Gericht

Totschlag-Prozess: Anwalt präsentiert Gegengutachten

Zum Kölner Gutachten präsentierte der Anwalt (r.) des angeklagten Krankenpflegers ein Gegengutachten eines Hamburger Rechtsmediziners.
+
Zum Kölner Gutachten präsentierte der Anwalt des angeklagten Krankenpflegers ein Gegengutachten eines Hamburger Rechtsmediziners.

Totschlag-Prozess in Köln: Krankenpfleger aus Remscheid soll im Krankenhaus einen Patienten erwürgt haben.

Von Stephan Eppinger

Wermelskirchen. Es war eine unruhige Nacht vom 16. zum 17. April 2019 für einen Krankenpfleger, der auf einer Station der Inneren Medizin im Krankenhaus Wermelskirchen seinen Nachtdienst absolvierte. Gleich zwei Patienten, die unter schwerer Demenz litten, wurden eingeliefert und kamen auf die Station des 47-Jährigen aus Remscheid.

Beide hielten den Mann, der seit 1995 am Krankenhaus arbeitet, mächtig auf Trab. Damit war für den Krankenpfleger auch der regelmäßige Ablauf seines Dienstes immer wieder gestört worden. Das galt insbesondere für einen 79-jährigen Rentner aus Wermelskirchen. Er wurde gegen 21 Uhr auf die Station gebracht und erhielt dort ein Einzelzimmer, um die anderen knapp 30 Patienten der Station nicht in ihrer Nachtruhe zu stören.

Der Mann, der an schwerer Demenz gelitten hatte und in einem Pflegeheim lebte, stand im Laufe der Nacht immer wieder aus seinem Bett auf und lief in verwirrtem Zustand über den Flur der Station zum nicht weit entfernten Aufzug. Als der Krankenpfleger ihn zurückbringen wollte, wurde er laut und beschimpfte diesen heftig. Er erhob sogar den Arm gegen ihn, zog ihn aber wieder zurück, als er gefragt wurde, ob er den Pfleger wirklich schlagen wolle.

Andere Patienten beschreiben den Krankenpfleger als freundlich

Gegen Mitternacht urinierte der Mann auf den Boden seines Krankenzimmers, später fand der Pfleger dieses verwüstet vor. Bei seinem Rundgang fand der 47-Jährige den Mann um 4.55 Uhr leblos vor und stellte dessen Tod fest. Eine spätere Obduktion der Kölner Rechtsmedizin kam zum Schluss, dass eine unnatürliche Todesursache vorliegt.

Beim am Dienstag begonnenen Prozess vor dem Kölner Landgericht wurde dem Krankenpfleger nun vorgeworfen, dass er sich in der Nacht ins Krankenzimmer des dementen Patienten begeben haben soll, um dort den Patienten zu erwürgen. Der Tatvorwurf lautet auf Totschlag. Er soll laut Staatsanwaltschaft den Rentner „vorsätzlich und ohne rechtfertigenden Grund“ getötet haben. Man geht davon aus, dass der Angeklagte den Mann vermutlich aus Überforderung getötet hat. Der Angeklagte hat dies in seiner Vernehmung Ende April 2019 durch die Kölner Kripo bestritten.

Als erster Zeuge wurde ein Beamter der Kriminalpolizei vernommen, der den 47-Jährigen vernommen hat. Dieser beschreibt den Angeklagten als kooperativ und freundlich. Er habe sich viel Zeit genommen bei seinen Antworten und habe genau auf die Fragen geantwortet. Der Angeklagte sei sehr erschrocken gewesen, als er erfahren habe, dass man ihn beschuldigt, seinen Patienten getötet zu haben. Er habe damals einen Tatverdacht als nicht begründet angesehen, aber sich dann gefragt, wer es dann gewesen sein könnte.

Allerdings gab der Beschuldigte in der Vernehmung an, dass die Station offen zugänglich war und dass er diese von seinem Dienstzimmer nicht komplett habe einsehen können. Man habe auch die anderen Patienten befragt, denen aber nichts außer der lautstarken Auseinandersetzung auf den Flur aufgefallen sei, erklärt der Ermittler vor Gericht. Der Krankenpfleger selbst sei in den Befragungen als kompetent und freundlich beschrieben worden. Er habe seine Arbeit ordentlich gemacht.

Der Angeklagte selbst wollte sich laut seines Anwalts beim Prozessauftakt nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Er wolle sich schweigend verteidigen. Der Verteidiger des Krankenpflegers äußerte nach der Zeugenaussage des Kripobeamten die Kritik, dass es jenseits des Obduktionsberichtes der Kölner Rechtsmedizin, seiner Meinung nach, keinen Anhaltspunkt für eine Straftat gebe. Vor dem Protokoll der Sektion sei man von einem Unfallgeschehen ausgegangen.

Zum Kölner Gutachten präsentierte der Anwalt ein Gegengutachten eines Hamburger Rechtsmediziners, der beim Verhandlungsauftakt im Landgericht vor Ort war.

Bevor es zur Verlesung der Anklage kam, warteten Fotografen und Filmteams zunächst erfolglos, um Aufnahmen von dem Beschuldigten machen zu können. Erst als die Kammer die Richterbank betreten und die Foto- und TV-Journalisten aufgefordert hatte, den Saal zu verlassen, erhob sich im Zuschauerbereich auf das Handzeichen eines Verteidigers ein Mann, der wenige Sekunden später auf der Anklagebank Platz nahm.

Der nächste Verhandlungstag ist für diesen Donnerstag anberaumt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach Schüssen in Remscheid: Die Opfer müssen sich verstecken
Nach Schüssen in Remscheid: Die Opfer müssen sich verstecken
Nach Schüssen in Remscheid: Die Opfer müssen sich verstecken
Bandmanager von Brings: „Ich suche nach Lösungen, nicht nach Problemen“
Bandmanager von Brings: „Ich suche nach Lösungen, nicht nach Problemen“
Bandmanager von Brings: „Ich suche nach Lösungen, nicht nach Problemen“
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
Nach einem Jahr: Schwebebahn soll ab Samstag wieder normal fahren
Nach einem Jahr: Schwebebahn soll ab Samstag wieder normal fahren
Nach einem Jahr: Schwebebahn soll ab Samstag wieder normal fahren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare