Die Kirschen aus Nachbars Garten

Rüdiger Fritsch, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Sommerzeit ist auch Erntezeit. Da kann es schon einmal zum Streit um des Nachbars süße Kirschen kommen, die unverhofft auf dem eigenen Grundstück landen. Aber wie ist die Rechtslage? . . .

Sommerzeit ist auch Erntezeit. Da kann es schon einmal zum Streit um des Nachbars süße Kirschen kommen, die unverhofft auf dem eigenen Grundstück landen. Aber wie ist die Rechtslage? Darf man das Obst behalten, wenn der Baum auf Nachbars Grundstück steht? Unser Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) hält auch dafür eine Antwort bereit: fallen Früchte einer auf dem eigenen Grundstück stehenden Pflanze auf das Grundstück des Nachbarn, so stehen die Früchte dem Nachbarn zu, wobei der Grund für den „Überfall“ der Früchte (so lautet kurioserweise der Fachterminus) gleichgültig ist. Schüttelt der Eigentümer also seinen Obstbaum um abzuernten, und fallen dabei die Früchte auf das Grundstück des Nachbarn, darf dieser das Obst behalten (§ 911 BGB).

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Aber Vorsicht: der Nachbar seinerseits darf das Herabfallen des Obstes aber nicht selbst provozieren, etwa indem er selbst den Baum schüttelt. Daraus folgt auch, dass Früchte, die an einem Zweig hängen, der auf das Grundstück des Nachbarn hinüberragt, von diesem nicht gepflückt werden dürfen. Die Früchte am Baum stehen dem Eigentümer des Grundstücks zu, auf dem der Baum steht.

Oftmals sind es aber nicht des Nachbars süße Kirschen, die herüberwachsen, sondern Pflanzenteile, die man als Grundstückseigentümer weniger schätzt, so das Hineinwachsen von Pflanzen oder Wurzeln vom Nachbargrundstück her.

Soweit diese die wirtschaftliche Nutzung des Grundstücks beinträchtigen, darf der betroffene Nachbar die Wurzeln abschneiden und behalten; für den Überwuchs oberirdischer Pflanzen gilt dies aber nur, sofern eine dem Nachbarn gesetzte Frist fruchtlos verstrichen ist(§ 910 BGB).

Dabei sind allerdings naturschutzrechtliche Bestimmungen Baumschutzsatzung, etc.) sowie allgemeine Billigkeitsüberlegungen (Fruchtwachstum, etc.) zu beachten, die den Anspruch ganz oder zeitweise ausschließen könnte.