Folgen der Corona-Pandemie

Reise-Chaos im Sommer 2022: Ihr Flug wurde gestrichen? Wann Sie Geld zurückbekommen

Personalengpässe an Flughafen sorgen aktuell für massenhaft gestrichene Flüge – und das zur Hauptreisezeit im Sommer. Was Sie bei einem gecancelten Flug tun können.

Die Reiselust ist nach beinahe zwei Jahren Pandemie und zahlreichen gelockerten Maßnahmen in Urlaubsländern wieder groß. Doch die hohe Nachfrage, die beinahe an das Vor-Corona-Niveau heranreicht, trifft auf eine Luftfahrbranche, die zuletzt massenhaft Personal verloren hat. Vor allem in den Flughäfen an den Sicherheitskontrollen, doch auch bei den Airlines selbst mangelt es an Mitarbeitern, die die zahlreichen Passagiere abfertigen können. Das Ergebnis: Lange Warteschlangen in den Flughafenhallen, gestrandete Passagiere und eine Vielzahl an Flügen, die nun abgesagt werden. Allein die Lufthansa hat für den Reisemonat Juli 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas gestrichen, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtete. Aber was können Urlauber tun, deren Flug kurzerhand gecancelt wird?

Während der Pfingstferien kam es an verschiedenen Flughäfen in Deutschland zu langen Wartezeiten.

Flug gestrichen: Welches Recht haben betroffene Passagiere?

Innerhalb der EU regelt die Fluggastrechteverordnung, wie bei gecancelten Flügen vorzugehen ist. Bei einer Annullierung haben Fluggäste zunächst Anspruch auf Unterstützungsleistungen. So kann der Passagier eine Ersatzbeförderung zum nächstmöglichen oder einem späteren Zeitpunkt fordern. Eine Umbuchung auf denselben Tag ist aber nicht immer möglich – wer also mit dem Ersatzflug nicht zufrieden ist, kann auch den Reisepreis zurückverlangen. „Man sollte der Fluggesellschaft wenigstens einmal die Gelegenheit geben, selbst eine Ersatzbeförderung zu organisieren, bzw. danach einmal die Gelegenheit geben, die zusätzlichen Kosten zu erstatten“, so Reiserechtsexperte Roosbeh Karimi gegenüber dem ZDF Morgenmagazin.

Wenn Flugpassagiere ihren Flug selbst umbuchen müssen, weil die Airline ihrer Pflicht nicht rechtzeitig nachkommt, können sie für die Mehrkosten Schadensersatz fordern, erklärt Sabine Cofalla, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) der Berliner Morgenpost. „Reisende, die eine Ersatzbeförderung eigenständig buchen, müssen dabei so sparsam wie möglich vorgehen, um am Ende nicht auf Mehrkosten sitzen zu bleiben. Sie haben eine Schadensminderungspflicht.“

Airline cancelt Ihren Flug: Wann Ihnen Ausgleichsleistungen zustehen

Neben einer Erstattung des Ticketpreises steht betroffenen Flugpassagieren unter Umständen auch ein pauschaler Schadensersatz zu. Die sogenannte Ausgleichsleistung wird fällig, wenn die Benachrichtigung über die Annullierung des Flugs weniger als 7 Tagen vor dem Abflug erfolgt und der angebotene Ersatzflug mehr als eine Stunde vor oder mehr als zwei Stunden nach der planmäßigen Ankunftszeit am Zielort ankommen kann. Wenn Sie zwischen 7 und 14 Tagen vor dem Abflug informiert werden und der Ersatzflug mehr als zwei Stunden vor oder mehr als vier Stunden nach der planmäßigen Ankunftszeit am Zielort ankommt, haben Sie ebenfalls Anspruch auf Ausgleichsleistungen. Wie hoch diese ausfallen, hängt von der Länge der Flugstrecke ab und ist folgendermaßen gestaffelt:

  • Flüge bis zu 1.500 Kilometer: 250 Euro pro Person
  • Flüge zwischen 1.500 und 3.500 Kilometer: 400 Euro pro Person
  • Flüge über 3.500 Kilometer: 600 Euro pro Person

Der Anspruch auf eine Ausgleichsleistung entfällt, wenn der Flug aufgrund „außergewöhnlicher Umstände“, wie zum Beispiel hinderliche Wetterbedingungen, Sicherheitsrisiken oder politische Instabilität, gestrichen wird. Ein Personalmangel zählt aber nicht als außergewöhnlicher Umstand, wie Claudia Brosche, Fluggastrechtexpertin von Flightright, dem Reisereporter berichtet. Sollten Sie am Flughafen zudem mit längeren Wartezeiten konfrontiert werden, besteht laut EU-Fluggastrechteverordnung ein Anspruch auf Verpflegung.

