Jugendstrafrecht /Abgrenzung zum Erwachsenenstrafrecht II

Jochen Ohliger, Fachanwalt für Strafrecht und für Verkehrsrecht

Beschuldigte zwischen dem 14. und dem Erreichen des 21. Lebensjahres werden grundsätzlich vor den Jugendgerichten beim Amts- oder Landgericht angeklagt. Grundsätzlich gelten dort zunächst einmal die allgemeinen Gesetze, sei es das Strafgesetzbuch, sei es die Strafprozessordnung . . .

Beschuldigte zwischen dem 14. und dem Erreichen des 21. Lebensjahres werden grundsätzlich vor den Jugendgerichten beim Amts- oder Landgericht angeklagt. Grundsätzlich gelten dort zunächst einmal die allgemeinen Gesetze, sei es das Strafgesetzbuch, sei es die Strafprozessordnung. Dies aber dann unter Berücksichtigung der Besonderheiten des JGG.

Eine wesentliche Abweichung besteht hier bereits darin, dass bei einer Verurteilung auf der Basis des JGG die im Strafgesetzbuch festgelegten Mindeststrafrahmen nicht gelten. Sehr plastisch darstellbar ist dies bei dem von Jugendlichen Tätern häufig als Bagatelle abgetanen „Abziehen“ („eh gib mir mal ne Kippe; Drohung; Entgegennahme des Gewünschten“). Strafrechtlich stellt sich dies als Raub dar, Mindeststrafe gemäß § 249 StGB ein Jahr. Dieser Rahmen gilt hier nicht, der Angeklagte kann/wird in der Regel milder bestraft werden um auf ihn einzuwirken.

Im Übrigen ist die Sanktionspalette im Jugendstrafrecht deutlich weiter gefächert als im Erwachsenenstrafrecht. Während es dort i.d.R. lediglich eine Unterscheidung zwischen Geld- oder Freiheitsstrafe gibt, wird im JGG zwischen Erziehungsmaßregeln, Zuchtmitteln und Jugendstrafrecht entschieden.

Zu den ersten beiden Sanktionsmöglichkeiten gehören beispielsweise Sozialstunden, Weisungen die sich auf den Aufenthaltsort beziehen, Weisungen hinsichtlich einer Ausbildungsstelle oder sich einem Betreuer zu unterstellen. Wenn massiver eingewirkt werden soll bis hin zu einem Jugendarrest, d.h., einem Zeitraum von bis zu 4 Wochen in einer Jugendarrestanstalt. Im Bereich der Jugendstrafe gibt es die „bekannte“ Freiheitsstrafe mit oder ohne Bewährung. Hintergrund für diese Vielzahl von Bestrafungsmöglichkeiten ist die Überlegung erzieherisch punktuell günstiger und wirksamer auf den jeweiligen Straftäter einzuwirken.