Schwere Verstöße

Wer mobbt, fliegt: Bei Mobbing oder Belästigung droht eine fristlose Kündigung

Um fristlos gekündigt zu werden, muss sich ein Arbeitnehmer etwas Schwerwiegendes zu Schulden kommen lassen. Etwa, wenn man ein Benehmen am Arbeitsplatz an den Tag legt, das nicht hinnehmbar ist.

Wenn in einem Büro unterschiedliche Persönlichkeiten zusammentreffen, kann es schon mal krachen. Auseinandersetzungen oder Streitigkeiten sind da völlig normal. Doch ein negativ auffälliges Verhalten, das zudem auch andere Mitarbeiter betrifft, ist vielen Chefs ein Dorn im Auge. Damit schließlich das Team produktiv ist und bleibt, ist für Störenfriede selten Platz. Allerdings kann man nervige Angestellte nicht einfach so kündigen.

Bei Mobbing oder Belästigung droht die fristlose Kündigung

Ein Arbeitgeber kann einem Mitarbeiter nur fristlos kündigen, wenn er zuvor eine Abmahnung ausgesprochen hat.

Es müssen triftige Gründe bestehen, um etwa eine außerordentliche Kündigung auszusprechen. In diesem Fall ist auch die Kündigungsfrist, die in der Regel drei Monate gilt, nicht einzuhalten. Der Grund muss so schwerwiegend sein, sodass der Mitarbeiter nicht mehr zumutbar für den Betrieb ist und man deshalb die Kündigungsfrist nicht mehr abwarten kann. Deshalb wird die außerordentliche Kündigung auch fristlose Kündigung genannt. Diese droht unter anderem bei folgenden Verstößen:

  • Straftaten
  • Mobbing
  • Arbeitsverweigerung
  • Sexuelle Belästigung 
  • Korruptionsverdacht

Aber: Eine außerordentliche Kündigung darf nur als letztes Mittel vom Arbeitgeber ausgesprochen werden. Das heißt, er muss zuvor den zu kündigenden Arbeitnehmer abmahnen. Mit der Abmahnung stellt der Arbeitgeber den Sachverhalt klar und weist den Arbeitnehmer darauf hin, dass er bei Wiederholung mit einer Kündigung rechnen muss.

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Sind es hingegen nur viele kleine Verstöße oder Dinge, die dem Chef missfallen, ist eine fristlose Kündigung nicht gerechtfertigt. Dazu zählen etwa, wenn der Arbeitgeber öfter zu spät zur Arbeit erscheint, seine Arbeit schlampig macht oder Arbeitsanweisungen missachtet. Dann ist ebenfalls erst eine Abmahnung fällig. Wird hingegen sofort gekündigt, ist die Kündigung unwirksam.

