Experteninterview

Sparen trotz Inflation? Wie wir jetzt unser Geld investieren sollten

Geht Sparen trotz Inflation eigentlich? Finanzexperte Stefan Riße erklärt, wie man in der aktuellen Zeit ohne große Verluste bleibt und gibt sinnvolle Spar-Tipps.

Egal ob in der Autobranche, beim Lebensmittelkauf oder zu Hause. Die Preise steigen aufgrund der aktuellen Inflationsrate überall auf ungeahnte Höhen. Daher fragen sich viele, wie man auf diese Entwicklung reagieren soll. Stefan Riße, Kapitalmarktstratege und Autor von “Die Inflation kommt” (FBV), klärt im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news auf, welchen Einfluss der Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie auf die globale Wirtschaftslage haben und wie sich Privatpersonen am besten vor großen Verlusten schützen können.

Was steckt hinter der hohen Inflationsrate in der Eurozone?
Stefan Riße: Momentan sind es vor allem die Energiepreise, die die Inflation anfachen. So ist der Ölpreis stark gestiegen, was damit zu tun hat, dass die Konjunktur viel besser aus der Corona-Krise herausgekommen ist, als erwartet. Und die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) haben die Fördermengen dafür nicht ausreichend erhöht. Natürlich treibt momentan auch die Angst vor einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine den Ölpreis nach oben. Russland ist einer der größten Ölförderer und vor allem auch einer der größten Gasproduzenten. Auch das hat dazu beigetragen, dass der Gaspreis sich gegenüber von vor einem Jahr vervielfacht hat. Das bekommen die Verbraucher so stark allerdings noch gar nicht zu spüren, weil es feste Verträge gibt, die nur gewisse Preissteigerungen erlauben.
Hier ist insofern Nachholbedarf vorhanden und zunächst keine Entspannung zu erwarten. Auch die Lebensmittel steigen im Preis stark an. Auch das hat - man kann es kaum glauben - mit Gas zu tun. Denn für die Produktion von Düngemittel wird Ammoniak benötigt, dass mithilfe von Gas gewonnen wird. Einige Landwirte bauen Flächen derzeit gar nicht an, weil der Dünger viel zu teuer geworden ist. Das verknappt das Angebot. So werden Getreideerzeugnisse teurer, wozu natürlich auch Futtermittel gehören, die wiederum auch die Preise für Fleisch steigen lassen. Außerdem sehen wir deutliche Preissteigerungen bei allen Produkten, die von den noch coronabedingt gestörten Lieferketten betroffen sind, allen voran Produkte, für die Halbleiter also Microchips benötigt werden. Dazu zählen neben Computern und Spielekonsolen heutzutage eben auch die Automobile, in denen mittlerweile oft über 1.000 Chips verbaut sind.
Trotz hoher Inflation können Sie sich finanziell absichern. (Symbolbild)
Wie entwickelt sich eine Inflation?
Riße: Eine Inflation entsteht durch solche Ereignisse, wie ich sie vorher erläutert habe. Entweder steigt die Nachfrage stark an, was durch aufgestauten Konsum wie jetzt in der Corona-Krise der Fall sein kann, oder das Angebot ist aus irgendeinem Grund knapp. Derzeit ist beides zu beobachten. Ob aus dieser Inflation eine dauerhafte wird, hängt dann davon ab, ob die Löhne entsprechend steigen.
In den 70er Jahren hatten wir zuletzt höhere Inflationsraten zunächst auch ausgelöst durch steigende Energiepreise. Dann forderten die Gewerkschaften ein Ausgleich dieser Inflation in Form von höheren Löhnen. Die höheren Löhne trieben dann die Produktionskosten weiter nach oben und damit wiederum die Preise für den Verbraucher. So wird dann eine Lohnpreisspirale daraus. Noch ist in Europa davon nicht viel zu beobachten, ich rechne aber damit, weil die Löhne der weniger gut Verdienenden in den vergangenen 15 Jahren zu wenig gestiegen sind. In Amerika ist dieser Prozess bereits zu beobachten. Und auch wenn die Lohnforderung in den jüngsten Tarifrunden in Deutschland noch verhalten ausfielen, denken Sie daran, dass der Mindestlohn auch kräftig auf zwölf Euro pro Stunde angehoben wird. Auch das wird seine Spuren in den Preisen hinterlassen.
Mit was müssen Verbraucher jetzt rechnen?
Riße: Verbraucher werden höhere Preise bezahlen müssen, da führt kein Weg drum herum. Man kann jetzt nur hoffen, dass der Staat hier vor allem bei weniger gut Betuchten für Entlastung sorgt. Nach allem, was man hören und lesen kann, soll die EEG-Umlage ja zur Jahresmitte abgeschafft werden. Ein erster richtiger Schritt.
Welche Kosten kommen in der nächsten Zeit auf den Verbraucher zu?
Riße: Die Preise dürften zunächst noch weiter steigen, könnten sich aber im Bereich der Halbleiter beruhigen. High-Tech-Produkte, zu denen mittlerweile eben auch das Auto gehört, könnte dann in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas günstiger werden. Die Hoffnung basiert darauf, dass die Lieferketten dann wieder einigermaßen geglättet sein sollten. Ein Risiko dabei bleibt aber die Omikron-Variante und eine mögliche Ausbreitung in China, die ja eine Zero-Covid-Strategie fahren. Wenn China wieder abriegeln würde, und wir haben gesehen, da reicht ein einziger Hafen, dann haben wir da weiter keine Entspannung. Bei den Energiepreisen wird sicherlich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung spielen.

