Kindererziehung

Babys schreien lassen? Eltern-Kind-Bindung nimmt keinen Schaden, so Studie

Abwarten und nicht sofort nach dem schreienden Baby sehen: Eine Studie zeigt, dies habe keinen negativen Einfluss auf die Eltern-Kind-Beziehung.

München – Das Baby ist da und mit ihm nicht nur ein ganz neuer Lebensabschnitt, sondern auch ungewohnter Geräuschpegel. Dabei ist es ganz normal und wichtig, dass Babys schreien – so machen sie auf sich und ihre Bedürfnisse aufmerksam. Für viele frisch gebackenen Eltern besteht aber häufig hier eine Herausforderung: sofort auf das Schreien reagieren oder etwas abwarten. Denn Abwarten könnte ja die gute Bindung beeinträchtigen – wirklich?

Eine Studie unter der Leitung von Dr. Ayten Bilgin und Professor Dr. Dieter Wolke belegte, dass ein gestörtes Eltern-Kind-Verhältnis nicht die Folge ist, wenn Eltern beim Schreien ihres Babys in den ersten Lebensmonaten zunächst abwarten. Ganz im Gegenteil: Der Nachwuchs wurde ruhiger.

Babys schreien lassen? Zwei Experten sagen, Eltern-Kind-Beziehung nimmt keinen Schaden

„Kinder kriegen ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr...“ – Ein Sprichwort, das so manche Menschen, die Nachwuchs bekommen und erziehen, bestätigen würden. Ist das Baby auf der Welt, werden Eltern mit den verschiedensten Themen konfrontiert: Stillen – ja/nein und wie lange, wann und warum abstillen, wann die erste Beikost geben, wann in die Krippe, den Kindergarten schicken, was tun, wenn das Kind nicht durchschläft, wie bei Wutanfällen reagieren, das Kind möglichst früh zur Selbstständigkeit erziehen oder erstmal überbehüten, wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Nanny, wann darf das Kind alleine zu Hause gelassen werden?

Beim ersten Schreien des Babys sofort reagieren oder eher abwarten? Laut einer Studie schadet ein überlegtes Abwarten der Beziehung nicht. (Symbolbild)

Und neben all‘ diesen Themen und Fragen rund um das Baby ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen im Leben der Eltern, dass der Nachwuchs sich in der ersten Zeit nur durch Weinen und Schreien und noch nicht mit Worten ausdrücken kann. Wenn das Baby dann noch pausenlos schreit und zum Schreibaby wird, können die Nerven der Eltern schon mal blank liegen. Wobei viele Eltern auf Osteopathie setzen, wenn ihr Kleines viel schreit oder schlecht schläft. Das Familienleben wird zur Belastung – noch mehr, wenn die Mutter eine postnatale bzw. postpartale Depression entwickelt.

Studie zeigt: Eltern, die intuitiv abwartend auf das schreiende Baby reagieren, schaden dem Kind nicht

In der Studie untersuchten die beiden Wissenschaftler Dr. Ayten Bilgin und Professor Dr. Dieter Wolke 178 Neugeborene und deren Eltern über einen Zeitraum von 18 Monaten. Dabei lag der Fokus auf der jeweiligen Reaktion von Mutter und Vater. Zu Beginn der Studie und in den ersten Monaten reagierten die Eltern sehr feinsinnig auf ihr schreiendes Kind – in den Folgemonaten waren ihre Reaktionen bedachter und zunehmend zögerlicher. Das gab dem Baby die Möglichkeit, sein Verhalten selbst zu regulieren.

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Es zeigte sich, dass die Babys bis zum Alter von ca. 1,5 Jahren ruhiger wurden, wenn ihre Eltern in den ersten drei Monaten weniger schnell bzw. bedacht auf das Schreien ihres Nachwuchses reagierten – im Vergleich zu den Eltern, die dies nicht taten. Anhand der Ergebnisse psychologischer Tests konnten die Studienautoren aufzeigen, dass „Schreienlassen“ kein Zeichen von Herzlosigkeit oder mangelnder Zuneigung der Eltern sei. Es bestätigte sich somit nicht, dass das Kind unmittelbar mögliche Verhaltens­auffälligkeiten entwickle, weil Mutter oder Vater nicht sofort nach ihm gesehen hatten.

Fazit und Empfehlung der Wissenschaftler: sich als Eltern vorrangig auf die eigene Intuition verlassen und dem Baby auch vertrauen sowie zutrauen, dass es sich gegebenenfalls selbst beruhigen kann. Wenn es das nicht kann, wenden Sie sich in jedem Fall an Ihren Kinderarzt oder eine Schreiambulanz.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Cavan Images/Imago

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