Konzert

Absage von Startenor Joseph Calleja verschwiegen

In München trat Tenor Joseph Calleja sogar publikumswirksam in der Innenstadt auf – in Düsseldorf gar nicht.
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In München trat Tenor Joseph Calleja sogar publikumswirksam in der Innenstadt auf – in Düsseldorf gar nicht.

DÜSSELDORF Fans, die am Freitag Karten für die Tonhalle hatten, wussten nichts. Dabei stand seit Anfang Dezember fest: Der Star aus Malta kommt nicht.

Von Max Kirschner

Covent Garden in London, die Metropolitan in New York, München, Wien, Berlin. Joseph Calleja zählt seit geraumer Zeit zu den gefragtesten Opern-Tenören unserer Zeit. Am Freitagabend sollte der 37-jährige Star aus Malta – vom Stimm-Kaliber eines Jonas Kaufmann – in der Tonhalle auftreten. Viele Fans auch aus dem Ruhrgebiet, dem Bergischen Land und vom Niederrhein hatten bis zu 85 Euro für die Karte bezahlt, um ihn zu hören – im Rahmen des Konzerts „Viva la opera!“ zusammen mit der russischen Hibla Gerzmava und der Philharmonie Südwestfalen unter Arakady Beryn.

Doch es kam anders: Calleja kam nicht. Der Veranstalter – das Berin Art Management – machte kurzerhand einen Soloabend mit der Sopranistin daraus. „Für die hätte ich keine 70 Euro hingelegt“, sagte Sabine Hesse aus Wuppertal. Der Ärger bei ihr und anderen Zuschauern ist groß. Manche glauben, dass dies ein Nachspiel habe.

Was war geschehen? „Der Tenor kann aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten.“ Dieser Hinweis klebte an der Tonhallen-Kasse, etwa 20 Minuten vor Konzertbeginn. Nach Aussage des Calleja-Fans Christiane Höffgen aus Solingen, die etwa um 19.15 Uhr in der Kassenhalle auf Freunde wartete, hing das Schild noch nicht da. Sie beobachtete, dass zu dieser Zeit noch Karten verkauft wurden. Ahnungslos betrat sie den Mendelssohn-Saal und wunderte sich, dass er nicht mal zur Hälfte besetzt war. Von Calleja keine Spur.

Ihrem Ärger hatten bereits vor Beginn einige Besucher Luft gemacht, die das Informationsschild entdeckt hatten. Sie gaben die Karten zurück oder erhielten einen Gutschein. In der Pause standen Calleja-Fans zusammen, rätselten und schimpften. Darunter Edelgard Pape, die – nur wegen Calleja – elf Karten in den vorderen Reihen für Freunde gekauft und seit einer Woche mehrmals in der Tonhalle nachgefragt hatte. Immer wieder bestätigte man, dass Calleja auftreten werde.

Die Besucher wurden erst nach der Pause informiert

Erst nach der Pause wurde in einer Lautsprecher-Ansage im Mendelssohn-Saal erklärt, dass Calleja aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten könne, das Konzert aber ohne ihn (und ohne Ersatz-Tenor) weiterlaufe. Einen Teil der Einnahmen solle den Opfern des Pariser Terror-Anschlags zugute kommen. Kein Wort von der guten Tat im Programmheft. „Das wirkte wie eine Beschwichtigung des Publikums. Mit Benefiz wollte man uns dazu bringen, auf die Rückgabe des Eintrittsgeldes zu verzichten.“ Diesen Eindruck hatten Pape, wie auch die Anwältin Christiane Höffgen.

PERSÖNLICH

VITA

Joseph Calleja, geboren 1978 auf Malta, begann mit 16 Jahren zu singen. 2000 debütierte er in Toronto, 2009 sang der Tenor an der Metropolitan Opera in New York die Rolle des Hoffmann in Jacques Offenbachs Oper, nachdem Rolando Villazón wegen seiner Stimmkrise abgesagt hatte. Als Konzertsänger hat Calleja mehrere Deutschland-Tourneen sowie Auftritte mit der russischen Sopranistin Anna Netrebko unternommen.

Während des Konzerts dämmerte es manchen, dass etwas schief läuft. Sie twitterten und schrieben auf Callejas Facebook-Seite. Dieser antwortete prompt, zeigte sich schockiert, dass der Manager seinen Namen benutzt habe und kündigte eine Erklärung für die nächsten Tage an. Er ist bei bester Gesundheit und probte Freitag in seiner Heimat Malta, wo er am Sonntag ein Weihnachts-Konzert in einer Kirche gab.

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