Steuer-Tricks: So sparen Sie bares Geld bei der Steuererklärung

Jedes Jahr legen Sie mit der Steuererklärung dem Finanzamt Ihre Einnahmen und Belastungen offen. Damit Sie nicht unnötig Geld verschenken, haben wir ein paar Tipps für Sie.
Jedes Jahr legen Sie mit der Steuererklärung dem Finanzamt Ihre Einnahmen und Belastungen offen. Damit Sie nicht unnötig Geld verschenken, haben wir ein paar Tipps für Sie. © MiS/Imago
Nutzen Sie Pauschbeträge wie die Pendlerpauschale. Letztere können Sie immer angeben, egal ob Sie zu Fuß oder mit dem Auto zur Arbeit kommen. Dafür gibt‘s 35 Cent pro Kilometer (ab 2022: 38 Cent).
Nutzen Sie Pauschbeträge wie die Pendlerpauschale. Letztere können Sie immer angeben, egal ob Sie zu Fuß oder mit dem Auto zur Arbeit kommen. Dafür gibt‘s 35 Cent pro Kilometer (ab 2022: 38 Cent). © Imago/Sabine Gudath
Auch mit der Homeoffice-Pauschale von 5 Euro pro Tag (max. 600 Euro im Jahr) lassen sich Steuern sparen. Vorausgesetzt, Sie kommen über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro im Jahr.
Auch mit der Homeoffice-Pauschale von 5 Euro pro Tag (max. 600 Euro im Jahr) lassen sich Steuern sparen. Vorausgesetzt, Sie kommen über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro im Jahr. © Imago/Tanya Yatsenko
Auch wer berufsbedingt in eine andere Stadt zieht, kann seine Umzugskosten steuerlich geltend machen.
Auch wer berufsbedingt in eine andere Stadt zieht, kann seine Umzugskosten steuerlich geltend machen. © Vasily Pindyurin/Imago
Spenden, wie etwa bei Straßensammlungen, werden beim Finanzamt als Sonderausgaben anerkannt.
Spenden, wie etwa bei Straßensammlungen, werden beim Finanzamt als Sonderausgaben anerkannt.  © MiS/Imago
Wussten Sie schon? Zu den Sonderausgaben zählen übrigens auch bestimmte Versicherungen, wie die Haftpflicht oder Riester-Rente.
Wussten Sie schon? Zu den Sonderausgaben zählen übrigens auch bestimmte Versicherungen, wie die Haftpflicht oder Riester-Rente. © Panthermedia/Imago
Auch die Pflege von Angehörigen lässt sich steuerlich geltend machen.
Auch die Pflege von Angehörigen lässt sich steuerlich geltend machen. So steht pflegenden Arbeitnehmern für das Jahr 2021 ein Pauschbetrag von 600 bis 1.800 Euro zu (je nach Pflegegrad). © Ute Grabowsky/Imago
Feuerwehr. Mit einem Ehrenamt lassen sich Steuern sparen.
Sie üben ein Ehrenamt aus? Dann bleiben jährlich 840 Euro steuer- und sozialabgabenfrei (Stand: 2022). © Martin Wagner/Imago
Fliesenleger bei der Arbeit. Geben Sie Handwerkerkosten unbedingt in der Steuererklärung an – damit sparen Sie bares Geld.
Geben Sie Handwerkerkosten unbedingt in der Steuererklärung an – damit sparen Sie bares Geld. © IMAGO/Achim Duwentäster
Optiker mit Brille. Krankheitskosten wie Brillen, Medikamente und Behandlungskosten werden vom Finanzamt berücksichtigt, sofern sie die Zumutbarkeitsgrenze überschreiten.
Krankheitskosten wie Brillen, Medikamente und Behandlungskosten werden vom Finanzamt berücksichtigt, sofern sie die Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. © Westend61/Imago

