Klassenfahrt ins Ausland, erlaubt?

Angela Krall, Fachanwältin für Familienrecht

Das Verwaltungsgericht Berlin hatte jüngst über einen Antrag einer 17-jährigen Schülerin, die vertreten wurde durch ihren Obhutselternteil, zu entscheiden . . .

Das Verwaltungsgericht Berlin hatte jüngst über einen Antrag einer 17-jährigen Schülerin, die vertreten wurde durch ihren Obhutselternteil, zu entscheiden.

Die Schülerin wollte erreichen, dass die Schulbehörde ihr die Genehmigung zur Teilnahme an einer achttägigen Schulveranstaltung in Österreich erteilt. Die Schulbehörde hatte die Teilnahme an dem schulübergreifenden Skigrundkurs aus pädagogischen Gründen zur Wahrung der Sicherheit und der Interessen des Kindes verweigert. Die Schülerin hatte eine aktuelle ärztliche Bescheinigung vorgelegt, aus der sich ergab, dass die Schülerin reisefähig und gesund war.

Das Verwaltungsgericht hat die Auffassung vertreten, dass, obwohl die Eltern der Schülerin getrennt leben und ihre gemeinsame elterliche Sorge besteht, der Elternteil, in dessen Obhut die Schülerin lebt, die Schülerin auch in dieser Angelegenheit allein vertreten kann.

Das Verwaltungsgericht hat die Auffassung vertreten, dass das Kind an der Skifahrt teilnehmen kann, weil es sich um eine Angelegenheit des täglichen Lebens gemäß § 1687 Absatz 1 Satz 3 BGB handelt. Damit hat das Verwaltungsgericht sich der herrschenden Meinung, wonach Klassenfahrten auch in das Ausland mangels nachhaltiger Auswirkungen auf das Kindeswohl zur Alltagssorge gehören.

Anders ist dies nach Stimmen in der Literatur für einen wochen- oder monatelangen Schüleraustausch zu beurteilen, dann müssen die Eltern gemeinsam entscheiden. Nach der überwiegenden Rechtsprechung ist bei weiten Auslandsreisen, insbesondere mit kleineren Kindern, die mit Gesundheitsgefahren oder erheblichen Belastungen verbunden sind, z. B. in Krisengebiete oder nicht vertraute Kulturkreise, der Zustimmung beider Eltern.

Praxishinweis: § 1687 BGB dient der Konfliktvermeidung unter getrenntlebenden Eltern mit gemeinsamer elterlicher Sorge. Danach sind Fragen von erheblicher Bedeutung für das Kind gemeinsam zu entscheiden. Über Angelegenheiten des täglichen Lebens befindet der Elternteil alleine, in dessen Obhut das Kind lebt. Eine genaue Abgrenzung der beiden Regelungsbereiche ist nicht immer ohne weiteres möglich, zumal die individuellen familiären Lebensumstände mit maßgeblich sind.