Krabbeltiere

Rüdiger Fritsch, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Fürchten Sie sich vor Spinnen? Manche Mitmenschen reagieren regelrecht panisch, wenn so ein Krabbeltier in ihre Nähe kommt. So auch die Dame, welche mit ihrer Spinnenangst einen Schmerzensgeldprozess auslöste . . .

Fürchten Sie sich vor Spinnen? Manche Mitmenschen reagieren regelrecht panisch, wenn so ein Krabbeltier in ihre Nähe kommt. So auch die Dame, welche mit ihrer Spinnenangst einen Schmerzensgeldprozess auslöste, den das Oberlandesgericht Karlsruhe beschäftigte.

Was war geschehen? Die spätere Klägerin suchte in Ihrer Wohnanlage die Tiefgarage auf. Gerade als sie in ihren Wagen einsteigen wollte, bemerkte sie in Kopfhöhe eine „fette schwarze Spinne“, die sich gerade von der Decke der Tiefgarage herabließ. Die Klägerin erschrak fruchtbar und stürzte. Neben schweren Prellungen trug die Klägerin einen komplizierten Bruch des rechten Handgelenks davon.

Kaum genesen, verklagte die furchtsame Dame das Hausmeisterunternehmen, welches mit der Reinigung der Tiefgarage beauftragt war, auf Leistung von Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe. Die mangelhafte Ausführung der geschuldeten Reinigungsarbeiten habe dazu geführt, dass sich an der Decke der Tiefgarage Spinnen hätten einnisten können. Wäre regelmäßig korrekt gereinigt worden, so hätte sich keine Spinne herablassen können und die Klägerin wäre nie gestürzt.

Wie sauber muss eine Tiefgarage sein?

Dieser Argumentation wollte das Gericht indes nicht folgen und wies die Klage ab (OLG Karlsruhe, Urteil vom 24. 6. 2009, Az.: 7 U 58/09).

Richtig sei zwar, dass der Grundstückseigentümer sein Anwesen so zu pflegen und abzusichern habe, dass keinem Dritten ein Schaden entstehe. Diese Verkehrssicherungspflicht, zu der auch die Pflicht zur Sauberhaltung gehört, könne, wie hier geschehen, allerdings auf einen Dritten (meistens Reinigungs- oder Hausmeisterdienste) delegiert werden. Komme jemand zu Schaden, so hafte derjenige, dem die Sicherungspflicht übertragen war, hier der Reinigungsdienst.

Allerdings, so das OLG Karlsruhe, habe sich im vorliegenden Fall weniger Schaden aufgrund eines Versäumnisses der Reinigungsfirma realisiert, sonder vielmehr das allgemeine Lebensrisiko. Auch bei regelmäßiger Reinigung könne man beim besten Willen nicht verhindern, dass Spinnen sich in einer Tiefgarage ansiedeln und ihre Netze bauen.