Haushaltsführungsschaden – eine „gerne“ vergessene Geldquelle

Jochen Ohliger, Fachanwalt für Strafrecht und für Verkehrsrecht

Wenn sich der alleinverdienende Ehemann bei einem Verkehrsunfall unverschuldet verletzt, wird das Gehalt nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz weiter gezahlt. Anders ist es, wenn die Hausfrau verletzt wird und sie im Haushalt dann mehrere Wochen ausfällt. Hierunter leidet die ganze Familie . . .

Wenn sich der alleinverdienende Ehemann bei einem Verkehrsunfall unverschuldet verletzt, wird das Gehalt nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz weiter gezahlt. Anders ist es, wenn die Hausfrau verletzt wird und sie im Haushalt dann mehrere Wochen ausfällt. Hierunter leidet die ganze Familie, es wird nicht mehr wie gewohnt gekocht, gewaschen, die Wohnung gesäubert usw. Dies wird in der Rechtsprechung als so genannter Haushaltsführungsschaden bezeichnet. Wird jetzt eine Haushaltshilfe eingestellt, ist die Schadensberechnung unproblematisch, die entsprechenden Kosten sind vom Verursacher oder dessen Versicherung zu übernehmen. Häufig wird aber so verfahren, dass nunmehr die Arbeit von Verwandten, einem Lebenspartner oder Freunden aus Gefälligkeit übernommen wird. In diesen Fällen besteht dann ein Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung.

Die Höhe bemisst sich natürlich zunächst einmal an der Größe des geführten Haushaltes, bei zwei zu versorgenden Personen und einer 80-m²-Wohnung gilt etwas anderes als im Fall der Versorgung mehrerer Kinder und eines großen freistehenden Einfamilienhauses. Gegenüber dem Schädiger ist, möglichst detailliert, der wöchentliche Arbeitsanfall aufzuzeigen. Die dann folgende Berechnung ist recht kompliziert. Es muss festgestellt werden, welcher Anteil der Arbeitszeit im Haushalt aufgrund der konkreten Beeinträchtigung der Hausfrau von einer Hilfskraft im Einzelnen übernommen werden müsste. Die dann festgestellte Stundenzahl wird mit 8,00 Euro bis 10,00 Euro vergütet, teilweise auf der Basis des entsprechenden Tarifvertrages für Haushaltsgehilfinnen/-gehilfen.

Insbesondere die Berechnung gegenüber der gegnerischen Haftpflichtversicherung ist vom juristischen Laien kaum so zu bewerkstelligen, dass am Ende der Schadensabwicklung tatsächlich der „richtige Betrag“ gezahlt wird. Von alleine wird man von der Versicherung hierauf natürlich sowieso nicht angesprochen. Es empfiehlt sich, in jedem Fall einen Anwalt zu Rate zu ziehen.