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Abseits des Jakobsweges bringt sie Touristen Galicien näher

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Weitgehend unentdeckt: Galicien – hier auf dem Camiño dos Faros nahe dem kleinen Küstenort Laxe in Nordspanien. 

Die Remscheiderin Eva Pick betreibt mit ihrer Partnerin Anette Schindler im Nordwesten Spaniens eine Agentur für Individualreisende.

Von Andreas Weber

Remscheid. Zweimal wöchentlich schaut die Fischhändlerin vorbei und liefert frische Meerestiere, täglich kommt ein Bäcker zu Eva Pick und Anette Schindler. Mit ihrem zweijährigen Sohn Milian leben sie in einem Weiler bei Noia, einem mittelalterlich geprägten Küstenstädtchen im Nordwesten Spaniens. Seit vier Wochen ist das bergische Paar - Eva Pick (45) stammt aus Remscheid, Anette Schindler (42) aus Wuppertal - an ihre gemietete Immobilie in Galicien gefesselt.

„Gott sei Dank haben wir einen Garten“, sagt Eva Pick. Denn im von Corona besonders gebeutelten Spanien herrscht strikte Ausgangssperre. Einzige Abwechselung: Einmal wöchentlich fahren sie zum Supermarkt. „Handschuhe sind dort Pflicht, Mundschutz trägt jeder Zweite.“ Der malerische, eher dünn besiedelte Landstrich beklagt landesweit die wenigsten Toten, dennoch wissen auch Pick und Schindler, dass die soziale Isolation länger anhalten kann.

Bringen Touristen die Schönheiten Galiciens näher: die Reiseagentinnen Eva Pick (rechts) und Anette Schindler. 

Zumindest auf einen Sommer ohne Touristen haben sie sich eingestellt. Von Besuchern lebt Knulps Reisen. Die Agentur, benannt nach der Hauptfigur einer Novelle von Hermann Hesse, organisiert als unabhängiger, deutscher Reiseveranstalter Touren in einer Region, die im vom Tourismus überlaufenen Spanien zu den großen Unbekannten zählt. Galicien, sagen die Agentur-Betreiberinnen, sei weit mehr als nur der Jakobsweg. Dreißig Kilometer westlich von Santiago de Compostela haben sie heute ihr Zuhause in der 14 500-Einwohner-Gemeinde Noia. Angefangen hatte bei beiden alles auf dem berühmten Pilgerweg. „Wir sind als Reiseleiterinnen tätig gewesen, mit dem Rad oder zu Fuß bei ein- bis vierwöchigen Touren“, erzählt Eva Pick.

Galicien ist abseits des Jakobsweges ein Geheimtipp geblieben

Magische Momente wie der gigantische Ausblick von dem Bergdorf O Cebreiro hinab in eine wunderschöne, grüne Landschaft prägten ihr Leben. „Wir haben uns in Galicien verliebt.“ Abseits des Jakobswegs ist das vielfältige Land stets ein Geheimtipp geblieben. „Wir haben tolle Ideen für individuelle Reisen entwickelt“, erinnert sich Eva Pick, die nach ihrem Abitur am GBG den Geist des Knulp lebte - als lebenslustiger Freigeist, der sesshaften Leuten ein wenig Heimweh nach Freiheit bringt. Bei großen Agenturen stießen sie mit ihren Vorschlägen auf taube Ohren. Zu ungewiss sei die Vermarktung, zu unbekannt Galicien. 2012 machten sich Eva Pick und Anette Schindler deshalb als erster und bislang einziger deutscher Spezialveranstalter in Galicien selbstständig. Anfangs ohne Homepage, nur mit Blog und drei ausgearbeiteten Touren.

Für Knulp gilt: „Wir sind jeden Meter abgelaufen, kennen jedes Hotel, jedes Restaurant und halten zu den Inhabern den Kontakt.“ Angefangen haben sie mit Gruppenreisen, später umgestellt auf individuellen Urlaub mit Wanderungen, dem Rad oder Mietwagen.

Das Zwei-Frau-Unternehmen bietet Wanderreisen in Galiciens Weinregionen, Erkundungen auf der 200 Kilometer langen Leuchtturmroute (Camiño dos Faros) entlang der wilden Costa da Morte oder Bergwandern an. Galicien sei aufgrund seiner Vielfältigkeit ein Traum, schwärmen die Reiseveranstalterinnen. Auch die 1650 km lange Küste zähle dazu. „Teilweise findet man im August sogar leere Strände vor einer Landschaft, die an Cornwall, Bretagne oder Schottland erinnert.“ Was die Gäste schätzen, seien „zuvorkommende Einheimische, moderate Preise und eine traumhafte Landschaft, in der man noch richtig seine Ruhe findet.“ Mittlerweile hat Knulp auch die West-Algarve in Portugal im Programm.

Der Corona-Stillstand bietet den Geschäftsfrauen die Chance, ihre Homepage zu aktualisieren, an neuen Routen zu feilen. Wer bei ihnen gebucht hatte für 2020, hat in der Regel nicht storniert, sondern die Reise verschoben. „Am schwierigsten für uns ist, dass die Neubuchungen ausbleiben.“ Als mit Sitz in Remscheid beheimateter Reiseveranstalter hat Knulp die deutsche Soforthilfe beantragt. Das trägt durch schwere Monate. Vor allem aber gilt: „Wir denken positiv.“

KNULPS REISEN

GALICIEN Der raue Nordwestzipfel gilt als der coolste Fleck Spaniens - im doppelten Sinne. „Wir bieten deshalb auch Schlechtwetter-Varianten für den Urlaub an.“ Knulps Reisen, bei der jeder Urlaubswunsch handgemacht zusammengestellt wird, lebt von Stammkunden und den Weiterempfehlungen. „Damit sind wir gut ausgelastet“, versichern Eva Pick und Anette Schindler.

www.knulpsreisen.de

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