Verkehrsunfall und Schadenersatzansprüche Teil 2

Jochen Ohliger, Fachanwalt für Strafrecht und für Verkehrsrecht

Ihr Fahrzeug ist beschädigt, eine Feststellung der Schadenhöhe muss erfolgen. Grundsätzlich gilt insoweit, dass bei einem Schaden oberhalb einer Bagatellgrenze (fließend 800,00 bis 1.000,00 €) ein Sachverständigengutachten zur Feststellung der Schadenhöhe erforderlich ist . . .

Bereits in der letzten Woche hatten wir über die Probleme berichtet, die im Zuge einer Unfallregulierung ganz allgemein auftauchen können. Hier stehen dann, regelmäßig im Verhältnis zum gegnerischen Haftpflichtversicherer, im Wesentlichen folgende Schadenpositionen zur Disposition:

Ihr Fahrzeug ist beschädigt, eine Feststellung der Schadenhöhe muss erfolgen. Grundsätzlich gilt insoweit, dass bei einem Schaden oberhalb einer Bagatellgrenze (fließend 800,00 bis 1.000,00 €) ein Sachverständigengutachten zur Feststellung der Schadenhöhe erforderlich ist, ein Kostenvoranschlag reicht nicht aus. Hier sollte man sich dann mit einem freien Sachverständigen in Verbindung setzen und den Schaden der Höhe nach bestimmen lassen. Achtung: In den Fällen eines Mitverschuldens würden auch die Kosten für das Sachverständigengutachten nur in Höhe der Quote von der Gegenseite zu übernehmen sein. Neben den Reparaturkosten bestimmt der Sachverständige den sognannten merkantilen Minderwert. Es handelt sich hier um diejenige Summe, die ein fiktiver Käufer später als Abschlag vom Listenpreis wegen des Unfalls verlangen wird. Dieser Betrag ist bereits zu diesem Zeitpunkt als Schaden an Sie auszuzahlen.

Im weiteren Verlauf wird die Versicherung – soweit eine Rechnung nicht überreicht wird – dann lediglich den Nettoreparaturbetrag zur Auszahlung bringen, wobei unter bestimmten, recht komplizierten, Voraussetzungen die Versicherer hier noch weitere Abzüge am Gutachten vornehmen können.

Soweit die Reparaturkosten mehr als 130 % des Wiederbeschaffungswertes des Fahrzeuges betragen, bestimmt der Sachverständige die Schadenposition für eine Totalschadenabrechnung. Im Einzelfall wird dann, wenn überhaupt, zu den Reparaturkosten nur noch pauschal Stellung genommen. Wird auch der Restwert bestimmt und der Anspruch gegen die Versicherung errechnet sich durch Abzug dieses Restwertes vom Wiederbeschaffungswert. Ärger kann insoweit immer in den Fällen drohen, in denen die Haftpflichtversicherung im weiteren Verlauf ein erhöhtes Angebot unterbreitet, das unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist.

Je nach Konstellation sind beide Abrechnungsarten juristisch denkbar und vom Sachverständigenbüro vorgegeben. Hier werden Sie dann eine Entscheidung treffen müssen, die sich neben juristischen Fragen auch mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen auseinander setzt.