Geldsparen: Die besten Tipps

Riße: Für Sparer hat die Inflation ganz erhebliche Konsequenzen, die viele nicht beachten. Wenn sie über fünf Jahre durchschnittlich vier Prozent Inflation haben, und keine Zinsen als Ausgleich erhalten, dann verlieren sie real betrachtet bereits 18 Prozent ihres Vermögens in diesem Zeitraum. Das bedeutet nicht, dass aus 10.000 Euro weniger wird, also da plötzlich ein geringerer Betrag steht, Verwahrentgelt von Bank mal außen vor gelassen, aber sie können sich nach fünf Jahren dafür noch so viel kaufen wie aktuell für 8.154 Euro. Deswegen ist es extrem wichtig, jetzt auf Anlagen zu setzen, die in der Inflation profitieren. Festverzinsliche Anlagen tun dies nicht, und da sie momentan keinen oder nur ganz geringen Zins bringen, sind sie jetzt schon die reine Geldvernichtung für die Ersparnisse vieler Deutschen. Nun zu den Spar-Tipps:

1. Investition in Aktien: Ich betone investieren, nicht spekulieren. Also kaufen und lange halten. Das muss nicht in Form von Einzelaktien sein, da gehen auch Fonds, entweder aktiv gemanagte, nach Möglichkeit von solchen Fondsgesellschaften, die in der Vergangenheit bei längerer Betrachtung eine gute Performance hatten, oder ETFs auf einen Index wie beispielsweise den MSCI World. Denn Aktien sind auch Sachwerte, die in der Inflation steigen. Alles, was ein Unternehmen besitzt, Immobilien, Maschinen bis hin zum Markennamen, steigt dann ja ebenfalls im Preis.

2. Goldankauf: Das Edelmetall war in der Vergangenheit immer ein ganz guter Inflationsschutz, weil es sich im Gegensatz zum Papiergeld, wie wir es heute fast überall kennen, nicht unendlich vermehren lässt. Bleiben die Inflationsraten höher, sollte Gold davon profitieren. Man muss dies aber nicht physisch erwerben, auch hier gibt es entsprechende Fonds, mit denen das möglich ist wie beispielsweise das Xetra-Gold, dass es an der Frankfurter Börse gibt. Allerdings bitte nie das gesamte Vermögen in Gold anlegen. Es hat einen entscheidenden Nachteil. Es gibt keine Ausschüttung wie Zinsen oder Dividenden. Damit gibt es keine Wiederanlage laufender Erträge, was die stärkste Kraft der langfristigen Geldanlage ist.

3. Erwerb eines Eigenheims: Gerade in den Ballungszentren haben wir in den vergangenen Jahren rasant steigenden Mieten erlebt. Um sich vor diesen zu schützen, ist der Erwerb einer eigenen Immobilie für Wohnzwecke durchaus ratsam, für alle, die sich dies leisten können. Natürlich kann man auch Immobilien erwerben zur Vermietung, hier ist die Lage sehr wichtig, und dass die Kaufpreise nicht schon völlig überhöht sind, sodass die Mietrendite, die man erzielt, nur noch mickrig ausfällt. Von offenen oder geschlossenen Immobilienfonds rate ich aufgrund von zu großer Intransparenz und oft viel zu hohen Kosten ab. (eee/jok/spot)

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/Imago

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