Sozialer Rückzug

Sie wollen nicht mehr ins Büro oder unter Leute? Das Cave-Syndrom könnte dahinter stecken

Die Corona-Ausgangssperren sind zu Ende, Bars, Restaurants und Vereine öffnen wieder. Wer nicht mehr zurückfindet ins normale Leben, könnte am Cave-Syndrom leiden.

Als die Regierung strenge Lockdown-Ausgangsbeschränkungen verhängt hat, hat man es sich zu Hause gemütlich gemacht. Klopapier wurde gehortet, viele haben sich einen Netflix-Account eingerichtet und das Kochen für sich entdeckt. Das angeordnete Brav-zuhause-Bleiben hatte klar seine Vorteile*: Die Angst etwas zu verpassen, war bei vielen so gut wie nicht mehr vorhanden. Auch die Homeoffice-Regelungen kamen vielen entgegen, entfiel doch der nervtötende Weg zur Arbeit. Doch die meisten dieser Corona-Schutzmaßnahmen gehören seit einiger Zeit der Vergangenheit an. Clubs, Lokale und Vereinsheime öffnen wieder ihre Pforten.

Viele Menschen genießen die wiedergewonnene Freiheit. Doch es gibt auch diejenigen, welchen Kino, Clubbesuch oder Treffen in größerer Runde ein mulmiges Gefühl bereiten. Bleibt man in der Corona-Schockstarre, sprechen Psychologen vom sogenannten Cave-Syndrom: Betroffene verhalten sich so, als ob noch Lockdown herrschen würde. Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, will der Frankfurter Psychologe Ulrich Stangier mit einer Online-Befragung an der Frankfurter Goethe-Universität herausfinden, wie Focus.de berichtete.

Die Corona-Pandemie hatte Einschränkungen wie Ausgangssperren zur Folge.

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Cave-Syndrom: „Sie bleiben in ihrem Schneckenhaus stecken“

„Sie bleiben in ihrem Schneckenhaus stecken“, beschreibt Psychologe Stangier dem Focus zufolge das Verhalten von Cave-Syndrom-Betroffenen: „Nach 18 Monaten haben wir uns daran gewöhnt, dass es wenig sozialen Austausch gibt. (...) Wir haben gelernt, Lust und Freude bei anderen Aktivitäten des Alltags zu empfinden“, zitiert ihn Focus.de weiter. Beim Cave-Syndrom handele es sich Stangier zufolge aber nicht um eine Krankheit, sondern nur um eine vorübergehende Anpassungsphase, die in der Regel zwei bis drei Monate andauert.

Diejenigen, die sich auch nach dieser Anpassungsphase selbst isolieren, laufen Stangier zufolge Gefahr, ein psychisches Leiden wie eine Angststörung zu entwickeln. So gelten langanhaltende und stressreiche Belastungen als Risikofaktoren für die Entwicklung einer Angststörung, wie die Neurologen und Psychiater im Netz informieren. Soziale Isolation verstärkt Stress-Reaktionen in der Regel, weshalb sozialer Rückzug immer ernst genommen werden sollte, wenn Sie diesen bei sich oder anderen beobachten. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Maya Claussen/Imago

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