Kritik am Konjunkturpaket 2020

Mehrwertsteuer-Senkung wegen Corona: Warum Kunden trotzdem keine Schnäppchen im Supermarkt machen können

Von wegen günstigere Preise. Die Senkung der Mehrwertsteuer wirkt sich nur auf bestimmte Produkte positiv aus. Verbraucher haben kaum einen Vorteil.

  • Ab Juli wird die Mehrwertsteuer in Deutschland für ein halbes Jahr gesenkt.
  • Grund dafür ist die drohende Rezession - bedingt durch die Corona-Krise.
  • Einkaufen im Supermarkt wird aber trotzdem nicht unbedingt günstiger.

Dortmund - Wegen der anhaltenden Corona-Krise* droht der Wirtschaft in Deutschland eine tiefe Rezession. Um dem zu entgehen und die Gelder wieder fließen zu lassen, einigte sich die Bundesregierung auf ein umfassendes Konjunkturpaket mit Senkung der Mehrwertsteuer. Bis Ende des Jahres sollen Lebensmittel und Konsumgüter im Preis fallen. Die Supermärkte feilen deshalb ihre ganz eigenen Strategien, berichtet RUHR24.de*.

Mehrwertsteuer-Senkung: Neue Preise ab Juli - so handeln die Geschäfte

Ab dem 1. Juli 2020 ist es so weit: Die Mehrwertsteuer soll zugunsten der Verbraucher von 19 auf 16 (für reguläre Produkte) und von 7 auf 5 Prozent (für Güter des Grundbedarfs) fallen. Gelten sollen die neuen Steuersätze bis zum 31. Dezember 2020. Die Idee dahinter ist nicht neu. Große Elektromärkte werben oft zu Beginn eines neuen Jahres mit einer ähnlichen Maßnahme - "Mehrwertsteuer geschenkt!", heißt es dann. Als Konsequenz strömen hunderte Kunden in die Filialen und kurbeln ordentlich den Verkauf an.

Das Gleiche soll im Bestfall durch die Strategie der Bundesregierung passieren. Rund 20 Milliarden Euro Steuern würden dadurch weniger in den Bundeshaushalt gespült werden. Doch das sei zu verkraften, wenn dadurch die Wirtschaft am Laufen gehalten würde, heißt es von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). Er gab die Senkung der Mehrwertsteuer zuvor an den Einzelhandel weiter - sie zwingen, diese auch wirklich umzusetzen, kann er aber nicht.

Mehrwertsteuer-Senkung: Diese Supermärkte und Discounter lockern die Preise

Doch die ersten großen Einzelhändler haben bereits angekündigt, die Senkung der Mehrwertsteuer tatsächlich umzusetzen. So versprechen Lidl und Kaufland ihre Preise ab Juli für den Verbraucher zu senken. „Wir werden alle Produkte des täglichen Bedarfs mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 15 anstatt 19 Prozent und dem ermäßigten Satz von 5 anstatt 7 Prozent anbieten“, teilten Manager beider Unternehmen der Wirtschaftswoche mit. Zuvor hatten Rewe und Aldi entsprechende Aktionen angekündigt.

Auch Edeka will den Steuervorteil umsetzen. „Für uns ist es selbstverständlich, die steuerlichen Vorteile in Form von günstigeren Preisen an unsere Kunden weiterzugeben“, teilte Edeka-Chef Markus Mosa der Wirtschaftswoche mit. Auch der Discounter Netto, der zum gleichen Konzern gehört, schließe sich den Plänen an.

So ein Einkauf könnte im Supermarkt durch den Steuervorteil günstiger werden. Rewe, Aldi, Lidl, Edeka und Netto machen bis jetzt mit.

Mehrwertsteuer-Senkung: Wie sieht es im Non-Food-Bereich aus?

Wie es derweil im sogenannten "Non-Food-Bereich" aussieht, bleibt abzuwarten. Noch haben entsprechende Unternehmen wie etwa Möbelhändler oder Textilkonzerne nicht angekündigt, die Mehrwertsteuer-Pläne der Bundesregierung umzusetzen.

Grund dafür könnte sein, dass der Handelssektor im Non-Food-Bereich deutlich stärker von der Corona-Krise betroffen war als der Lebensmittelhandel. Während Supermärkte trotz der Ausgangsbeschränkungen weiter offen bleiben durften, mussten alle anderen Geschäfte für mehrere Wochen schließen. Die Umsätze brachen ein, während die Fixkosten weiter liefen. Konzerne wie Adidas oder H&M wollten deswegen sogar keine Miete* mehr zahlen.

Mehrwertsteuer-Senkung: Deswegen können Kunden keine Schnäppchen machen

Ob sich große Textil-Ketten, Möbelhäuser oder andere Non-Food-Geschäfte also den Supermärkten anschließen und ebenfalls ihre Mehrwertsteuer senken, bleibt fraglich. Dabei könnten Verbraucher hier die größten Schnäppchen machen.

Während die Einsparungen in den Supermärkten oft bei nur kleinen Cent-Beträgen liegen, könnte dies bei höherpreisigen Produkten schon ganz anders aussehen. So würde der Verbraucher beim Kauf eines Fernsehers für 1000 Euro rund 25 Euro einsparen. Beim Kauf einer Flasche Saft läge der Gewinn bei lediglich zwei Cent. Selbst ein Großeinkauf würde kaum einen Unterschied machen.

Senkung der Mehrwertsteuer für Verlierer der Corona-Krise kein Gewinn

Und genau hier setzt die Kritik an dem Steuer-Vorhaben der Bundesregierung an. Wie es aktuell aussieht, würden von der Senkung der Mehrwertsteuer vor allem Gutbetuchte profitieren*. Denn wirklich sparen kann man nur bei Luxusgütern wie teuren Autos oder Elektrogeräten. 

Für Kurzarbeiter oder Selbstständige, die durch die Corona-Krise ohnehin weniger Geld zur Verfügung haben, dürften die Pläne der Bundesregierung wohl kaum einen Vorteil bringen. Viel mehr stellt die Senkung der Mehrwertsteuer einen Gewinn für Unternehmen sowie Wohlhabende dar.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa/Oliver Berg

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