Schadenregulierung und Versicherungsinteresse

Jochen Ohliger, Fachanwalt für Strafrecht und für Verkehrsrecht

Nach wie vor wird nach einem Unfallereignis seitens der Versicherung des Schädigers versucht, möglichst früh und umfangreich Einfluss auf die Regulierung des Geschädigten zu nehmen. Dies führt beispielsweise dazu, dass ein großer Versicherer im Rahmen eines sogenannten „Fair-Play-Konzeptes“ den Versuch unternimmt, frühzeitig Einfluss auf beauftragte Werkstätten zu nehmen . . .

Nach wie vor wird nach einem Unfallereignis seitens der Versicherung des Schädigers versucht, möglichst früh und umfangreich Einfluss auf die Regulierung des Geschädigten zu nehmen. Dies führt beispielsweise dazu, dass ein großer Versicherer im Rahmen eines sogenannten „Fair-Play-Konzeptes“ den Versuch unternimmt, frühzeitig Einfluss auf beauftragte Werkstätten zu nehmen. Dies auf der einen Seite verbunden mit zügigen Zahlungszusagen, auf der anderen Seite mit der Verpflichtung, versicherungseigene Dienstleister zur Schadenfeststellung zu wählen, freie Sachverständige und Rechtsanwälte gerade nicht hinzuziehen.

Ist man damit nicht einverstanden, führt dies dann „plötzlich“ zu einer zeitlich sehr deutlich verzögerten Abwicklung. Andere Versicherer kontaktieren den Geschädigten möglichst frühzeitig, bieten Billigmietwagen an, empfehlen eigene Sachverständige und ähnliches. In letzter Konsequenz ergibt sich hier recht schnell eine Situation, in welcher die Feststellung der Höhe des Schadens (beispielsweise auch Reparatur oder Austausch von Teilen) durch den Schädiger selbst erfolgt. Die damit verbundenen Risiken liegen auf der Hand.

Vor diesem Hintergrund ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der Beginn der Unfallregulierung, jedenfalls dann, wenn der Schaden über der Bagatellschadengrenze von 750,00 € liegt, regelmäßig über einen freien Sachverständigen und sinnvollerweise auch einen Anwalt eingeleitet werden sollte. Ein zu erstellendes Gutachten dient der Schadenermittlung, der Geschädigte braucht hierzu keine Marktforschung zum billigsten Sachverständigen zu betreiben, sondern kann einen freien Sachverständen seiner Wahl beauftragen. Erst durch ein solches Gutachten wird der Geschädigte in die Lage versetzt, festzustellen, wie hoch sein ersatzfähiger Schaden ist.