Kündigung des Arbeitsvertrags: Die wichtigsten Fakten, die jeder kennen sollte

Bei einer Kündigung des Arbeitsvertrags gibt es viele rechtliche Fallstricke zu beachten - egal ob sie vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer aus erfolgt.
Bei einer Kündigung des Arbeitsvertrags gibt es viele rechtliche Fallstricke zu beachten - egal ob sie vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer aus erfolgt. © Patrick Pleul / dpa
Ein Arbeitsvertrag muss immer schriftlich gekündigt werden, und zwar mit einer Original-Unterschrift und dem vollen Namen. E-Mail, Textnachricht oder Fax reichen hier nicht aus.
Ein Arbeitsvertrag muss immer schriftlich gekündigt werden, und zwar mit einer Original-Unterschrift und dem vollen Namen. E-Mail, Textnachricht oder Fax reichen hier nicht aus. © Jan-Philipp Strobel / dpa
Wie lange die Kündigungsfrist dauert, können Arbeitnehmer ihrem Arbeitsvertrag entnehmen. Laut Gesetz beträgt sie jedoch mindestens vier Wochen. Während der Probezeit gilt eine kürzere Kündigungsfrist von zwei Wochen. Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber verlängert sich je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters.
Wie lange die Kündigungsfrist dauert, können Arbeitnehmer ihrem Arbeitsvertrag entnehmen. Laut Gesetz beträgt sie jedoch mindestens vier Wochen. Während der Probezeit gilt eine kürzere Kündigungsfrist von zwei Wochen. Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber verlängert sich je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters. © Patrick Pleul / dpa
Wer kündigen will, sollte seine Kündigung dem Chef oder der Personalabteilung persönlich übergeben oder per Post verschicken - am besten per Einschreiben.
Wer kündigen will, sollte seine Kündigung dem Chef oder der Personalabteilung persönlich übergeben oder per Post verschicken - am besten per Einschreiben. © Monika Skolimowska / ZB / dpa
Kann ich eine Kündigung auch zurückziehen? Ja, aber nur wenn sie der Vorgesetzte noch nicht gelesen hat. Dann müssen Sie die Kündigung schriftlich widerrufen
Kann ich eine Kündigung auch zurückziehen? Ja, aber nur wenn sie der Vorgesetzte noch nicht gelesen hat. Dann müssen Sie die Kündigung schriftlich widerrufen. © Patrick Pleul / dpa
Der Kündigung durch den Arbeitgeber muss in der Regel eine Abmahnung vorausgehen. Drei Abmahnungen, wie oft angenommen wird, sind dafür nicht nötig.
Der Kündigung durch den Arbeitgeber muss in der Regel eine Abmahnung vorausgehen. Drei Abmahnungen, wie oft angenommen wird, sind dafür nicht nötig. © Robert Schlesinger / dpa Zentralbild / dpa
Bei Kündigungen unterscheidet man zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen bzw. fristlosen Kündigung. Eine ordentliche Kündigung erfolgt mit einer Kündigungsfrist. Die Gründe können vielschichtig sein - von betriebsbedingten Gründen bis hin zu Arbeitsverweigerung oder Alkoholkonsum am Arbeitsplatz.
Bei Kündigungen unterscheidet man zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen bzw. fristlosen Kündigung. Eine ordentliche Kündigung erfolgt mit einer Kündigungsfrist. Die Gründe können vielschichtig sein - von betriebsbedingten Gründen bis hin zu Arbeitsverweigerung oder Alkoholkonsum am Arbeitsplatz. © Tobias Hase/ dpa
Wer den Arbeitgeber bestiehlt oder andere "erhebliche" Pflichtverstöße begeht, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen.
Wer den Arbeitgeber bestiehlt oder andere "erhebliche" Pflichtverstöße begeht, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen. © Jens Büttner / dpa
Wer eine Kündigung in seinem Briefkasten vorfindet, der sollte sofort einen Anwalt einschalten. Nicht selten sind Kündigungen, etwa auf Grund von Formfehlern, unwirksam.
Wer eine Kündigung in seinem Briefkasten vorfindet, der sollte sofort einen Anwalt einschalten. Nicht selten sind Kündigungen, etwa auf Grund von Formfehlern, unwirksam. © Ralf Hirschberger/dpa (Archivbild/Symbolbild)
Egal ob die Kündigung rechtswirksam ist oder nicht: Melden Sie sich im Falle einer Kündigung schnellstmöglich bei der Agentur für Arbeit. Sonst droht eine Sperrzeit für das Arbeitslosengeld und es können Lücken im Versicherungsschutz entstehen.
Egal ob die Kündigung rechtswirksam ist oder nicht: Melden Sie sich im Falle einer Kündigung schnellstmöglich bei der Agentur für Arbeit. Sonst droht eine Sperrzeit für das Arbeitslosengeld und es können Lücken im Versicherungsschutz entstehen. © Jens Kalaene / ZB / dpa

Es gibt allerdings Ausnahmen, zum Beispiel, wenn der Mitarbeiter seinen Chef wüst beschimpft und schwer beleidigt hat. Eine Kündigung lässt sich dann dadurch begründen, dass das Vertrauen zerstört ist. Die Kündigung muss schriftlich innerhalb einer Frist von zwei Wochen an den Arbeitnehmer zugestellt werden.

Arbeitgeber muss Interessen beider Seiten berücksichtigen

Zusammengefasst kann man sagen, dass ein triftiger Kündigungsgrund vorliegt, wenn der Verstoß nicht hinnehmbar ist. Hinzu kommt, dass der Arbeitgeber auch die Interessen der anderen Seite beachten muss, also auch entlastende Umstände in Betracht ziehen muss. Es werden zudem auch die Dauer der Betriebszugehörigkeit, bestehende Unterhaltspflichten und das bisherige Arbeitsverhältnis berücksichtigt. Je nachdem, wie die Bewertung ausfällt, ist eine Kündigung möglich und hat auch Bestand vor dem Arbeitsgericht.

Rubriklistenbild: © fizkes/Imago

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