Krebsforschung

26 Studien lassen schließen: Eine Infektion mit diesem Virus kann Prostatakrebs auslösen

Krebsforschung: Eine Mitarbeiterin des Biotech-Startups BianoGMP GmbH hält im Reinraum des Unternehmens ein Glas mit Wirkstoff in den Händen.
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Weltweit forschen Wissenschaftler an neuen Therapien gegen Krebs wie Prostatakrebs. Auf dem Foto hält eine Mitarbeiterin des Biotech-Startups BianoGMP GmbH im Reinraum des Unternehmens ein Glas mit Wirkstoff in den Händen. Das Unternehmen entwickelt und produziert hier neuartige DNA- bzw. RNA-basierte Wirkstoffe, die gegen Krebs eingesetzt werden.

Krebsforscher weltweit wollen Krebskrankheiten besser verstehen, um sie besser behandeln zu können. Zwei Australier fanden einen überraschenden Zusammenhang zwischen einer Virusinfektion und Prostatakrebs.

  • Prostatakrebs* ist die häufigste Krebserkrankung von Männern in Deutschland.
  • Wird die Krebsart nicht frühzeitig erkannt und behandelt, steigt das Sterberisiko. Prostatakrebs ist nach Lungen- und Darmkrebs die dritttödlichste Krebserkrankung.
  • Eine neue Analyse aus Australien könnte den Weg zu besserer Früherkennung ebnen.

Über die Ursachen von Prostatakrebs ist noch immer wenig bekannt. Als Risikofaktoren gelten genetische Veranlagung, hohes Alter und ein ungesunder Lebensstil. So sollen ungesunde Ernährung, Alkohol und Rauchen die Entstehung eines Prostatakarzinoms triggern. Doch auch eine bestimmte Virusinfektion begünstigt die Entstehung von Prostatakrebs: Australische Wissenschaftler hatten nach Auswertung von 26 Studien einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit HP-Viren - Humanen Papillomviren - und Prostatakrebs nachweisen können.

HPV-Infektion kann Gebärmutterhalskrebs zur Folge haben - und Prostatakrebs begünstigen

Dabei ist eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) keine Seltenheit: „Etwa 80% aller sexuell aktiven Menschen machen mindestens einmal in ihrem Leben eine HPV-Infektion durch. Eine Infektion wird nur in sehr seltenen Fällen von Symptomen begleitet“, wie die Frauenärzte im Netz berichten: „Bei 90 Prozent der infizierten Frauen heilen diese Infektionen in einem Zeitraum von bis zu zwei Jahren ohne Therapie und ohne Folgen aus. Etwa zehn Prozent der betroffenen Frauen bleiben dauerhaft infiziert und können Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln“. Nicht nur Frauen, auch Männer sind gleichermaßen gefährdet, sich durch Intimkontakt mit HPV anzustecken. Mehr als 200 verschiedene HP-Virustypen sind mittlerweile bekannt. Einige davon sind für die Bildung von gutartigen Feigwarzen an den Genitalien verantwortlich, andere fördern die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten an den Genitalien oder im Mund- Rachenbereich. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 7.900 Männer und Frauen an HPV-bedingten Krebsarten, wie das Portal entschiedengegenkrebs informiert.

Lesen Sie auch: Antikörpertherapie gegen Krebs: Mediziner nutzen körpereigene Abwehr.

Nach ihrer Analyse von 26 Studien kamen die australischen Krebsforscher zu dem Schluss, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Infektion mit HP-Viren und Prostatakrebs „sehr wahrscheinlich” sei, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zitiert. Die im Fachblatt „Infectious Agents and Cancer“ veröffentlichte Studie ergab, dass der negative Einfluss der HPV-Infektion direkt oder indirekt mit dem Immunsystem zusammenhänge. Es sei allerdings auch möglich, dass die Viren mit anderen Krankheitserregern interagieren und so das Krebsrisiko steigern.

Achtung: Diese vier Erreger können Krebs auslösen

Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, an Magenkrebs zu erkranken. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblocker äußerst erfolgreich.
Hepatitis B fördert dagegen Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen.
Gegen Hepatitis C unglücklicherweise (noch) nicht. Die aggressiven Erreger gelten sogar als die zweithäufigste Ursache für Leberkrebs. Etwa 8.500 Menschen sollen jährlich daran erkranken.
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt zwei Arten davon, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll.
Achtung: Diese vier Erreger können Krebs auslösen

Neue Veröffentlichung ist einigen Medizinern noch nicht aussagekräftig genug

Die neue Veröffentlichung aus Australien sorgt für Diskussion in der Fachwelt. So könne die neue Studie nicht als stichhaltiger wissenschaftlicher Beweis gesehen werden, dass HPV-Infektion und Prostatakrebs zusammanhängen, wie Prof. Michael Muders, Direktor des Rudolf-Becker-Labors für Prostatakarzinomforschung in Bonn vom RND zitiert wird: „Auch in dem aktuellen, hier vorliegenden Review wird ein Zusammenhang zwischen einer HPV-Infektion und einem Prostatakarzinom nur aufgrund von Assoziationen nahegelegt. Dabei wurden stringentere Kriterien als in den früheren Metaanalysen angewandt. Trotzdem fehlt immer noch ein stichhaltiger wissenschaftlicher Beweis, auf dessen Grundlage weitere Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können.” (jg) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Mehr Quellen: www.frauenaerzte-im-netz.de; www.krebsgesellschaft.de/prostatakrebs

Weiterlesen: Warum immer mehr junge Menschen Darmkrebs bekommen - So beugen Sie vor.

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