umzugehen.

Daraus sollen Arbeitsschritte, Regeln und Vorschriften abgeleitet werden. Das soll nach Hoffnung der Stadt kommendes Jahr passieren.

Die Stadt habe als eine von wenigen Kommunen an dem Dialog teilgenommen, lobt Helmus. Und generell findet er ihr rigoroses Vorgehen löblich. Dass in vielen Fällen unter Auflagen entkernt würde, sieht er als hilfreich für künftige Sanierungen. „Die Stadt ist so auf der sicheren Seite“, sagt er. Dann sei für spätere Arbeiten das ganze Asbest aus dem Bau.

Für die Stadt wären neue Regeln für kleine Arbeiten hilfreich – vom Aufwand wie finanziell. Bisher, erklärt Wehling, müsse bei belasteten Gebäuden im Falle eines Wasserrohrbruchs etwa eine Spezialfirma kommen, die Bezirksregierung müsse eingeschaltet werden. Was drei Stunden dauern könne, dauere jetzt drei Tage. Oder im Fall von Slawigs Büros zwei Jahre. Er soll im Sommer wieder in den Altbau ziehen können.

Belastung

Privat: Asbest wurde über Jahrzehnte in großen Mengen beim Bau genutzt – in Böden, Dachbelägen, Fliesenkleber, Spachtelmassen und Putz. Prof. Helmus mahnt deshalb besonders, sich bei privaten Sanierungen zu schützen.

Schulen: Hans Uwe Flunkert sagt, in Schulen gebe es etwa für die Hausmeister ein Regelwerk, was sie baulich tun dürften. Maßnahmen wie Tafeln aufhängen müssten immer mit Unterdruck und Schutzkleidung passieren.

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