Autounfall – Ärger vorprogrammiert

Jochen Ohliger, Fachanwalt für Strafrecht und für Verkehrsrecht

Dass Autounfälle ärgerlich sind, weiß jedes Kind: Der Schreck, Polizei, Schuldfrage, Lauferei etc. In den letzten Jahren gibt es aber auf einer weiteren Ebene ständig Ärger, nämlich bei der Regulierung des Schadens durch die Haftpflichtversicherung der Höhe nach . . .

Die Versicherer überprüfen nicht zuletzt die Positionen der Nettoreparaturkosten und rechnen diese gerne herunter. Die instanzgerichtliche Rechtsprechung war hierzu sehr uneinheitlich, teilweise wurden Abzüge zugelassen, teilweise die Nettoreparaturkosten auf der Basis eines vorgelegten Sachverständigengutachtens zugesprochen.

Der Bundesgerichtshof hat in seinem so genannten „Porsche-Urteil“ aus 2007 und einer sehr jungen Entscheidung aus 2009 (Aktenzeichen: VI ZR 53/09) versucht, Klarheit zu schaffen, was jedoch nicht abschließend gelungen ist.

Es gelten folgende Grundsätze: 1. Ist das Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt jünger als 3 Jahre, muss der Versicherer die Reparaturkosten bezahlen, wenn diese von einem Sachverständigen ermittelt sind. Der beliebte Einwand, „das hätte irgend eine andere Werkstatt billiger gemacht“, zählt nicht.

Keine Dorfwerkstatt in der Südeifel 2. Bei älteren Fahrzeugen ist die Sache weniger klar. Hier ist eine Herunterrechnung des Schadens grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Hier hat das Bundesgericht aber zum Schutz der Geschädigten gewisse Bedingungen gestellt: Die vom Versicherer alternativ angebotene Werkstatt muss technisch gleichwertig arbeiten und darf nicht eine mit Sonderkonditionen arbeitende „Haus- und Hofwerkstatt“ des Versicherers sein. Weiter sind die Garantieleistungen einander gegenüber zu stellen und die alternativ ins Spiel gebrachte Werkstatt muss zumutbar sein.

Ich muss mich als Geschädigter in Solingen also gerade nicht auf eine fernab gelegene Werkstatt verweisen lassen.

Fazit: Fachleute gehen davon aus, dass die Versicherer keine Gelegenheit auslassen werden, hier zu sparen. Es wird mit einer Vielzahl von Streitigkeiten über Restansprüche aus Unfallereignissen gerechnet.

Hier bietet sich der frühst mögliche Weg zum Anwalt an, der ja die Einwände der Haftpflichtversicherung kennt und vorne herein die Beratung und Vorgehensweise darauf einstellt.