Amazon baut ein neues Verteilzentrum in Wuppertal

Auf der Brachfläche an der Dieselstraße in Lagerfeld will Amazon ein Verteilzentrum bauen. Foto: Anna Schwartz
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Auf der Brachfläche an der Dieselstraße in Lagerfeld will Amazon ein Verteilzentrum bauen. Foto: Anna Schwartz

Gegenüber dem alten Metrogelände an der Dieselstraße laufen bereits Abbrucharbeiten. Nachricht sorgt für zwiespältige Gefühle vor Ort.

Von Manuel Praest und Andreas Boller

Wuppertal. Amazon will in Wuppertal bauen: Der Onlineversandhändler hat nach Informationen unserer Zeitung einen Standort an der Dieselstraße gegenüber dem ehemaligen Metro-Areal ins Auge gefasst. Das Unternehmen hat eine Anfrage bestätigt. „Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, ein Verteilzentrum in Wuppertal zu eröffnen“, so eine Unternehmenssprecherin. Oberbürgermeister Andreas Mucke hatte am Rande des Langerfelder Neujahrsempfangs das Projekt genannt.

Auf dem Gelände an der Dieselstraße laufen bereits Abbrucharbeiten. Die Fläche lag zum Teil brach. Auf einem Teil war eine Blumenbörse untergebracht. Wie viele Mitarbeiter in Langerfeld beschäftigt werden, steht noch nicht fest. Der Bürgerverein Langerfeld sprach in seinem Mitteilungsblatt „Heimatgruß“ von mehreren hundert Arbeitsplätzen. Ob sich solche Erwartungen erfüllen, bleibt abzuwarten.

Amazon verfügt über ein Logistiknetzwerk mit rund 13 000 festangestellten Mitarbeitern, in dem die Verteilzentren die kleinsten Einheiten bilden. 13 Logistikzentren in Deutschland sind die Hauptknotenpunkte des Netzes. „In den Verteilzentren bereiten wir Kundenbestellungen für die letzte Meile der Zustellung vor“, heißt es auf der Homepage des Onlinehändlers.

Mit zwiespältigen Gefühlen nimmt man im Stadtteil Langerfeld diese Nachricht auf. „Unter Amazon leidet der lokale Handel“, sagt Bezirksbürgermeister Eberhard Hasenclever (SPD). Er habe Pläne gesehen, wonach Amazon offenbar ein großes Zentrum mit „sehr vielen Parkplätze“ errichten will. Die zu erwartende Zunahme an Lieferverkehr bereitet auch Margret Hahn, der Vorsitzenden des Bürgervereins, Sorgen. Dass eventuell viele Arbeitsplätze geschaffen würden, sei natürlich erstmal positiv. Aber es seien schon „sehr großflächige Parkplätze“ geplant, so Hahn.

Und Amazon bleibe auch nicht das einzige neue Unternehmen, das sich an der Dieselstraße ansiedeln werde. Der Entsorgungsbetrieb Ernenputsch hatte bereits angekündigt, das ehemalige Metro-Gelände wiederzubeleben und 2021 von Ronsdorf nach Langerfeld zu ziehen.

Über den Zeitplan von Amazon gibt es noch keine Details

Wann das Logistikzentrum von Amazon seinen Betrieb aufnimmt, darüber gibt es noch keine Infos. Die reine Bauzeit dürfte kurz sein. Es könnten Betonfertigteile verwendet werden, denn Verteilzentren entstehen seit Jahren in Serie. Margret Hahn befürchtet viel Lieferverkehr. Dass der Online-Riese den stationären Handel schwäche, sei offensichtlich. „Man kann den Zug aber kaum aufhalten“, sagt sie, auch wenn sie selbst „lieber im Laden einkauft“. Das sei aber wahrscheinlich eine Altersfrage. Für Langerfeld selbst habe es kaum Auswirkungen. „Wir haben hier ja kaum noch Läden.“

Amazon ist offenbar um eine gute Nachbarschaft bemüht. „An allen unseren Standorten wollen wir ein guter Nachbar sein. Wir schaffen Arbeitsplätze und engagieren uns für gute Zwecke in der Gemeinde“, sagt Nadiya Lubnina von Amazon. Amazon Logistics biete lokalen Lieferpartnern die Möglichkeit, mit Amazon zu wachsen.

Dass der Online-Gigant Amazon den verkehrsgünstigen Standort Wuppertal für sich entdeckt hat, ist kein Zufall. Ein Faktor ist die Nähe zum Autobahnkreuz Nord mit der Anbindung an die A 1 und A 46. Ein zweiter Punkt ist, dass es kaum noch Städte gibt, die über derart große gewerblich nutzbare Flächen verfügen. Für die Nachfrage sorgen allerdings auch die Wuppertaler selbst, die im Städtevergleich als die eifrigsten Besteller im Internet bundesweit gelten. Ranking 2017 wurde in einer Studie der Bundesnetzagentur Wuppertal als Deutschlands Pakethauptstadt ermittelt. Demnach wurden bereits 2015 in Wuppertal knapp 19 Sendungen pro Kopf und Jahr an Privatempfänger ausgeliefert. Der Bundesschnitt lag damals bei 16 Sendungen pro Kopf.

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