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Die vier "Breaders" aus Bologna: Karriere auf traditionelle Art

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Uni-Absolventen und Berufseinsteiger haben es in Italien schwer. Eine Gruppe junger Leute in Bologna hat aus der Not eine Tugend gemacht - und die Krise zur Verwirklichung ihres Traums genutzt.

Bologna - In einem kleinen Foodshop in Bologna duftet es in der Küche nach frischem Brot, Schokolade und geschmolzenem Käse. Vorn an der Theke knackt ein Kronkorken, im Hintergrund dröhnt Musik. Dort sind die vier „Breaders“ am Werk: Brot backen und Bierbrauen, das ist ihr Geschäft.

Sie sind die ersten Absolventen des neuen Studiengangs für Bierbrauer und Bäcker der Universität für gastronomische Wissenschaften im norditalienischen Pollenzo. Gleich nach dem Abschluss machten sie sich selbstständig - eine Rarität in Bella Italia. „Uns hat die Krise Möglichkeiten eröffnet“, sagt Bäcker Davide Sarti (32) und blickt sich in der hochmodernen Backstube um.

Für ihr Projekt arbeiten sie 12 bis 14 Stunden, sechs Tage die Woche. „Angestellt zu sein ist risikoreich“, sagt Sarti. Viele seiner Bekannten hätten in der Krise ihre Arbeit verloren. Er weiß, wie schwer es für viele junge Italiener ist, eine Stelle zu finden. Mit rund 40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit belegt Italien Platz vier im EU-Vergleich. Schlechter schneiden nur die wirtschaftlichen Sorgenkinder Griechenland, Spanien und Kroatien ab. EU-weit ist rund jeder fünfte Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren ohne Job, Deutschland hat mit 7,1 Prozent die niedrigste Quote.

Besonders im ärmeren Süden Italiens ist es schwierig, Arbeit zu finden. „Es zieht uns in den Norden“, sagt die 28-jährige Bierbrauerin Esmeralda Spitaleri aus Sizilien. „Hier sind die Möglichkeiten größer“, bekräftigt ihr Mitstreiter Gregorio Di Agostini (29) und rollt dabei gekonnt ein Croissant. Neben süßem Gebäck und Brot produzieren die Breader auch Pizza und Focaccia. Ihre selbstkreierten Spezialitäten belegen sie mit Käse, Gemüse und Schinken. Vorne im Laden werden an der Theke dazu Esmeraldas Bier und Kaffee serviert. Im norditalienischen Bologna - eine der wohlhabendsten Städte Italiens - läuft das Geschäft gut.

Esmeralda hat Kommunikation studiert, Davide war Grafikdesigner, Gregorio sah sich im Journalismus. Doch die Fächer boten keine echte Perspektive. Wer hingegen ein traditionelles Gewerbe wählt und dazu noch professionell arbeitet, der hat auch auf einem desolaten Arbeitsmarkt eine Chance, sagten sich die drei. Auch in Italien gibt es die „Jugendgarantie“, ein 2013 gestartetes EU-Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit. Es garantiert Jugendlichen bis 25 Jahre innerhalb von vier Monaten nach dem Abschluss einen Job, eine Ausbildung oder ein Praktikum. Doch in Italien kommt das Projekt nur mit mäßigem Erfolg voran. Und oft beenden Studenten erst mit 25 die Uni und stürzen dann in die Arbeitslosigkeit.

Das Bildungssystem in Italien hat ebenfalls Schwächen: zu wenig Fremdsprachenkenntnisse werden vermittelt, Universitätskurse und Ausbildungen erfüllen die Anforderungen der Firmen nicht. Viele hangeln sich nach dem Abschluss von einem Nebenjob zum nächsten. Es fehlt auch an Struktur, um Arbeitsplätze effizient und sinnvoll zu vermitteln. Gleichzeitig entstehen praktischere Studiengänge und kürzere Ausbildungsprogramme, die gezielt auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet sind. Dazu gehört auch der eineinhalbjährige Kurs der Breader. Zunächst lernten sie die Theorie, wurden in Themen wie Rohstoffe und Zutaten, Lebensmittelregulierung und Kunst der Verkostung unterrichtet. Dann durften sie acht Monate lang bei einem Praktikum den besten Gastronomen Italiens über die Schulter schauen.

Natürlich sei ein Start-up risikoreich, geben die Breader zu. „Aber der Laden gehört uns, er ist unser eigen“, sagt Sarti lächelnd. Nur ein Viertel der Italiener glaubt nach OECD-Angaben, dass die italienische Kultur den Schritt in die Selbstständigkeit fördert. Doch es kann klappen - mit Brot und Bier und Mut zur Expansion: „Wir bauen gerade eine Pizzeria auf“, sagt Esmeralda.

dpa

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