Verkehrssicherheit

ADAC kritisiert Wuppertal wegen A 1-Blitzer scharf

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Ein solcher Blitzer wurde schon auf der A 46 eingesetzt. 

WUPPERTAL „Verdacht der Abzocke“: Ausgerechnet der Kämmerer habe die Anlage angekündigt.

Von Manuel Praest

Im Sommer 2020 wird die Stadt Wuppertal voraussichtlich eine neue Radarfalle auf der A 1 installieren. Dann wären es mit dem Blitzer-Ensemble im Kreuz-Nord, das dem EN-Kreis gehört, und dem Gerät, das in Kürze an den Westring auf der A 46 zurückkehrt, drei feste Anlagen rund um Wuppertal. Schon das sei für eine Stadt dieser Größe ein „außergewöhnlicher Fall“, sagt Roman Suthold vom ADAC.

Richtig sauer stößt dem Verkehrsexperten allerdings die Art und Weise auf, wie die Wuppertaler Verwaltung den Blitzer, der bald in der Schwelmebrücken-Baustelle auf der A1 stehen soll, angekündigt hat. Nämlich ausgerechnet im Vorfeld der Haushaltseinbringung für 2020/21 und mit konkreten Zahlen, was die Stadt sich an Einnahmen erhofft. „Monetäre Interessen dürfen nicht das Ziel sein“, sagt Suthold. Es sei ein merkwürdiges Zeichen, „dass der Kämmerer so etwas in einer Pressekonferenz präsentiert“. Das nähre den Verdacht der Abzocke.

Blitzer soll bis zu 1,5 Millionen Euro pro Jahr bringen

Der Blitzer sei eine „Auflage der Bezirksregierung“, hatte Wuppertals Kämmerer Johannes Slawig vor der Ratssitzung gegenüber Medienvertretern erklärt. Und Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke mit einem Augenzwinkern ergänzt, die Auflage sei eine „gute“. Kein Wunder, rechnet die Stadt doch mit einer Million (2020) bzw. 1,5 Millionen Euro (2021), die der Blitzer einbringen soll.

Wenn die Bezirksregierung einen Blitzer der Öffentlichkeit bekanntgebe oder der Verkehrsdezernent, „ist das in Ordnung, aber nicht der Kämmerer“, wiederholt Roman Suthold vom ADAC die Kritik. Dabei seien stationäre Anlagen eigentlich das letzte Mittel. „Vorher sollte grundsätzlich geprüft werden, ob andere Möglichkeiten für mehr Verkehrssicherheit sorgen können, wenn es sich um eine Gefahrenstelle handelt“, sagt der Verkehrsexperte. Von derartigen Bemühungen Wuppertals sei ihm nichts bekannt.

BLITZERANLAGEN

A 46 190 000 Euro hatte die Stadt Wuppertal in den Blitzer am Westring (A 46) investiert. Im Mai 2018 aufgestellt, wurden in den ersten vier Monaten 12 474 Autofahrer geblitzt.

A 1 An der A 1 wird die Stadt voraussichtlich eine Blitzer-Säule aufstellen. Der Auftrag muss noch vergeben werden.

KREUZ NORD Die Blitzeranlage im Kreuz Wuppertal Nord ist seit 2007 in Betrieb und für den EN-Kreis eine gute Einnahmequelle.

Eine Anfrage unserer Zeitung bei der Bezirksregierung in Düsseldorf zeigt zudem, dass die neue Anlage noch gar nicht abgesegnet ist. „Auflagen“ gebe es zudem nicht, sondern nur Empfehlungen. Es liege ein Antrag der Stadt Wuppertal „zur Unterstützung der Verkehrssicherheit durch den Betrieb einer Geschwindigkeitsüberwachungsanlage in der Baustelle zum Neubau der Schwelmebrücke im Zuge der A 1 vor“, heißt es aus Düsseldorf. Die Entscheidung zur Einrichtung einer solchen Anlage obliege der Unfallkommission — die aber noch gar nicht einberufen ist. „Dies erfolgt frühestens nach Einrichtung der Dauerbaustelle.“ Aktuell laufen im Bereich zu statistischen Zwecken Verkehrsmessungen- und -zählungen. Und: „Detaillierte Unfallzahlen sind nicht bekannt, es liegt jedoch keine Unfallhäufungsstelle im baustellenfreien Zustand vor.“ Zumal die Unfallzahlen auch gar keine Rolle spielen – es reicht das Vorhandensein einer Baustelle aus, um präventiv Starenkästen genehmigt zu bekommen.

Stadt: Gefährliche Situationen in Baustellenbereichen

Aus Sicht der Wuppertaler Verwaltung stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar: Die Stadt habe zwar den Antrag gestellt. „Vorher hat uns aber die Bezirksregierung angesprochen“, sagt Carsten Vorsich, Leiter des Ordnungsamts. Er verweist auf die oftmals gefährlichen Situationen durch Raser in Baustellenbereichen. Was Blitzer als mögliche Einnahmequelle der Stadt angeht, sei er der falsche Ansprechpartner. „Unser Auftrag ist es, für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen.“

Die im Mai 2018 aufgebaute Anlage an der A 46 zwischen Haan-Ost und Sonnborner Kreuz hatte nach Auskunft der Stadt in einem Jahr etwa eine Million Euro eingebracht. Weniger als ursprünglich erhofft. Oder anders ausgedrückt: Mehr Autofahrer als gedacht hielten sich ans Tempolimit.

Wie realistisch die bis zu 1,5 Millionen Euro jährlich für die neue Anlage an der A 1 sind, müsste sich also erstmal zeigen. ADAC-Sprecher Suthold warnt vor zu hohen Erwartungen. Auch andere Kommunen hätten sich schon verschätzt.

Dass es durchaus sinnvolle Standorte gibt, verhehlt auch der ADAC-Vertreter nicht, und nennt als Beispiel die A 1 zwischen Burscheid und Leverkusen. Blitzer hätten aber den Nachteil, dass der pädagogische Mehrwert – im Gegensatz zu direkten Polizeikontrollen – geringer ist.

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