Abenteuer

70-Jähriger plant seinen Umzug nach Uganda

Jürgen Wallmichrath kann es kaum erwarten, Berggorillas in freier Natur zu sehen. Foto: Anna Schwartz
+
Jürgen Wallmichrath kann es kaum erwarten, Berggorillas in freier Natur zu sehen.

Der Wuppertaler Jürgen Wallmichrath freut sich auf sein großes Abenteuer – doch Corona verzögert seine Ausreise.

Von Martin Lindner

Wuppertal. Für ein Abenteuer ist man nie zu alt. Das denkt sich der gebürtige Wuppertaler Jürgen Wallmichrath, der im Alter von 70 Jahren seine Zelte im Bergischen abbrechen und ins ostafrikanische Uganda, in die Nähe der Hauptstadt Kampala, ziehen will: Die Entfernung zwischen den beiden Städten beträgt über 6000 Kilometer Luftlinie.

„Ich freue mich vor allem auf die Berggorillas“, erzählt der Rentner mit glänzenden Augen. Die Tiere haben es ihm besonders angetan, seit er sie das erste Mal vor drei Jahren in einer Tierdokumentation im Fernsehen gesehen hat. Genetisch sind sie den Menschen näher als Schimpansen, weiß Jürgen Wallmichrath zu berichten. Auch schätzt er die hohe Moral der Tiere. Unter anderem im Mgahinga-Gorilla-Nationalpark in Uganda leben sie auf einer Fläche von rund 35 Quadratkilometern. „Wenn ich das erste Mal einen Berggorilla in der Natur sehe, wird dieser Moment von Ehrfurcht geprägt sein“, denkt er sich.

Unterkommen will der kinderlose Mann im Umfeld von Kampala zunächst bei einer Bekannten, einer Uganderin, Mutter zweier Jungs, die er im Internet kennengelernt hat. Dann möchte er sich ein eigenes kleines Häuschen suchen, das es in Uganda schon für rund 50 000 Euro zu kaufen gibt, wie er sich informiert hat: ein Schnäppchen im Vergleich zu Wuppertal. Seine beiden Renten erlauben es ihm, seinen Traum vom Leben in Afrika zu verwirklichen.

Reisestart musste wegen Corona verschoben werden

Eigentlich hätte die Reise des Jürgen Wallmichrath schon in zwei Wochen, am 2. Februar, losgehen sollen. Die Koffer waren mental gepackt, der Mietvertrag gekündigt. Monatelang hat er sich auf sein neues Leben in Uganda vorbereitet. Doch am Montag rief ihn die ugandische Botschaft aus Berlin an, um ihm mitzuteilen, dass Einreisende nach einer neuen Anweisung der Regierung in Uganda nun eine Corona-Impfbescheinigung vorlegen müssten. Wann er eine Impfung bekommt, weiß der Wuppertaler jedoch nicht.

Alle sonstigen notwendigen Dokumente, auch Nachweise für Impfungen gegen Gelbfieber und Tollwut, habe er bei der Botschaft eingereicht. Sobald er die Impfung gegen das Coronavirus vorlegen kann, erhält er laut Aussage der Mitarbeiterin „so schnell wie möglich“ die Erlaubnis zur Einreise. Raus aus seiner Wohnung muss Jürgen Wallmichrath nicht, er konnte auf die Kulanz seines Vermieters bauen.

Ugander sind dem künftigen Auswanderer näher als Europäer

„Mich hält in Wuppertal nichts mehr“, sagt er. Uganda habe ihn, obwohl er noch nie einen Fuß in das Land gesetzt hat, „verzaubert“. In dem ostafrikanischen Binnenland, dass zwischen Kenia, der Demokratischen Republik Kongo, dem Südsudan und Ruanda liegt, spricht jede Volksgruppe einen eigenen Dialekt, hat er sich informiert. Ansonsten sei Englisch die Umgangssprache. Die beherrscht der langjährige Bankkaufmann, der zuletzt noch als Informatiker bei einem großen Konzern gearbeitet hat, nahezu fließend. Wenn es jedoch etwas gibt, das er aus seiner Heimat vermissen wird, ist es die deutsche Sprache. „Mich nicht mehr auf Deutsch verständigen zu können, wird mir schwerfallen“, gibt er zu. Was ihm nicht fehlen wird, ist die, wie er sagt, Profitgier hierzulande und dass sich immer alles ums Geld drehen muss.

Uganda sei da anders, denkt er sich. „Mir gefällt an den Menschen in Uganda, dass sie eine andere Mentalität haben, sie sind immer hilfsbereit und freundlich“, berichtet er. „Die Art und Weise ist mir näher als bei den Menschen in Europa.“ Auch sei die Kriminalität nach dem, was er erfahren hat, aufgrund der strengen Rechtsprechung marginal.

Um die medizinische Versorgung macht er sich keine Sorgen. Mit 70 fühle er sich fit, er müsse auch nur eine Tablette am Tag nehmen. „Es geht mir gesundheitlich gut“, sagt er.

Jürgen Wallmichrath bezeichnet sich selber als friedfertigen Menschen, der gerne andere kennenlernt. „Ich denke, dass ich gut von der Gemeinschaft angenommen werde“, ist er überzeugt.

Mitnehmen auf die Reise in sein neues Leben will der 70-jährige Wuppertaler nur, was in seinen Koffer passt. Die Möbel, den Fernseher und seine Bücher lässt er hinter sich. Nur Elektrogeräte, die er als Amateurfunker benötigt, will er einpacken. Ob sein Computer noch reinpasst, weiß er nicht. Fliegen will er von Düsseldorf nach Amsterdam, und von dort aus direkt nach Entebbe, das in der Nähe der ugandischen Hauptstadt Kampala liegt.

„Ich möchte etwas Neues erleben“, sagt der 70-jährige Jürgen Wallmichrath ohne Sorge und Furcht. Nächsten Monat wird er ein Jahr älter. „Ich lasse alles auf mich zukommen. Es wird schon gut gehen“, sagt er und lächelt voller Vorfreude über beide Wangen.

Uganda

Uganda ist ein ostafrikanisches Binnenland am Lake Victoria. Rund 43 Millionen Menschen leben dort. Das Auswärtige Amt warnt für Uganda vor gewalttätigen Auseinandersetzungen und terroristischen Gruppen. Die Kriminalitätsrate sei erhöht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Wuppertaler Zooverein unterstützt Direktor
Wuppertaler Zooverein unterstützt Direktor
Wuppertaler Zooverein unterstützt Direktor
Kaiserwagen schwebt erst im September 2021
Kaiserwagen schwebt erst im September 2021
Kaiserwagen schwebt erst im September 2021

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare