Polizeiliche Beschuldigtenvernehmung

Jochen Ohliger, Fachanwalt für Strafrecht und für Verkehrsrecht

Ausgangssituation: Im Briefkasten liegt eine Ladung zur Polizei, die Sie in einer Ermittlungssache als Beschuldigter vernehmen will.Dies führt sofort zu vielen Fragen: Muss ich erscheinen, wenn ja, was passiert, wenn ich es nicht tue?! . . .

Ausgangssituation: Im Briefkasten liegt eine Ladung zur Polizei, die Sie in einer Ermittlungssache als Beschuldigter vernehmen will.

Dies führt sofort zu vielen Fragen: Muss ich erscheinen, wenn ja, was passiert, wenn ich es nicht tue?! Sollte ich hingehen, wenn ja, meine Unschuld beteuern, die "ganze Wahrheit" sagen, kurz, was ist zu tun?!

Mein Hinweis als Strafverteidiger vorweg: Viele Beschuldigte machen jetzt ihren ersten großen und damit auch oft genug schon den letzten Fehler.

Daher! Sie müssen bei der Polizei nicht erscheinen und sollten es auch nicht tun (anders ist dies, wenn Sie ausnahmsweise von Staatsanwaltschaft oder Gericht vorgeladen werden).

Lassen Sie sich bitte unbedingt sofort beraten, damit ein Fachmann entscheiden kann, ob und ggf. wann wem gegenüber ausgesagt wird.

In aller Regel weiß der Beschuldigte ja nicht einmal, welche Vorwürfe gegen ihn im Raum stehen. Mit der Zitierung einer Vorschrift des Strafgesetzbuches kommt man hier auch nicht weiter. Man sollte bis auf Weiteres schweigen, um dann über einen Anwalt Einblick in die amtliche Ermittlungsakte zu erhalten. Selber dürfen sie grundsätzlich ihre Akte nicht einsehen, hier können aber beispielsweise wichtige Zeugenaussagen niedergelegt sein, deren Inhalt vor einer etwaigen Aussage zu besprechen ist.

Die Akteneinsicht wird dem Verteidiger auf Antrag gewährt, dann kann über die Frage einer Einlassung sinnvoll entschieden werden.

Fazit: Man sollte den Termin nicht wahrnehmen, eine telefonische Absage wäre ein Gebot der Höflichkeit. Aber auch im Zuge eines derartigen Telefonates sollte man sich nicht in ein Gespräch über den Vorwurf verwickeln lassen. Auch Derartiges kann im Weiteren in einem Aktenvermerk niedergelegt und "gegen sie" verwandt werden. Auch hier sollte man sich auf seinen Verteidiger verlassen, dieser wird den Termin entsprechend absagen.