Schneidewind reagiert

Antisemitismus-Vorwürfe: Aberkennung des Heimatpreises ist keine Option

In der Diskussion um den Heimatpreis ist eine Aberkennung für Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind keine Option.
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In der Diskussion um den Heimatpreis ist eine Aberkennung für Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind keine Option.

Wuppertal. Palästinensischer Freundschaftsverein aus Wuppertal streitet Antisemitismus-Vorwürfe ab.

Von Jonas Meister

Die Diskussion um die Vergabe des Wuppertaler Heimatpreises an den Palästinensischen Freundschaftsverein hält an. Nach der erneuten Kritik von Publizist Volker Beck reagiert jetzt Oberbürgermeister Uwe Schneidewind: „Eine Aberkennung ist für die Stadt keine Option.“ In einem Interview hatte der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen und jetzige Geschäftsführer des Berliner Tikvah Instituts am Mittwoch die Informationspolitik aus dem Barmer Rathaus bemängelt und den Entzug des Heimatpreises durch den Oberbürgermeister gefordert.

Der hält die Jury-Entscheidung dagegen weiterhin für richtig. Zudem habe man die Vergabe intensiv geprüft und dabei auch Rücksprache mit dem Innenministerium sowie dem Verfassungsschutz gehalten.

„Es gibt nichts, was wir gemeinsam zu besprechen hätten.“

Leonid Goldberg, Jüdische Kultusgemeinde

Trotzdem nehme man die Angelegenheit aufseiten der Stadt weiterhin sehr ernst: „Wir dürfen auf keinen Fall die Augen vor jeder Form des Antisemitismus verschließen.

Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch nicht die Tatsache ignorieren, dass der Verein in Wuppertal hervorragende Integrations- und Jugendarbeit geleistet hat und dies auch weiter tut.“

Bei den Gesprächen mit dem Verein habe die Stadt dazu auch noch einmal deutlich gemacht, dass der Preisträger sich deutlich von Organisationen wie der Palästinensischen Gemeinschaft in Deutschland (PGD) distanzieren müsse, die wegen ihrer Verbindungen zur radikalislamischen Hamas unter Beobachtung der Behörden steht.

Der Vorwurf von Volker Beck, dass die Stadt Informationen, etwa die Leitlinien, in denen sich der Palästinensische Freundschaftsverein zum Existenzrecht Israels bekennt, zurückhält, will Schneidewind so auch nicht stehen lassen: „Wir haben ihm diese Dokumente schon mit seiner ersten Informationsanfrage Anfang Dezember zur Verfügung gestellt.“ Auch alle anderen Unterlagen, die man im Rathaus zur Preisvergabe vorliegen hat, habe Beck erhalten.

Die Antisemitismus-Vorwürfe wies der Vorsitzende des Palästinensischen Freundschaftsvereins, Ismail Karsoua, nun erneut zurück: „Wir müssen uns von Herrn Beck keine Lektionen erteilen lassen.“ Er bedauerte auch, dass immer viel über den Verein und nicht mit ihm gesprochen wird: „Wir sind gegen jeden, der andere Religionen oder Menschen anderer Hautfarben angreift. Halten es aber auch für legitim, die Politik Israels zu kritisieren. Das bedeutet aber nicht, dass wir deshalb auch als Israel-Hasser dargestellt werden dürfen.“

Dazu distanzierte sich Karsoua von der PGD und unterstrich: „Unser Verein ist hier ausdrücklich kein Mitglied.“ Er erklärte auch, dass die Veranstaltung des Freundschaftsvereins am Wochenende, bei der unter anderem eine offenbar umstrittene jordanische Schauspielerin eingeladen war und die Beck ebenfalls kritisierte, mittlerweile auch abgesagt worden sei. Warum, ließ der Vereinsvorsitzende offen.

Dem Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, Leonid Goldberg, machte Ismail Karsoua zudem ein Gesprächsangebot: „In der Vergangenheit haben wir mehrfach versucht, mit der Kultusgemeinde Kontakt aufzunehmen, hier aber leider keine Rückmeldung bekommen. Deshalb strecken wir nun erneut unsere Hand aus und möchten Herrn Goldberg gerne zu einem Gespräch in kleiner Runde einladen.“

Ein Vorschlag, den Goldberg ablehnt: „Es gibt nichts, was wir gemeinsam zu besprechen hätten. Dieser Preis hätte nie an den Verein vergeben werden dürfen. Daher haben wir auch entschieden, keinen Vertreter von unserer Seite mehr in Jurys zu entsenden.“

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