Ärger ums Klavier im Hauptbahnhof

+
Tran Nhat Khang Le ist wohl der bekannteste Nutzer des Klaviers.  Archivfoto: Andreas Fischer

Die Deutsche Bahn spricht von Beschwerden der Geschäftsleute und Kunden in Wuppertal.

Von Manuel Praest

Wuppertal. Muss das Klavier im Wuppertaler Hauptbahnhof unter Umständen weichen? Die Deutsche Bahn stellt das Instrument in der Mall jedenfalls auf den Prüfstand, wie ein Sprecher unserer Zeitung bestätigt. Hintergrund seien Beschwerden von Geschäftsleuten, aber auch von Kunden aus umliegenden Ladenlokalen in der Halle. Es gebe deshalb interne Überlegungen über eine Standortverlagerung. Auch solle geprüft werden, ob es technisch möglich ist, den Schall einzudämmen. Bevor es aber zu einer Entscheidung komme, müsse man das mit der Stadt, die für alle baurechtlichen Fragen in Bezug auf die Mall zuständig sei, absprechen.

Grundsätzlich sei das Klavier, das seit November bespielt wird, „ein Sympathieträger“, so der Sprecher. Es werde gut genutzt. Allerdings müsste die DB, die in der Mall das Hausrecht habe, auch im Sinne der Ladenbetreiber dort handeln. Nach und nach würden die Lokale bezogen, Mitte Mai eröffnet auch das Reisezentrum der Bahn — in direkter Nähe des Klaviers. „Dann müssen wir schauen, wie es läuft.“ Ein Thema seien die Arbeitsbedingungen der DB-Mitarbeiter. Denn es gebe einige kritische Stimmen, die von einer Lärmbelästigung sprechen.

Die Suche nach einem Standort hat lange gedauert

Die Diskussion um die Zukunft des Klaviers dürfte ein ziemliches Reizthema sein. Denn seit Ende des vergangenen Jahres hat das Instrument eine große Menge Fans gewonnen. Gerade in den Sozialen Medien werden immer wieder Mitschnitte von „Spontan-Konzerten“ und „Flashmobs“ gepostet.

Doch das ist auch Fakt: Nicht immer setzen sich Leute ans Klavier, die etwas davon verstehen, wie einige Ladenmitarbeiter beklagen. Von Geklimper und Krach ist die Rede. Gerade mittags, nach Schulschluss, würden sich vor allem Kinder finden, die „einfach nur auf die Tasten kloppen“, so ein Augen- und vor allem Ohrenzeuge. Wenn man beruflich nun mal den ganzen Tag im Bahnhof zubringe, sei das schon nervig, „auch wenn ich das Klavier grundsätzlich gut finde“.

Insgesamt sind die Meinungen geteilt. Tenor: Das Spiel könne schon sehr schön sein, „es hängt eben davon ab, wer da sitzt“. Überrascht über die Kritik ist Markus von Blomberg von der Initiative „(M)eine Stunde für Wuppertal“, die das Instrument aufgestellt hat. „Das ist mir neu.“ Er habe selbst mit Geschäftsleuten gesprochen, die bestätigt hätten, dass das Klavier „die Atmosphäre in der Mall positiv beeinflusst“. Das sehe die Polizei, die regelmäßig auf Streife dort unterwegs ist, ähnlich. Von der DB habe er noch nichts gehört. Man werde schauen müssen, welche Möglichkeiten es gibt, den Ton des Klaviers möglicherweise zu dämpfen. Zudem setzt er auf die Soziale Kontrolle, die schon jetzt ja greife. „Als wir das Klavier aufgestellt haben, haben mir alle prognostiziert, in zehn Tagen ist das kaputt.“

Einen neuen Standort innerhalb des Bahnhofs zu finden, dürfte indes schwierig werden. Die Suche habe lange gedauert, erinnert sich von Blomberg. Bei der Stadt will man sich offiziell nicht zum Thema äußern, weil die Bahn noch gar nicht auf die Verwaltung zugekommen sei. Allerdings habe man bislang ausgesprochen positive Rückmeldungen zum Klavier im Bahnhof erhalten, heißt es aus dem Rathaus. Eine Verlagerung, wenn sie denn überhaupt möglich sei, würde auch nur bedeuten, dass das Instrument von einem Laden weg näher zu einem anderen geschoben würde.

Ist denn auch der Abbau ein Thema? Dazu wollte die Deutsche Bahn nicht Stellung nehmen. Ausgeschlossen scheint es aber nicht. Denn auch wenn in vielen Bahnhöfen Europas die öffentlichen Klaviere Anklang finden — Wuppertal wäre nicht die erste Stadt, in der das Instrument wieder entfernt wird.

HINTERGRUND

INITIATIVE Markus von Blomberg von der Initiative „(M)eine Stunde für Wuppertal“ wurde in Chamonix darauf aufmerksam und brachte die Idee mit nach Wuppertal. Seit November 2018 steht das Klavier, das Piano Faust kostenlos zur Verfügung gestellt hat, in der Bahnhofsmall am Döppersberg.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Zurück im Oberbergischen: Wolf tappt in Fotofalle
Zurück im Oberbergischen: Wolf tappt in Fotofalle
40.000 Euro beinahe erbeutet: Polizei sucht Trickbetrüger
40.000 Euro beinahe erbeutet: Polizei sucht Trickbetrüger
Autofahrer durch herabfallenden Ast schwer verletzt
Autofahrer durch herabfallenden Ast schwer verletzt
Brand in Gebäude-Anbau: Polizei geht von Brandstiftung aus
Brand in Gebäude-Anbau: Polizei geht von Brandstiftung aus

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren