Artisten leiden unter Corona: Manege bleibt vorerst zu

Ende Mai veranstaltete der Circus Busch mit der Firma Merz Pilini den „Auto Circus“ im Autokino Recklinghausen. Foto: Oliver M. Klamke
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Ende Mai veranstaltete der Circus Busch mit der Firma Merz Pilini den „Auto Circus“ im Autokino Recklinghausen. Foto: Oliver M. Klamke

Die Familie, die bislang den Remscheider Weihnachtscircus ausrichtete, lebt derzeit in Wesel

Von Melissa Wienzek

Remscheid Die diesjährige Zirkussaison dauerte gerade mal 32 Shows lang: Für die Zirkusfamilie Busch waren die Auftritte in den Autokinos in Recklinghausen, Uelsen und Bremen im Sommer die einzigen Auftritte dieses Jahr. „Es tat einfach gut, mal wieder aufzutreten“, sagt Circus-Busch-Sprecher Stefan Ballack. Es gab auch die Idee, im Remscheider Autokino aufzutreten, man sei sich allerdings nicht handelseinig geworden.

Die Artisten schwelgen heute noch in den Erinnerungen der Shows, die laut eigener Aussage auf europaweites Medieninteresse stießen. „Finanziell war es allerdings eine Plus-Minus-Null-Rechnung“, gibt Ballack zu.

Artistin stürzte in Remscheid acht Meter tief aus der Kuppel

Seit sechs Monaten ist die Familie Scholl, Inhaber des Circus Busch und Ausrichter des Remscheider Weihnachtscircus, mit ihrem regulären Zirkusbetrieb in Corona-Zwangspause. Die Tiere sind derzeit bei einem Freund in Kalkar untergebracht und werden dort versorgt – mit Futter, das von Tierfreunden gespendet wird. Die Familie Scholl befindet sich derzeit mit ihren Wagen auf dem Winterquartier-Platz in Wesel-Schermbeck. „Wir stehen still“, sagt Natascha Frank, Frau von Zirkusdirektor Hardy Scholl. „Momentan können wir gar nichts machen.“

Die Artistin ist vielen Remscheidern ans Herz gewachsen: Nach ihrem folgenschweren Sturz aus acht Metern Höhe beim Weihnachtscircus 2018 schickten ihr die Remscheider Genesungswünsche – und spendeten zuletzt über eine Internetplattform Geld für ihren defekten Wohnwagen, in dem sie mit Söhnchen Eddy lebt. Der Wagen ist mittlerweile repariert; der Regen tropft nun nicht mehr durchs Dach.

Auch die anderen Wagen werden derzeit aufgearbeitet. „Sofern die Männer es selbst reparieren können“, sagt Frank. Denn es fehlt an Geld: Das Zirkusverbot sorgt für eine leere Kasse. Die Reserven sind aufgebraucht, bekennt der Circus Busch bei Facebook. „Wir mussten tatsächlich zum Sozialamt gehen“, gibt Natascha Frank zu.

Dass es so hart werden würde, damit hatten die Scholls im März, als der Lockdown kam, nicht gerechnet. „Da dachten wir noch, es geht schnell vorbei“, erzählt Natascha Frank, die aus einer Artistenfamilie stammt. Daraus wurde nichts. Man habe zwar zweimal einen Antrag auf Soforthilfe gestellt, aber bislang keinen Cent erhalten, sagt Frank. Offenbar kämen die Sachbearbeiter bei der Bearbeitung der Anträge nicht hinterher. „Wir haben die Hoffnung, dass das bald ein Ende hat.“

Zirkusfamilie hofft auf Fördertopf für Kultur

Vielleicht gibt es bald einen Hoffnungsschimmer: „Es gibt die Möglichkeit, dass sich die Zirkusse an einem Fördertopf ,Neustart Kultur‘ bedienen können, für den man sich wohl Mitte September bewerben kann. Nächste Woche soll es eine Informationsveranstaltung geben“, sagt Stefan Ballack. Der Circus Busch wolle versuchen, einen Antrag zu stellen. Bis dahin bleibt die Zirkusfamilie in Wesel.

Ob der Remscheider Weihnachtscircus dieses Jahr stattfindet, ist indes noch nicht klar. Es laufen derzeit Gespräche.

Unklar ist auch, wie es gesundheitlich bei Natascha Frank weitergeht. Bei ihrem Sturz in Remscheid zog sich die Mutter eines Sohnes damals mehrere Wirbelbrüche, vier gebrochene Rippen und eine schwere Gehirnerschütterung samt Bluterguss im Kopf zu. Ein sogenannter Fixateur, der die Wirbelsäule steif hält, um sie zu stabilisieren, sollte eigentlich längst entfernt werden.

Kurz vor der Operation in Hamburg stellte sich anhand von CT-Bildern jedoch heraus: Die Knochen im Rücken sind noch immer nicht richtig zusammengewachsen. Die Operation wurde nun erneut um sechs Monate verschoben. „Beim Sitzen tut es immer noch weh“, sagt Natascha Frank. Ihre Seilnummer wird sie wohl nie mehr in der Manege zeigen können. Immerhin dem kleinen Eddy geht es gut. Corona ist für ihn noch ein Fremdwort.

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