Bergische Uni

5050 Wuppertaler Studenten brauchen Hilfe

Im Wintersemester könnte es wieder Vorlesungen in den Hörsälen geben – vermutlich noch mit Einschränkungen. Symbolfoto: Martin Schutt/dpa
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Im Wintersemester könnte es wieder Vorlesungen in den Hörsälen geben – vermutlich noch mit Einschränkungen. Symbolfoto: Martin Schutt/dpa

Im dritten Corona-Semester verschärfen sich die wirtschaftlichen Probleme

Von Andreas Boller

Wuppertal. In 5050 Fällen, die positiv entschieden wurden, hat das Hochschulsozialwerk Wuppertal seit Ausbruch der Corona-Pandemie 2,27 Millionen Euro an Überbrückungshilfen gezahlt. Die Studenten gehen ins dritte Corona-Semester, von studentischem Alltag kann weiterhin keine Rede sein, denn ein regulärer Vorlesungsbetrieb wird frühestens im Wintersemester wieder möglich sein.

Besonders viele unter den 23 000 Studenten an der Bergischen Universität trifft die Pandemie wirtschaftlich hart. Laut einer früheren Sozialstudie finanzieren weit mehr als 70 Prozent ihr Studium zumindest teilweise über Nebenjobs. Das ist im Vergleich zu anderen Hochschulstandorten bundesweit der Spitzenwert. Umso schmerzhafter sind Schließungen, die seit Wochen und Monaten zum Beispiel die Gastronomie betreffen. Das Kellnern zwischendurch und am Abend fällt weg.

„Erste Schuldenberge türmen sich auf und bereits jetzt sind physische und psychische gesundheitliche Folgen nachgewiesen.“

Dietmar Bell, SPD-Abgeordneter

Hilfe durch das Jobcenter dürfen die Studenten nur in Ausnahmen erwarten. Leben sie im Haushalt der Eltern und gibt es nicht genug BAföG-Mittel (BAföG heißt Bundesausbildungsförderungsgesetz), so können SGB-II-Leistungen bewilligt werden. „In den vergangenen Monaten haben wir besonders viele Zugänge aus der Gastronomie zu verzeichnen, aber SGB II und Studium schließen sich bis auf Ausnahmen aus, da Studierende dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen“, sagt Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenters.

Fritz Berger vom Hochschul-Sozialwerk.

Das Jobcenter verweist bei Anfragen auf das Hochschulsozialwerk und einen Nothilfefonds, über den 100 Millionen Euro aus nicht abgerufenen BAföG-Mitteln bundesweit zur Verfügung gestellt werden. Seit dem 8. Mai sind für die Studenten zudem bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Zugangsvoraussetzungen vereinfacht und die Kriterien für ein zinsloses Darlehen verbessert worden.

Hoffnung auf studentischen Alltag ab dem Wintersemester

Fritz Berger, Geschäftsführer des Hochschulsozialwerks in Wuppertal hofft, dass zum Wintersemester 2021 die Normalität auf den Campus zurückkehren wird. Aktuell sei für viele Studenten „Homeoffice bei den Eltern“ angesagt. „Die 1215 Studentenwohnungen in Wuppertal sind bis auf wenige vermietet, aber die Hälfte unserer Mieter ist nicht anwesend. In der Mensa auf dem Campus Grifflenberg ist eine von zehn Verpflegungseinrichtungen geöffnet, über die wir pro Tag rund 160 Essen zum Mitnehmen ausgeben“, berichtet Fritz Berger. Die Zeit der geringen Nachfrage sei genutzt worden, um die Mensa komplett zu renovieren.

„Das Dilemma ist, dass einige Studierende, für die nun das dritte Semester begonnen hat, ihre Kommilitonen nie live erlebt haben. Ich habe heute noch einen Freund, den ich an den ersten Tagen des ersten Semesters kennengelernt habe. Mensa und Cafeteria sind ganz wichtige Orte einer Universität, und dort kann auch gemeinsam gearbeitet werden. Zurzeit ist die Uni so gut wie menschenleer“, sagt Fritz Berger.

Bundesweite Befragungen lassen darauf schließen, dass sich knapp ein Drittel der Studenten durch zusätzliches Geld der Eltern wirtschaftlich über Wasser hält. Etwa ein Fünftel der Betroffenen hat den Nebenjob gewechselt, hilft zum Beispiel in Impfzentren und Schnelltestzentren mit, was den positiven Nebeneffekt einer Impfung mit sich bringt. Insgesamt werden in Wuppertal pro Jahr 18 bis 19 Millionen Euro an BAföG-Mitteln ausgezahlt. Die Zahl der BAföG-Anträge wächst.

Die SPD-Fraktion im Landtag beantragte in dieser Woche die Verbesserung der technischen Infrastruktur an den Hochschulen, ein Rückholprogramm für Studienabbrecher, eine Kompensation für den Mobilitätsbeitrag und die Übernahme der KfW-Kredite. Dietmar Bell (SPD): „Erste Schuldenberge türmen sich auf und bereits jetzt sind physische und psychische gesundheitliche Folgen nachgewiesen. Am wichtigsten ist es, die finanziellen Nöte der Studierenden aufzufangen und abzumildern.“

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