Unfallregulierung und Schadenminderungspflicht

Jochen Ohliger, Fachanwalt für Strafrecht und für Verkehrsrecht

Da der Geschädigte nach einem Unfall regelmäßig damit rechnen kann, dass die Kosten der Schadenbeseitigung entweder von der gegnerischen Haftpflichtversicherung oder aber im Einzelfall auch von seiner eigenen Vollkaskoversicherung getragen werden, führt dies häufig recht schnell zu einer gewissen Gleichgültigkeit . . .

Da der Geschädigte nach einem Unfall regelmäßig damit rechnen kann, dass die Kosten der Schadenbeseitigung entweder von der gegnerischen Haftpflichtversicherung oder aber im Einzelfall auch von seiner eigenen Vollkaskoversicherung getragen werden, führt dies häufig recht schnell zu einer gewissen Gleichgültigkeit. Es werden dann mehr oder weniger ohne Nachdenken Reparaturaufträge erteilt, Mietwagen in Anspruch genommen und ähnliches.

Derjenige Geschädigte, der hier zu sorglos verfährt, geht das hohe Risiko ein, dass er bei der Erteilung von verschiedenen Aufträgen die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat und für nicht unerhebliche Teile der Schadenbeseitigung selber haften muss. Jeden Geschädigten trifft in diesem Zusammenhang eine Schadensminderungspflicht, d.h. dem Grunde nach, er muss sich so verhalten, als ob er den Schaden selbst würde regulieren müssen.

Fehler mit sich hieraus ergebender eigener Zahlungsverpflichtung können sich dabei bei den meisten Schadenpositionen ergeben. Dies beginnt damit, dass ein Auswahlverschulden sowohl bei der zu wählenden Reparaturwerkstatt als auch dem Sachverständigen im Raume stehen kann. Im Einzelfall sind Abgrenzungen zwischen Reparatur- und Totalschaden vorzunehmen, die sich, im Fehlerfall, als erheblicher Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht darstellen können. Die Mietdauer und Größe eines zu wählenden Mietfahrzeuges stellt, da sich Vermieter und Versicherer hier nach wie vor streiten, häufig ein Risiko dar. Was ergibt sich in diesem Zusammenhang mit einer etwaigen Notreparatur und einem Interimsfahrzeug?

Und dann gelten im Haftpflichtbereich noch andere Vorgaben als im Vollkaskobereich.

Fazit: Da sich die Anwaltsgebühren bei einem unverschuldeten Unfallereignis regelmäßig als Teil des Unfallschadens darstellen und von der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu übernehmen sind und im Einzelfall auch Rechtsschutzversicherungen eintrittspflichtig gemacht werden können, sollte in der Regel nach einem Unfall anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen werden, um hier im weiteren Verlauf nicht „böse zu erwachen“.