Stadt und Archäologen suchen nach Lösungen

Alte Burg bremst neue Innenstadt-Baustelle

An der Alten Freiheit wurde bereits bei einer anderen Baustelle ein historischer Fund gemacht.
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An der Alten Freiheit wurde bereits bei einer anderen Baustelle ein historischer Fund gemacht.

Wuppertal. Dort, wo heute die Fußgängerzone ist, stand früher die Burg Elberfeld. Das sorgt jetzt für Probleme.

Von Anne Palka

Die große, ohnehin über Jahre geplante Innenstadt-Baustelle wird länger dauern. Schon in der Vergangenheit wurden immer mal wieder Mauerreste gefunden, wenn der Boden aufgerissen wurde. Nun graben die Stadtwerke in mehreren Abschnitten einmal quer durch die Innenstadt, um die Fernwärmeleitungen zu erneuern und auszubauen.

Nach Redaktionsinformationen haben die WSW bereits vor Monaten bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt angefragt, welche Funde im Boden zu erwarten seien und wie somit zu verfahren sei, jedoch keine Antworten erhalten. Erst, als eine Personalstelle für dieses Themenfeld neu besetzt worden sei, sei eine Prüfung erfolgt – mit der Folge, dass die Baustelle jetzt ausgebremst wird.„Das ist am Montag Thema im Verwaltungsvorstand gewesen“, sagt Stadtsprecherin Ulrike Schmidt-Keßler. „Es soll kurzfristig ein Gespräch zwischen Stadt und WSW geführt werden.“ Das weitere Vorgehen werde abgestimmt.

„Diese Funde wurden erwartet.“

Johannes Englet, LVR

„Man weiß natürlich, dass dort auch früher Siedlungsgebiet war, das nicht kartiert wurde.“ Entsprechend sei mit Funden zu rechnen – von Resten der Burg Elberfeld, aber auch von anderen Häusern, die im Krieg zerstört wurden. „Deshalb kann man zunächst nicht wissen, wie die Wertigkeit eines Fundes ist.“ Experten müssen jeden Fund untersuchen und dokumentieren. Das nimmt Zeit in Anspruch.

Das bestätigt Johannes Englert, der beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland Maßnahmen überwacht. „Wir sind von Anfang an mit im Boot, Funde wurden erwartet.“ Wenn die Baustelle durch die Innenstadt wandert, würden voraussichtlich weitere folgen. „Zum einen von der Burg Elberfeld, Relikte aus dem Mittelalter. Außerdem gibt es sehr viel Vorkriegsbebauung mit Ursprüngen im 17. Jahrhundert. Als viel kaputt war, wurden die Straßen erweitert.“ Deshalb sind die alten Häuser unter den heutigen Wegen. Eine Auflage für die Baustelle seien Suchschachtungen gewesen, eine archäologische Fachfirma begleite die Arbeiten. „Alles, was zutage kommt, wird dokumentiert.“

Nun müsse eine Lösung gefunden werden, „um das Vorhaben zu realisieren und die Leitungen in den Boden zu bringen, möglichst schonend und konfliktfrei.“Es sei Ziel der Archäologie, die Mauerreste zu erhalten – nicht, sie der Öffentlichkeit dauerhaft zu zeigen, sagt Johannes Englert. „Das kann bei besonderen Sachen ein Nebeneffekt sein.“

Bei früheren Funden hier und anderswo habe sich eine Schau oft als „nicht praktikabel und finanzierbar erwiesen“, sagt Ulrike Schmidt-Keßler. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass die Fußgängerzone in Elberfeld auch Verkehrsraum ist. Die Baustelle betrifft Anwohner, Händler und Gastronomen. Aus Sicht der Historiker sei der Fund spannend, könne neue Erkenntnisse bringen – gerade weil in Wuppertal nicht mehr Vieles von einem solch historischen Alter erhalten ist.Die Burg Elberfeld war ursprünglich als befestigter Fronhof angelegt und verwandelte sich zur wehrhaften Anlage, die im 14. Jahrhundert zur Wasserburg ausgebaut wurde. Dort entstand später die Stadt Elberfeld. Bis zu den ersten Funden unter der Fußgängerzone kannte man die Burg nur von fiktiven Zeichnungen. „Sie ist leider nicht mehr im heutigen Stadtbild zu erkennen“, sagt Englert.

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