Brutaler Überfall

84-Jähriger will seine Peiniger sehen

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Seit Montag müssen sich die Angeklagten – hier mit ihren Verteidigern – vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. 

WUPPERTAL Vor dem Landgericht müssen sich vier Angeklagte für einen brutalen Überfall in Haan verantworten.

Von Dirk Lotze

Laut Anklage drangen sie in das Haus ihres Opfers ein, quälten und demütigten den 84 Jahre alten Bewohner über Stunden, raubten Geld und Uhren und brannten zum Schluss zusätzlich die Einrichtung ab.

Vor dem Landgericht in Wuppertal müssen sich seit Montag vier Angeklagte (drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 35 und 45 Jahren) wegen eines mutmaßlich brutalen Überfalls auf einen Haaner in dessen eigenen Räumen verantworten. Hintergrund sind womöglich Serientaten eines früher dort tätig gewesenen städtischen Mitarbeiters, der in Hagen vor Gericht steht.

HINTERGRUND

MITTÄTER Wer zu einer Straftat wesentliche Beiträge leistet und ein eigenes Interesse am Ausgang hat, ist Täter.

STRAFE Bei schwerem Raub beträgt die Mindeststrafe fünf Jahre Gefängnis.

GEHILFEN Ist jemand nur Gehilfe für die Straftat eines Anderen, so ist die Strafe milder. Im aktuellen Fall kann das durchaus auch auf Angeklagte zutreffen, die nicht nachweislich im Haus des Opfers waren.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Wuppertal ist einer der schwersten seit Jahren. Ihm zufolge verschafften sich mehrere Täter am 31. Juli 2017 Zugang zum Haus des Opfers. Sie hätten 84-Jährigen zunächst Uhren und Geld abgenommen und dann mehr verlangt. Sie hätten den Mann auf einen Stuhl gefesselt, einen Beutel über den Kopf gezogen, gedroht, ihm Finger anzuschneiden. Und sie hätten sich mit der Antwort nicht abgegeben, es sei kein weiteres Geld im Haus. Schließlich sollen Angreifer den 84-Jährigen auf die Terrasse gezerrt, Benzin verspritzt und alles angezündet haben. Der 84-Jährige überstand die Misshandlungen verletzt. Sein Haus brannte aus.

Die Anklage lässt offen, wer im Haus gewesen und damit schwerer belastet sein soll. Das Gericht wird versuchen, das aufzuklären.

Die Besonderheit im Prozess: Der 84-Jährige beteiligt sich als Nebenkläger. Ohne sichtbare Scheu trat er in den Saal und schaute zur Anklagebank. Er sei obdachlos, sagte der Mann in Kameras der Fernsehteams. Alles sei verbrannt. Er habe nach der Tat ohne etwas anzuziehen da gestanden, ohne Papiere, ohne Identität: „Man macht sich keine Vorstellung.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung fügte der 84-Jährige hinzu: „Ich wollte den Angeklagten gegenüber treten. Ich wollte wissen, wie die aussehen.“ Seinen Eindruck werde er nicht kommentieren.

Tiefbauamtsmitarbeiter soll der Drahtzieher sein

Drei der Angeklagten sprachen. Währenddessen verließ der Geschädigte den Saal, damit seine Aussage später nicht an Gewicht verliert. Ein 40-Jähriger sagte, er wisse nicht, was als Drohmittel abgesprochen gewesen sei. Der Staatsanwalt fasste nach: „Sie hatten ja einige Dinge dabei: Kabelbinder, Benzin...“ Er habe sich das nicht gemerkt, wiederholte der 40-Jährige.

Fahnder sollen durch ein Auto auf die Spur der Angeklagten gekommen sein: Nachbarn hätten einen Smart bemerkt, der über Stunden mit einem Mann darin in der Sonne gestanden habe. Durch weitere Informationen sei schließlich der mutmaßliche Drahtzieher ins Visier geraten: Der Mann soll während der Arbeit für das Tiefbauamt Häuser ausgekundschaftet haben, damit Andere dort einbrechen und stehlen konnten. In seinem Hagener Prozess geht es hauptsächlich um Geldtransporter-Überfälle Anfang der 2000er-Jahre - bei mutmaßlicher Millionenbeute. Das Gericht verhandelt am 5. September weiter.

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