Wenn der Flug mehr als 14 Tage vor Abflug gestrichen wird, erhalten Passagiere Ihr Geld zurück. Ein Anspruch auf einen Ersatzflug und andere Ausgleichsleistungen besteht aber nicht.

Selbstbeteiligung oder mehr zahlen aufgrund des Alters: Fehler bei der Reiserücktrittsversicherung

Ein Kreuz auf einem Friedhof
Wann greift die Reiserücktrittsversicherung? Bei Tod oder unerwarteter, schwerer Erkrankung der versicherten Person oder einer Risikoperson (z.B. Angehörige oder Mitreisende). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Die Reiserücktrittsversicherung greift in der Regel auch, wenn eine unerwartete Impfunverträglichkeit auftritt. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Bei einer Schwangerschaft der versicherten Person oder einer Risikoperson. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Erheblicher Schaden am Eigentum durch Feuer, ein Elementarereignis oder die Straftat eines Dritten (z.B. Einbruch). © dpa
Arbeitsmarkt
Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer unerwarteten betriebsbedingten Kündigung durch den Arbeitgeber. © picture alliance / dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Konjunkturbedingte Kurzarbeit über einen bestimmten Zeitraum mit Reduzierung des Bruttoeinkommens (mindestens 35 Prozent). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses, falls die Person bei Reisebuchung arbeitslos war und das Arbeitsamt der Reise zugestimmt hatte. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Arbeitsplatzwechsel, vorausgesetzt die Reise wurde vor Kenntnis des Wechsels gebucht und die Probezeit fällt in den Reisezeitraum. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Wiederholung von nicht bestandenen Prüfungen an einer Schule oder Universität können valide Gründe für einen Reiserücktritt sein. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Nichtversetzung eines Schülers (z.T. mit der Einschränkung: falls es sich um eine Schul- oder Klassenfahrt handelt). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Bei einem Bruch von Prothesen oder einer unerwarteten Lockerung von Implantaten können Sie von der Reiserücktrittsversicherung Gebrauch machen. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Bei einer Trennung (Nachweis der Ummelde-Bescheinigung) oder Einreichung der Scheidungsklage können Sie von einer Reise zurücktreten. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Unerwartete gerichtliche Ladung, sofern das Gericht einer Verschiebung des Termins nicht zustimmt. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Unerwartete schwere Erkrankung, schwerer Unfall oder Impfunverträglichkeit eines zur Reise angemeldeten Hundes. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Einladung als Trauzeuge zu einer Hochzeit, wenn der Termin in der Zeit des lange vorausgeplanten Urlaubs liegt. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Wenn die Urlaubsvertretung eines Selbständigen ausfällt, zum Beispiel wegen Krankheit, dürfen Sie von der Reise zurücktreten. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Überraschende Qualifikation einer Sportmannschaft für das Bundesfinale, bei der die Teilnahme der Person (des Kindes) unverzichtbar ist. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Auch das gilt: Eine unerwartete Verlegung eines Fußballderbys auf den Urlaubsbeginn des Dauerkartenbesitzers. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Notwendiger Beistand einer schwer erkrankten Freundin bei einer unvorhersehbaren Verschlechterung der Krankheit. Hier ist eine Nennung von Zeugen notwendig, die das innige Freundschaftsverhältnis bestätigen. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Auch ein unerwarteter Termin zur Spende von Organen oder Geweben (z.B. Knochenmark) sorgt dafür, dass die Reiserücktrittsversicherung greift. © dpa

Pauschalreise gebucht: Wer kümmert sich um neue Flüge?

Ihr gestrichener Flug ist Teil einer Pauschalreise? Dann muss der Reiseveranstalter sich um eine Alternative kümmern, wie Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg laut Berliner Morgenpost erklärt. „Dabei darf sich der Reisepreis durch die neue Flugverbindung nicht erhöhen, auch wenn der Veranstalter aufgrund der Streichung kurzfristig teurere Flüge einkaufen muss.“ Sollten die neuen Flüge allerdings zu einer Beeinträchtigung der Reise führen, haben Betroffene womöglich das Recht, Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen. Ein Rücktritt vom Reisevertrag ist laut Rehberg aber nur bei einer „unzumutbaren Leistungsänderung“ möglich. (fk)

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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