Recht und Service

Totalschaden und Restwertangebot

Nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall kalkuliert der Schadengutachter den Wiederbeschaffungswert meines Fahrzeuges (Wert unmittelbar vor dem Unfallereignis) sowie insbesondere auch den Restwert (erzielbarer Preis für den Schrott) . . .

Nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall kalkuliert der Schadengutachter den Wiederbeschaffungswert meines Fahrzeuges (Wert unmittelbar vor dem Unfallereignis) sowie insbesondere auch den Restwert (erzielbarer Preis für den Schrott).

Dies naturgemäß ein beliebtes Feld für die Versicherungsbranche. Je höher der Restwert angesetzt werden kann, desto niedriger ist der vom Versicherer zu übernehmende Schaden. Dies führt dazu, dass regelmäßig nach Erhalt des Gutachtens vom Versicherer ein erhöhter Restwert „ermittelt“ und dem Geschädigten weitergeleitet wird. Wenn das Fahrzeug nach Erhalt des Gutachtens zum dort kalkulierten Restwert bereits veräußert worden ist, kann dies regelmäßig zu wunderbaren Streitigkeiten führen.

Eine relativ aktuelle Entscheidung des OLG Köln aus dem Jahre 2012 hat eine Verpflichtung für den Geschädigten (Abwarten eines Versicherungsangebotes) grundsätzlich angenommen. Die Konsequenz ist, dass der Versicherer dann mit einem Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht argumentiert, d.h., trotz des Verkaufes des Fahrzeuges zum „niedrigeren“ Restwert der Abrechnung den höheren selbst ermittelten Wert zugrunde legt.

Unabhängig davon, dass der Bundesgerichtshof dies eigentlich bereits Anfang der 90iger Jahre als unzulässig entschieden hat, ist dieser Rechtsauffassung nicht zu folgen. Soweit der Sachverständige ordnungsgemäß ausgewählt ist, kann und darf das Fahrzeug ohne vorherige Abstimmung mit der Versicherung (die ohne weiteres einige Wochen und viele Telefonate in Anspruch nehmen kann) veräußert werden.

Der Geschädigte darf dem Gutachten vertrauen und für die weitere Schadenabwicklung entsprechend mit den dort gutachterlich kalkulierten Preisen disponieren, d.h., das Fahrzeug entsprechend veräußern. Ein Abwarten, um der Versicherung die Möglichkeit eines höheren Restwertangebotes einzuräumen, ist ihm grundsätzlich nicht zumutbar.

Solinger Tageblatt, 25. September 2015