Prozess

Angeklagte belasten sich gegenseitig

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Täter stahlen Geld und Schmuck.

Von Dirk Lotze

Für mutmaßliche, schwere Wohnungseinbrüche in der ganzen Region, zusammen mit Komplizen, muss sich ein 32 Jahre alter Angeklagter aus Haan verantworten. Zu den Tatorten sollen er und weitere Beteiligte teils mit Mietautos gefahren sein. Die Beute: Geld und Familienschmuck der Opfer für mehrere 10 000 Euro. Laut Zeugen belasten sich der 32-Jährige und weitere Männer in verschiedenen Prozessen gegenseitig. Im Gegenzug hätten sie dann jeweils noch weiter übereinander ausgesagt. Die Gruppe soll durch eine DNA-Spur an einem Einbruchort in Solingen ins Visier der Fahnder geraten sein.

Für den Angeklagten geht es vor dem Landgericht in Wuppertal um sechs mutmaßliche Taten um den Jahreswechsel 2015/2016. Ein weiterer Angeklagter habe ihn 2017 als Mittäter benannt. Der Gelegenheitsarbeiter und Familienvater schweigt zu diesen Vorwürfen. Einige Geschädigte sind bereits verstorben.

Über einen der Einbrüche sagte eine Verwandte aus. Sie habe die Wohnung versorgt, während die Eigentümerin mit ihrem Mann verreist war: „Als ich rein kam habe ich als erstes gesehen, dass ein Schrank offen stand.“ Papiere und Sachen seien verstreut gewesen. „Es war ein Durcheinander. Ich habe sofort die Polizei angerufen.“

Weiter diesem Zeugen zufolge deuteten Spuren auf mindestens zwei Täter in den Räumen. Über Funk hätten sie Kontakt zu einem Dritten gehalten, der außerhalb „Schmiere“ stand. Ein entsprechendes Gerät sollen Beamte in Solingen gefunden haben. Daran habe sich die DNA-Spur befunden, die später zu einem ebenfalls 32-jährigen Mann geführt haben soll. Der ist inzwischen rechtskräftig verurteilt.

Sein Anwalt soll im früheren Prozess den nun angeklagten Familienvater benannt haben. Der Mandant habe Einzelheiten zu Tatabläufen ergänzt. Umgekehrt habe der nun Angeklagte einmal in einer Verhandlung über den Verurteilten ausgesagt. Der sei darauf sofort verhaftet worden.

In der neuen Verhandlung vollzog der bereits Verurteilte eine Kehrtwende: „Ich habe gelogen und den Angeklagten zu Unrecht belastet. Der hatte mit den Einbrüchen gar nichts zu tun.“ Stattdessen sei ein anderer Mann mit auf Diebestour gewesen. Einen teuren Audi aus Düsseldorf sei der gefahren. Dieser Mann habe fast alles allein gemacht.

Zeuge muss mit neuem Strafverfahren rechnen

Erstaunt hörten die Richter, wie der Verurteilte fortfuhr: „Ich will jetzt die Wahrheit sagen. Der Angeklagte soll aufstehen und auch die Wahrheit über meinen Bruder sagen.“ Der Bruder sei wegen Raubes zu mehr als sieben Jahren Gefängnis verurteilt, weil der 32-Jährige ihn belastet habe. Der Angeklagte hörte zu, antwortete aber nicht.

Der Zeuge muss mit einem neuen Strafverfahren rechnen – wegen falscher Aussage oder falscher Verdächtigung.

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