Schon wieder krank . . .?

Dr. Svenja Kahlke-Kreitzberg, Fachanwältin für Arbeitsrecht und für Medizinrecht

Dies denkt sich manch Arbeitgeber, der mit einem erheblichen Krankenstand in seinem Betrieb konfrontiert wird. So völlig aussichtlos ist die Sache jedoch nicht . . .

Dies denkt sich manch Arbeitgeber, der mit einem erheblichen Krankenstand in seinem Betrieb konfrontiert wird. So völlig aussichtlos ist die Sache jedoch nicht. Der Arbeitgeber hat schon Möglichkeiten mit Maßnahmen zu reagieren, sei es bei Langzeiterkrankten oder gerade bei wiederholten Kurzzeiterkrankten, wo erheblichen Zweifel an der Erkrankung bestehen.

Gerade letzte Gruppe ist dem Arbeitgeber verständlicherweise ein Dorn im Auge. Ein sehr probates Mittel - gerade bei Arbeitnehmern, die gerne am Montag krank sind – ist die Anordnung, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AUB) bereits ab dem ersten Krankheitstag vorzulegen, denn bereits der Gang zum Arzt ist diesen Arbeitnehmern lästig, dann kann man auch gleich arbeiten gehen.

In solchen Fällen bietet sich weiter an, die Prüfung der Arbeitsunfähigkeit durch den Medizinischen Dienst über die Krankenkasse gemäß § 275 Abs. 1 a) SGB V zu verlangen.

Liegt eine AUB vor, wird es für den Arbeitgeber ansonsten recht schwierig weitere Maßnahmen zu ergreifen. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass ein Arzt, der eine entsprechende Bescheinigung ausfüllt gegebenenfalls auch vor Gericht bestätigt, dass eine entsprechende Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Allerdings kann der Beweiswert der AUB erschüttert werden. Hierfür ist jedoch ein konkreter Sachvortrag des Arbeitgebers erforderlich.

Täuscht der Arbeitnehmer tatsächlich eine Arbeitsunfähigkeit vor, liegt in der Regel ein Grund für eine fristlose Kündigung vor. Davon zu unterscheiden ist der Fall, dass der Arbeitnehmer sich genesungswidrig verhält, z.B. trotz Rückenleidens beim Umzug hilft. In dieser Konstellation liegt – soweit nachweisbar – ein Vertragsverstoß vor, der gegebenenfalls nur abgemahnt werden kann.

Es empfiehlt sich in der Regel bei hohen Krankenständen insbesondere mit Langzeiterkrankten regelmäßig eine Prüfung vorzunehmen, welche Schritte zukünftig in Betracht kommen. Hierfür stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!


Solinger Tageblatt, 22. Mai 2015

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