50-jähriges Bestehen

An der Bergischen Uni ist Platz für jedes Alter

Jonathan Huppertz (26) und Karin Friehold (82).
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Jonathan Huppertz (26) und Karin Friehold (82).

Wuppertal. Jonathan Huppertz (26) und Karin Friehold (82) studieren in Wuppertal. Ein Generationengespräch.

Das Gespräch führte Marvin Rosenhoff

Was studieren Sie und was hat Sie nach Wuppertal an die Uni verschlagen?

Karin Friehold: Ich bin seit dem Wintersemester 2016/2017 als Seniorenstudentin an der Uni. Das habe ich vor allem meiner Tochter zu verdanken. Nachdem mein Mann 2016 verstorben ist, hat sie mir empfohlen, das Seniorenstudium auszuprobieren. Jetzt habe ich in Geschichte, Psychologie und evangelischer Theologie meinen Seniorenabschluss gemacht. Es ist toll, dass das auch ohne Abitur möglich ist. Ich bin 1940 geboren und meine Eltern konnten sich nach dem Krieg das Schulgeld nicht leisten. Deshalb war es mir früher verwehrt, etwas in diese Richtung zu machen.

Jonathan Huppertz: Ich bin schon etwas länger dabei, seit 2013 (lacht). Nach dem Abi wusste ich nicht so recht, was ich machen wollte, und habe mich dann dafür entschieden, erstmal die Fächer zu studieren, die mich interessiert haben. Das war die richtige Entscheidung. Jetzt mache ich meinen Master in Englisch und Geschichte mit dem Fernziel, Lehrer zu werden. Eigentlich würde ich aber gerne zuerst eine Doktorarbeit im Fach Geschichte schreiben.


Womit hatten Sie am Anfang des Studiums zu kämpfen?

Friehold: Mit der wissenschaftlichen Arbeitsweise, weil ich damit vorher gar keine Berührungspunkte hatte. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung in einem Hütten- und Stahlwerk gemacht und später als Chefsekretärin in einem Wuppertaler Unternehmen gearbeitet. Als ich das wissenschaftliche Arbeiten aber einmal begriffen hatte, hat es mir einfach nur Spaß gemacht und ich habe fleißig versucht, Leistungsnachweise zu sammeln und meinen Abschluss zu machen.

Huppertz: Das ging mir auch so. Gerade in den Geisteswissenschaften ist das am Anfang eine große Hürde. Meine erste Hausarbeit habe ich viermal verworfen und erst sehr spät abgegeben. Das hat sich dann aber zum Glück irgendwann zum Besseren gewendet. Später habe ich selber als Tutor gearbeitet und jüngere Studenten an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt. An der Schule lernt man das ja leider überhaupt nicht.

Wie sieht Ihr Alltag an der Uni aus?

Huppertz: Ich studiere zwei Fächer, in denen man viel lesen muss. Also stehe ich morgens auf und fange erstmal an zu lesen. Es ist aber schön, nach den letzten zwei Jahren jetzt endlich wieder richtig an der Uni sein zu können, im Seminar zu sitzen, zu diskutieren und mit Freunden in die Mensa zu gehen. In Zeiten von Corona saß man ja fast nur am Computer.

Friehold: Das Lernen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und macht es immer noch. Grundsätzlich können wir im Seniorenstudium bis auf wenige Ausnahmen alle Seminare und Vorlesungen besuchen. Bei manchen Fächern ist es allerdings schwierig, damit man den Jüngeren nicht den Platz wegnimmt. Wir müssen mit dem Studium ja kein Geld mehr verdienen. Ich habe dann immer mit den Dozenten gesprochen, ob es möglich ist, teilzunehmen, wenn mich ein Thema interessiert hat.

Gibt es viel Kontakt und Austausch zwischen den jüngeren und den älteren Studenten?

Friehold: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die jungen Leute manchmal gar nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollten. Ganz am Anfang war das Erstaunen teilweise sehr groß, wenn ich reinkam. Ich habe das dann einfach gelöst, indem ich ihnen das „Du“ angeboten und mich als Karin vorgestellt habe.

Huppertz: Ich hatte auch schon einigen Kontakt zu älteren Studenten und empfand das immer als angenehm. Gerade in Geschichte gibt es viele Senioren, weil das Interesse am Fach bei ihnen besonders groß ist, denke ich. Ich habe aber auch großen Respekt davor, im Alter noch einmal etwas Neues auszuprobieren. Gerade, wenn man keinen akademischen Hintergrund hat.

Wie sieht ihr Studentenleben abseits der Vorlesungen aus?

Friehold: Ich habe Kontakt zu vielen anderen Seniorstudenten und wir machen viel gemeinsam. Wir gehen zusammen essen, wandern oder ins Museum. So verliert man sich nicht aus den Augen.

Huppertz: Anfangs habe ich für vier Jahre in einem Studentenwohnheim gelebt und die klassische Studentenkultur miterlebt. Da gab es dann jeden Donnerstag Party im Haus. Aber ich bin ja jetzt auch schon etwas länger dabei und gesetzter, lebe mit meiner Freundin zusammen. Das Schöne am studentischen Leben ist ja, dass es nicht in der Bibliothek endet, weil man so viele interessante Leute kennenlernt. Viele Dozenten bieten auch außerhalb der Uni spannende Veranstaltungen an. Ich bin etwa Mitglied der Goethe-Gesellschaft in Wuppertal, die von zwei meiner Dozenten wieder aufgepäppelt wurde. Und da finden regelmäßig Vorträge und Lesekreise statt.

Wie wird es für Sie weitergehen? Möchten Sie weiter studieren?

Huppertz: Ich werde im September ins Praxissemester an eine Schule gehen. Das ist das erste Mal, dass ich den Schulbetrieb erlebe, und dann werde ich schauen, ob mir das so gut gefällt, dass ich sofort nach dem Studium Lehrer werden möchte. Vielleicht schreibe ich aber auch zuerst meine Doktorarbeit.

Friehold: In diesem Semester besuche ich drei Vorlesungen aus der evangelischen Theologie. Mich fasziniert, dass man dabei auch viel über den Islam und das Judentum erfährt. Da war mein Wissen vorher nicht sehr groß. Das kann ich nur jedem empfehlen.

Samstag ist Uni-Tag

Zum 50-jährigen Bestehen öffnet die Bergische Uni heute, 21. Mai, auf dem Campus Grifflenberg von 11 bis 18 Uhr ihre Türen. Mehr als 200 Angebote erwarten die Besucher.

Das Programm: uni-wuppertal.de

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