Grabstellen sind rar geworden

Anwohner irritiert von Begräbniswäldern

An diesem Standort werden in Remscheid neue Begräbniswälder geprüft.
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An diesem Standort werden in Remscheid neue Begräbniswälder geprüft.

Remscheider Friedhofsplaner prüfen zwei neue Standorte, das stößt nicht nur auf Gegenliebe.

Von Axel Richter

Und auch an diesem Standort werden in Remscheid neue Begräbniswälder geprüft.

Im Kempkenholz sind die Grabstellen rar geworden. Deshalb hat sich die Stadt Remscheid auf die Suche nach einem neuen Begräbniswald gemacht. An zwei Stellen wurde sie fündig: In Ehringhausen beiderseits der Burger Straße und im Bereich Kleebach zwischen Hackenberg und Vorsperre der Wuppertalsperre möchten die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) künftig Baumbestattungen möglich machen. Gestern scheiterten die Pläne zunächst. Gestorben sind sie deshalb aber noch nicht.

In der Anwohnerschaft regt sich Protest

Im Landschaftsbeirat, der am Abend über die möglichen neuen Begräbniswälder beriet, zeigten sich die Mitglieder ein Stück weit von der Stadt überrumpelt. In der Anwohnerschaft regt sich zudem Protest: „Wir sind dann umgeben von Toten“, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Unter anderem fürchtet sie um das Wasser ihres Brunnens. Und um ihre Ruhe. Damit dürfte es vorbei sein, wenn erst Beerdigungen stattfinden, schätzt auch ein Anwohner der Rader Straße: „Ich habe das zunächst für einen Scherz gehalten.“

Doch die Technischen Betriebe meinen es ernst. Nördlich der Burger Straße zwischen den Häusern 262 und 276 sollen zunächst 7,5 Hektar für einen neuen Begräbniswald in Anspruch genommen werden und auf der anderen Straßenseite weitere 10 bis 14 Hektar in Reserve gehalten werden. In Kleebach geht es um eine Gesamtfläche von 21 Hektar Wald.

„An beiden Standorten wurde kürzlich die Beprobung der Böden vorgenommen“, schreiben die TBR. „Aus den Ergebnissen ergibt sich die grundsätzliche Geeignetheit für die Bestattung von Totenasche.“

„Ich habe das zunächst für einen Scherz gehalten.“

Anwohner der Rader Straße

An beiden Standorten zusammen wollen die Friedhofsplaner rund 130 Bäume zu Bestattungsbäumen erklären. An beiden Standorten zusammen soll es danach zu rund 220 Bestattungen im Jahr kommen. Die Kritiker fürchten deshalb zusätzlichen Parkverkehr, dazu die Störung der vorhandene Tier- und Pflanzenwelt. „Wir haben hier den Eisvogel, den Schwarzstorch, die Wasseramsel und den Rotmilan“, zählen sie auf.

Markus Wolff, Leiter des zu den Technischen Betrieben gehörenden Stadtforstamtes, und auch Frank Stiller von der Unteren Naturschutzbehörde haben an der beschriebenen Artenvielfalt so ihre Zweifel. Doch, sagen sie: „Der Gesamtcharakter des vorhandenen Waldes wird durch die Einrichtung der Begräbniswälder nicht verändert.“ Grabsteine oder anderweitige Kennzeichnungen sowie Schmuck sind ebenso wie Grabbeigaben im Begräbniswald verboten. Es dürfen zudem nur biologisch abbaubare Urnen verwendet werden.

Grundsätzlich wollen die TBR es bei den vorhandenen Wegen belassen und nur im Einzelfall zusätzliche Fußwege anlegen. Zudem seien die Bereiche Kleebach und Ehringhausen verkehrstechnisch gut angebunden.

Die Mitglieder des Landschaftsbeirates rangen lange mit einer Entscheidung und lehnten die Pläne anschließend mit knapper Mehrheit ab. Jedoch: Irgendwo muss laut Stadt absehbar ein neuer Begräbniswald ausgewiesen werden. Die Bestattungsform bleibt stark nachgefragt, und im Kempkenholz auf der Stadtgrenze zu Wuppertal sind die Bäume belegt.

Hintergrund

Wiedervorlage: Markus Wolff will sich nun mit dem Oberbürgermeister beraten und schließt eine Wiedervorlage der Pläne nicht aus. „Ich muss das jetzt aber erst einmal sacken lassen.“

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