Langzeitfolgen

Corona: Vier Ursachen, warum manche Menschen an Long Covid erkranken

Die Symptome von Long Covid sind vielfältig. Zudem gibt es Ursachen wie Autoimmunerkrankungen, die die Langzeitfolgen von Corona verantworten können.

Noch Wochen oder sogar Monate nach einer Corona-Infektion leiden manche Patienten an körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen. Halten diese vier Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung an, spricht man von Long Covid. Patienten, die noch mehr als 12 Wochen Symptome aufweisen, leiden hingegen unter Post Covid.

Die Symptome des Long-Covid-Syndroms sind vielfältig: Forscher bringen inzwischen über 200 Beschwerden mit den Corona-Langzeitfolgen in Verbindung. Daneben konnten sie bereits vier potenzielle Risikofaktoren feststellen. Zudem werden aktuell vier Thesen zur Entstehung des Syndroms diskutiert.

Corona: 4 mögliche Ursachen, warum Menschen an Long Covid erkranken

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden mindestens 17 Millionen Menschen an Long-Covid-Symptomen.

Die häufigsten Beschwerden, unter denen Long-Covid-Patienten leiden, sind laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) unter anderem Müdigkeit, Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit – das sogenannte „Fatigue“-Syndrom –, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Fieber, Geruchs- und Geschmacksverlust, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Gleichzeitig ist die Erkrankung laut Forschern nicht nur auf eine Ursache zurückzuführen. Wie das Fachmagazin „The Scientist“ berichtet, zeigen jüngste Studien, dass es wohl vier mögliche Gründe für die Entstehung von Long Covid gibt.

Long Covid: Autoimmunreaktion als Ursache für Corona-Langzeitfolgen

Long Covid weist ähnliche Symptome auf wie Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel ME/CFS (Fatigue-Syndrom). Deshalb vermuten Wissenschaftler, dass es ebenfalls durch eine Autoimmunreaktion entstehen kann, indem das Immunsystem nach der Infektion mit Sars-CoV-2 plötzlich eigene Zellen angreift. So haben mehrere Studien ergeben, dass Long-Covid-Patienten von B-Lymphozyten produzierte Auto-Antikörper entwickeln.

Normalerweise produzieren B-Zellen Antikörper, welche die Infektion bekämpfen. Laut Experten besteht vor allem bei schweren Covid-19-Verläufen die Gefahr für eine sehr starke Immunreaktion. Zudem könnte es im Körper zu einer Reaktivierung latenter Viren, die Autoimmunerkrankungen auslösen, kommen. So könnte beispielsweise das Epstein-Barr-Virus, Masern oder Hepatits C und viele andere Viren Autoimmunerkrankungen auslösen.

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Mögliche Ursache von Long Covid: Virus oder Virus-Reste bleiben im Körper

Neben einer Autoimmunreaktion ist es auch möglich, dass nach einer Corona-Infektion das Virus oder Reste davon nicht verschwinden und somit weiterhin im Körper bleiben. So können sie weiterhin Störungen des Immunsystems oder Entzündungen auslösen. Ein eindeutiges Anzeichen für eine anhaltende Virusinfektion konnten beispielsweise Forscher um den Harvard-Professor David Walt in ihrer im Fachmagazin Clinical Infectious Diseases veröffentlichten Studie feststellen. Sie fanden bei 70 Prozent der Long-Covid-Patienten geringe Mengen des Corona-Spike-Proteins im Blut.

Long Covid: Entzündungen als eine Ursache für Covid-19-Langzeitfolgen

Als weitere Ursache von Long Covid wird von Wissenschaftlern eine chronische Entzündung diskutiert, die durch Covid-19 ausgelöst wird. Gemessen wird eine Entzündungsreaktion im Körper durch Zytokine, deren Wert dann erhöht ist. So zeigte sich bei der im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie, dass bei 82 Prozent der Teilnehmer, die an Long Covid litten, ein bis acht Monate nach der Infektion immer noch Zytokine und aktivierte Immunzellen im Blut vorhanden waren. Ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem weiterhin in höchster Alarmbereitschaft war.

Blutgerinnsel kann Grund sein, warum Menschen an Long Covid erkranken

Winzige Blutgerinnsel könnten eine weitere Ursache für die Entstehung von Long-Covid-Symptomen sein. Forscher beobachteten bei vielen Patienten entzündliche Moleküle in verstärktem Maße, wodurch es zu Gerinnungsstörungen kommen kann. Die Folge davon können beispielsweise Herzinfarkte oder Schlaganfälle sein. Außerdem sehen mehrere Forscher darin die Erklärung für die meisten der vielen Symptome, die bei Long Covid auftreten.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

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