Anfang 2021 soll Konzept fürs „dritte Rathaus“ stehen

Die alte Bahndirektion soll zum dritten Rathaus werden. Archivfoto: Andreas Fischer
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Die alte Bahndirektion soll zum dritten Rathaus werden. Archivfoto: Andreas Fischer

Stadtentwicklung in Wuppertal: Neben Bürgerservice-Stellen und Jobcenter soll es noch einen dritten Mieter am Hauptbahnhof geben

Von Manuel Praest

Wuppertal Multifunktional ist ein Schlagwort. Desk-Sharing und Open-Space, also weg von langen Fluren mit klassischen Einzelbüros, sind unter anderem die Ziele: Die Stadt arbeitet gemeinsam mit dem Jobcenter an einem Konzept für die ehemalige Bundesbahndirektion. Bekanntlich soll am Döppersberg ein „drittes Rathaus“ entstehen. Neben mehreren Bürgerservice-Stellen der Stadt wird auch das Jobcenter dort einziehen – und ein dritter Mieter, der noch nicht genannt werden soll.

Die Gespräche laufen laut Stadtdirektor Johannes Slawig „auf Hochtouren“, auch mit dem Eigentümer des Denkmals, der Clees-Gruppe. Wie das „Bürgerzentrum“ genau aussehen soll, will Slawig Anfang 2021 der Politik vorstellen. Dann muss der Stadtrat den Durchführungsbeschluss treffen.

Bis dahin müssen noch einige Fragen geklärt werden. Dazu gehören etwa auch die Miet- und Investitionskosten, die auf die Stadt zukommen, aber auch die Entlastungen dadurch, dass sich die Verwaltung von anderen Standorten trennt. Eigentlich sollte sich der Rat schon in der Dezember-Sitzung mit dem Thema befassen. Unter anderem hätte Corona aber dafür gesorgt, so Slawig, dass sich der Prozess verzögert hat.

Barmen würde einen Verwaltungsstandort verlieren

Zudem gibt es bei der ganzen Planung noch einen politisch sensiblen Punkt: „Ich habe noch den Prüfauftrag, ob das Einwohnermeldeamt ebenfalls in die Direktion ziehen könnte“, erklärt Slawig. Ein Schritt, den insbesondere einige Barmer Politiker gar nicht gerne sehen würden, verlöre der Stadtteil damit doch einen Verwaltungsstandort. Die Bezirksvertretung könnte allerdings, so Slawig, in diesem Jahr kaum noch angehört werden. „Gründlichkeit ist uns in diesem Fall aber auf jeden Fall wichtiger als Schnelligkeit“, betont der Stadtdirektor. Die Planungen für die Bahndirektion betreffen einen Zeitraum von 20 Jahren, und mit dem Durchführungsbeschluss der Politik „dürfte ich auch den Mietvertrag unterschreiben“, so Slawig. „Dann kann man nicht mehr zurück.“

Im Prinzip gehe es am Döppersberg um eine komplett neue, moderne Büroarchitektur. Deshalb habe sich die Stadt auch mit dem Planungsbüro Drees & Sommer einen kompetenten externen Partner ins Boot geholt, „weil wir vorher ja noch nie so etwas gemacht haben“, so Slawig. Er selbst höre den Begriff Bürgerzentrum gar nicht so gerne, „weil eigentlich alle unsere Standorte Bürgerzentren sind“.

Zu sehr in die Details will er noch nicht gehen. Fest stehe aber, dass es im Erdgeschoss eine große Eingangszone mit dem Front-Office-Bereich für den Publikumsverkehr geben wird. In den oberen Etagen würden dann die Bürobereiche geplant. Gut 630 städtische Mitarbeiter sollen an den Döppersberg ziehen – vorgesehen sind aber nur 530 Arbeitsplätze. Nicht jeder Angestellte werde seinen eigenen Schreibtisch haben, sagt Slawig, verweist aber auf die immer mehr genutzte Möglichkeit von Homeoffice. In der Corona-Krise habe man festgestellt, „da ist noch mehr möglich und ohne Beeinträchtigung des Dienstprozesses“. Vorbehalte in dieser Hinsicht seien „entkräftet worden“.

Flexibel werde geplant, Flächen sollen effizienter genutzt werden, um damit Kosten zu sparen. Wer die Bahndirektion kenne, wisse, dass sich dort einiges räumlich ändern wird. Wände müssen herausgenommen, größere zusammenhängende Flächen geschaffen werden. Die aktuellen Räume in den oberen Geschossen seien „zu groß für Einzelbüros und zu klein für Großraumbüros“. Eine moderne Bürowelt soll es werden. Im Groben sei das alles leicht erzählt, so Slawig, in den Details gehe es bis zu der Frage, „wo welche Steckdose hinkommt“.

Jobcenter und Jugendamt könnten nebeneinander arbeiten

Und welche Stellen werden nun an den Döppersberg verlegt? Auch das werde derzeit geplant. Teile des Jugendamtes und Schulverwaltungsamtes werde man auf jeden Fall unterbringen – was eben auch zum zweiten Mieter, dem Jobcenter passt. Der will nämlich nicht nur seine zwei Geschäftsstellen vom Neumarkt und der Hoeftstraße in die Bahndirektion verlagern, sondern dort auch die Angebote für junge Menschen bündeln. Das reiche von der Ausbildungsvermittlung bis hin zur Jobberatung. „Und da wäre das Jugendamt natürlich ein guter Partner“, sagt Jobcenter-Vorstand Andreas Kletzander.

In den Gesprächen mit der Stadt gehe es darum zu schauen, „wo Schnittstellen bestehen“, sagt Kletzander. Von gemeinsamen Wartebereichen ist zum Beispiel die Rede.

Die Planung gehe aktuell von 205 Mitarbeitern und 150 Arbeitsplätzen des Jobcenters am Döppersberg aus. Was den dritten Mieter angeht, hält sich Slawig noch bedeckt. Er passe aber gut in das Konzept, das Stadt und Jobcenter verfolgen, betont er. „Wir befinden uns aktuell in guten Gesprächen mit der Stadt bezüglich des Anmietungskonzepts für die Bundesbahndirektion. Gerne berichten wir gemeinsam mit der Stadt darüber, sobald Ergebnisse vorliegen“, so ein Sprecher der Clees-Gruppe.

Pläne und Historie

Zahlen: Die Gesamtfläche der Bahndirektion beträgt 21 000 Quadratmeter. Zwei Drittel wird die Stadt anmieten, ein Drittel das Jobcenter. 2500 Quadratmeter bleiben für den dritten Mieter.

FOC: Die Clees-Gruppe hatte vor Jahren die leerstehende Bahn-Immobilie erworben. Im Nachhinein wurden kritische Stimmen laut, die monierten, dass die Stadt nicht selbst den Bau erworben habe. Die Clees-Gruppe plante, dort ein Factory Outlet Center zu realisieren. Das FOC war ein Grund für massiven Streit mit der Stadt Remscheid, die bereits deutlich früher mit den Planungen für das Designer Outlet Center DOC in Lennep beginnen hatte. Unabhängig davon zerschlugen sich die FOC-Pläne für den Döppersberg; die Stadt Wuppertal beschloss daraufhin einen Klageverzicht gegen das DOC in Lennep.

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