Gericht 

Angeklagter bessert Geständnis nach

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Um Spuren zu verwischen, setzten die Täter am 31. Mai 2017 das Haus des Opfers in Haan am Hermann-Löns-Weg in Brand, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft. 

HAAN Gruppe muss sich wegen Brandstiftung und Raubs in Haan vor Gericht verantworten. 40-Jähriger belastet mutmaßliche Komplizen.

Von Dirk Lotze

Haan/Wuppertal. Im Prozess um besonders brutalen Raub an einem 83 Jahre alten Rentner in Haan und anschließende Brandstiftung an dessen Haus hat ein 40 Jahre alter Angeklagter wesentliche Tatbeiträge zugegeben. Vor dem Landgericht in Wuppertal besserte der Mann seine bisherigen Angaben nach und gab zu, im Haus gewesen zu sein. Zugleich belastete er einen Mitangeklagten (35) und einen weiteren mutmaßlichen Komplizen, nach dem die Polizei bereits sucht. Den Richtern erklärte der Mann: „Es tut mir leid.“

In dem Verfahren müssen sich neben dem 40-Jährigen zwei Männer (35 und 40 Jahre) und eine Frau (45) verantworten. Deren Mann soll Kopf der Gruppe gewesen sein: ein früherer städtischer Mitarbeiter, der in einem eigenen Prozess in Hagen vor Gericht steht – und der den Tatort in Haan womöglich während seiner Arbeitszeit unter einem Vorwand ausspioniert hat.

Bisher hatten die Ermittlungsergebnisse offengelassen, welche Angeklagten als mutmaßliche Haupttäter im großzügigen Anwesen des Opfers gewesen sein sollen. Bei der Tat am 31. Mai 2017 hatte eine zunächst unbekannte Zahl von Angreifern den Senior in seinem Haus überfallen. Laut dessen Aussage nahmen die Täter ihm die Sicht, indem sie ihm eine Tasche über den Kopf zogen. Sie hätten mehrfach Geld gefordert und gedroht, ihm Finger abzuschneiden oder ihn umzubringen.

Schließlich brachten sie das größtenteils entkleidete Opfer auf die Terrasse und legten Feuer. Der 83-Jährige berichtete, er habe sich – immer noch ohne Sicht – eine Böschung hinabrollen lassen, um den Flammen zu entgehen. Die Beute: 400 Euro und einige Uhren. Das Haus brannte aus und soll weiter unbewohnbar sein. Ein Angeklagter hatte angegeben, er habe mit bis zu 100 000 Euro gerechnet.

Als nächstes werden ergänzende Angaben eines 35-Jährigen erwartet

Der nun geständige 40-Jährige hatte zunächst Beteiligung an einem Einbruch zugegeben. Er wurde in der Folge allerdings von seinem gleichalten Mitangeklagten belastet. Zudem hatte ein Brandexperte auf Fragen des Opfer-Anwalts klargemacht: Für den Senior bestand auf der Terrasse Lebensgefahr. Eine Markise habe beim Brand Feuer gefangen und sei heruntergefallen. Der 83-Jährige hatte berichtet, er sei gegen Ende der Tat mit einer Art Nebel besprüht worden – womöglich Brandbeschleuniger.

GESETZ

TOTSCHLAG Riskiert ein Täter das Leben seines Opfers sogar wissentlich, kann versuchter Totschlag vorliegen.

MORD Falls zum Totschlag bestimmte Merkmale hinzukommen, kann der Täter als Mörder bestraft werden. Das kann beim Einsatz gemeingefährlicher Mittel wie Feuer der Fall sein, aber auch bei Habgier oder aus anderen niedrigen Beweggründen.

RAUB Wer bei einem Raub Waffen oder andere gefährliche Werkzeuge einsetzt, muss mit mindestens fünf Jahren Gefängnis rechnen. Gleiches gilt, wenn das Opfer in Lebensgefahr gerät.

Der 40-Jährige gab an, er hätte sich eigentlich früher im Prozess bei dem Senior entschuldigen wollen. Es habe sich aber nicht ergeben. Den Richtern schilderte er Einzelheiten des Ablaufs. So habe die Gruppe eine Alarmanlage im Haus entdeckt und gezielt umgangen. Er bestätigte, die Drohungen gegen den Rentner könne es gegeben haben: „Das haben die Jungs vielleicht gemacht, als sie mit ihm im Keller waren.“ Feuer zu legen, habe ein Mitangeklagter verlangt: „Der hatte schon mal so was gemacht und wollte nicht, dass DNA gefunden wird.“

Der Prozess wird fortgesetzt. Als nächstes werden ergänzende Angaben des 35-jährigen Angeklagten erwartet.

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