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Alternativen zum geplanten Wuppertaler Radhaus

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Einen ganzen Fahrradturm will die Stadt Düsseldorf am Bahnhof Bilk bauen lassen. 

WUPPERTAL Nach dem Aus für das Radhaus gibt es vielleicht andere und günstigere Möglichkeiten.

Von Stephan Korfe

Dass Wuppertal bis 2025 Fahrradstadt werden will, ist bekannt. Dass man in der Talstadt nicht konsequent auf dieses Ziel hinarbeitet, auch. Beispiel Radhaus.

Ende November wurde der Plan zum Bau des Radhauses am Döppersberg „Platz Ost“ hinter dem Primark-Gebäude endgültig begraben. Die Politik lehnte die Pläne der Verwaltung ab, auch wenn die Verwaltung vor Folgekosten von 843.000 Euro warnte, wenn das Radhaus – wie jetzt – nicht gebaut wird.

Vor zwei Jahren, im Jahr 2016, war aber ein Grundsatzbeschluss für ein solches Haus gefasst worden. 120 Radstellplätze, davon 30 Abstellplätze für Elektrofahrräder, hätte es dem Beschluss zufolge beherbergen sollen. Noch dazu Auflademöglichkeiten für E-Bikes. Und noch im April dieses Jahres beschloss die Planungs- und Baubegleitkommission Döppersberg, am „Platz Ost“ generell 150 Radabstellmöglichkeiten zu schaffen.

Trotz Folgekosten sagte die Politik das Projekt ab

Veranschlagte Gesamtbaukosten: 935.000 Euro. Finanziert in vollem Umfang aus den Mitteln der Stellplatzrücklage. Für diesen Preis fand sich in der ersten Ausschreibungsrunde kein Bewerber. In der zweiten Runde wurde ein Angebot für den dreifachen Preis abgegeben. Jetzt wird es nach langer Planung nicht gebaut. Wie läuft es in anderen Städten? Wir stellen zwei Beispiele vor.

Die Stadt Dinslaken zum Beispiel entscheidet noch vor Weihnachten über den Bau eines Radhauses am Bahnhof. Der Verwaltungsvorlage zufolge soll auf dem Bahnhofsplatz ein vollautomatisches Fahrradparkhaus mit mindestens 100 Stellplätzen entstehen. Die Räder würden den Plänen nach automatisch im Parkhaus befördert und sollen in mehreren Ebenen untergebracht werden. Ein elektronisches Zugangssystem soll die Nutzung regeln. Voraussichtliche Gesamtkostenkosten für dieses Radhaus: 850.000 Euro.

Die Verwaltung in Dinslaken sieht die Notwendigkeit für ein Radhaus gegeben, da die vorhandenen Abstellmöglichkeiten am Bahnhof ausgelastet seien – 320 überdachte Abstellplätze mit Anlehnbügeln, 60 Felgenbügel sowie 10 Radboxen.

So wie es auch in Düsseldorf-Bilk zu sein scheint. Der Rat der Stadt Düsseldorf hat jetzt die Verwaltung mit der Planung für einen „Fahrradparkturm“ beauftragt. Geplant ist ein vollautomatisches Gebäude mit fünf Lagerebenen und insgesamt 120 Einstellboxen. Die vorläufigen Gesamtkosten werden auf 1,2 Millionen Euro geschätzt. Dieser Auftrag ist aber offenbar nicht der erste Anlauf. Im Jahr 2013 war an die Verwaltung schon einmal der Auftrag ergangen, ein Radhaus in Bilk zu entwerfen. 2016 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Jetzt vor Weihnachten also der nächste Versuch.

Jetzt ist Dinslaken mit 70.000 Einwohnern deutlich kleiner als Wuppertal. Und Düsseldorf mit seinen fast 640.000 Einwohnern nicht nur deutlich größer, sondern als Stadt auch deutlich reicher. Und Kosten von knapp einer Million Euro sind für eine Stadt wie Wuppertal kein Pappenstiel. Dazu kommen lange Planungs-, Genehmigungs- und Ausschreibungszeiten für ein Radhaus. Welche andere Möglichkeiten gäbe es, Radfahrern sichere Abstellmöglichkeiten zu verschaffen?

Überdachte Plätze und einige Fahrradboxen

Für Klaus Lang, den Vorsitzenden des ADFC Kreisverbands Wuppertal-Solingen, ist die Antwort klar. Er hatte den Standort am Döppersberg ohnehin für ungeeignet gehalten und befürwortet andere Lösungen. „Eigentlich brauchen wir an den Bahnhöfen entlang der gesamten Bahntrasse, also in Oberbarmen, Barmen, Elberfeld und Vohwinkel, Abstellmöglichkeiten“, sagt er.

Eine Möglichkeit sieht Lang dabei in „kleineren Radhäusern“. Eine andere, von ihm favorisiert, im Ausbau von vorhandenen Abstellmöglichkeiten. Ihm schweben große, überdachte Abstellanlagen vor. Und nennt den Bahnhof Vohwinkel als Beispiel.

„Wir brauchen dabei ein Gemisch aus abschließbaren Fahrradboxen und Abstellanlagen“, sagt er. Den Bedarf in Vohwinkel, Barmen und Oberbarmen sieht er bei 100 Abstellplätzen, am Döppersberg bei 150. Hinzu sollten seiner Meinung nach 10 bis 15 abschließbare Fahrradboxen kommen. Und er ist sich sicher, dass diese auch genutzt würden, sobald sie vorhanden sind.

MÜNSTER

EXPANSION Münsters Radstation am Hauptbahnhof wird im nächsten Jahr 20 Jahre alt. Sie bietet Platz für 3300 Fahrräder und ist damit die größte gewerblich betriebene Radstation in Deutschland. Zurzeit entsteht auf der Ostseite des Bahnhofs eine zweite mit 2000 Plätzen. Da auch diese Kapazitäten absehbar ausgeschöpft sein werden, plant die Stadt zurzeit sogar noch eine dritte Station in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Einen Bedarf für gesonderte E-Bike-Ladestationen sieht er dagegen nicht. „Die Menschen laden ihre E-Bikes zu Hause, das braucht es nicht unbedingt“, sagt er auch mit Blick auf die Lademöglichkeiten in anderen Städten, geplanten Radhäusern. „Die Leute suchen eher hochwertige, abschließbare Anlagen“, sagt er. Und diese seien – angesichts knapper Kassen in Wuppertal – auch deutlich günstiger zu haben als gleich der Bau eines zentralen Radhauses. Einziges Problem: „Die Flächen um die Bahnhöfe gehören der Bahn“, sagt Lang. Da müsste die Stadt mit der DB das Gespräch suchen. „Wichtig ist nur, dass wir jetzt schnell Lösungen finden, das darf jetzt nicht wieder zwei Jahre dauern.“

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